"Die Zeit der reinen Bespaßung ist vorbei" - Feuertaufe für Ex-RTL-Mann Markus Lanz

München - Es scheint einfach an allen Ecken zu passen. Markus Lanz war selbst in Äthiopien. Er ist erfahrener Fernsehmoderator. Er feiert am gleichen Tag Geburtstag wie Karlheinz Böhm, am 16. März. Und er ist "ein gutaussehender junger Mann", so ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner.

All das scheint den 39-Jährigen zu prädestinieren für die ehrenvolle Rolle, die er heute Abend spielt. Um 20.15 Uhr moderiert er eine Spendengala, bei der kräftig für Karlheinz Böhms Stiftung "Menschen für Menschen" gesammelt werden soll - zugleich eine Hommage an deren 80-jährigen Gründer. Im Lauf des Jahres soll Lanz zwei weitere Spendengalas moderieren: für die Deutsche Welthungerhilfe und für Brot für die Welt. Mit seiner "heutigeren Art" scheint er für Teubner der Passende zu sein - ohne dass er Dieter Thomas Hecks Nachfolger werden solle.

Und auch nicht der von Johannes B. Kerner. Zwar übernimmt der gebürtige Südtiroler Lanz erstens dessen Kochshow am Freitagabend, die ab 6. Juni "Lanz kocht" heißen wird. Kürzlich hatte Lanz eine Biografie über den prominenten Koch Horst Lichter veröffentlicht; und er schätze eine gute Tomate mehr als ein teurers Auto, sagt er. Zweitens wird er auch die Late-Talk-Show "Kerner" durch die Sommerpause hindurch moderieren. Doch hier will er das Konzept verändern. Die Sendungen sollen monothematisch werden und mit weniger Promis aufwarten. "Es gibt viele normale Menschen, die tolle Geschichten zu erzählen haben", so Lanz.

Hat es ihm - der seit 1998 bei RTL in Köln arbeitete und 2000 das Boulevardmagazin "Explosiv" übernahm - einfach gereicht mit Schlagzeilen wie "Willi Herren im Drogensumpf" oder "Kinderschänder überführt"? Und wieso wechselt er gleichzeitig mit seinen RTL-Kolleginnen Antonia Rados (künftige Korrespondentin des "heute-journal") und Susanne Kronzucker (neue Moderatorin von "Mona Lisa") zum ZDF? "Zufall", so Lanz. Er habe einen "Systemwechsel" gewollt, weg vom rein betriebswirtschaftlichen Denken der Privaten hin zur "qualitativ hochwertigeren" Programmgestaltung der Öffentlich-Rechtlichen.

Lanz, der von 1998 bis 2006 mit Fernsehmoderatorin Birgit Schrowange (50) liiert war und mit ihr Sohn Laurin Luis (7) hat, ist ein geschmeidiger Typ. Angesichts der bevorstehenden Feuertaufe im ZDF ist sein Lächeln etwas angespannt, als er im Ledersessel sitzend seine Gedanken um die Zukunft des gebührenfinanzierten Fernsehens verrät: "Die Zeit der reinen Bespaßung ist vorbei." Das übernähmen längst Internetportale wie Youtube. Dagegen müsse das Fernsehen es schaffen, für seine Zuschauer relevant zu bleiben.

Ernste Worte für einen, der zehn Jahre als Boulevardier gearbeitet hat. Ist auch für ihn die reine Bespaßungszeit vorbei? Wenn er von Äthiopien erzählt, wo er viermal war, scheint es fast so. Seit 2003 verbrachte Lanz mehrere Wochen in dem ostafrikanischen Land - als Pate für die Trinkwasser-Initiative von Unicef und einem Mineralwasserhersteller. Sie sieht vor, dass für jeden verkauften Liter Mineralwasser zehn Liter sauberes Trinkwasser in Äthiopien gefördert werden - es entstehen 40 neue Brunnen.

"In Äthiopien kann man viel über gute Entwicklungshilfe lernen", so Lanz. Ein Beispiel für schlechte? Wenn die Helfer einen Brunnen technisch so kompliziert anlegten, dass die Einheimischen ihn nicht reparieren könnten. "Und wir können uns von der archaischen Gesellschaftsstruktur dort viel abschauen" - etwa, wie ältere oder behinderte Menschen fest in die Gemeinschaft integriert seien.

Es klingt fast wie das, was Böhm selbst erzählt, der allerdings ein halbes Leben in Äthiopien zugebracht hat und das Land seine Heimat nennt. Sein oberstes Ziel ist der Bau von Schulen. Lanz sagt, er habe "erkannt, was Böhms Motivation" sei: "Man sieht dort keinen einzigen normal ernährten Menschen." Echter Durst und Wissensdurst müssten zugleich gestillt werden.

Kochen, talken, zum Spenden animieren - ob Lanz solch ein Sammelsurium an Tätigkeiten glaubwürdig rüberbringt? Ob er Kerners spitzbübischem Grinsen und Hecks väterlichem Charme etwas Überzeugendes entgegenzusetzen hat - und zugleich dazu beiträgt, dem ZDF endlich ein jüngeres, frischeres Image zu verpassen? All das wird sich ab heute abend zeigen. Das ZDF überträgt die Gala ab 20.15 Uhr.

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