Christoph Süß als korrupter Bayer. So hängt er in acht bayerischen Städten. Foto: Marcus schlaf

Plakatkampagne für Fernsehsendung

Diese BR-Werbung sorgt für Aufregung

München - Die BR-Sendung „Quer“ wirbt mit einem verwirrenden Plakat. Landtagspräsidentin Stamm fordert „mehr Sensibilität“

Man muss schon ganz genau hinschauen bei diesem Wahlplakat. Da steht ein fescher Mann in Lederhosen, einen Trachtenhut auf dem Kopf. Gutmütig und sehr zufrieden schaut er drein – was nicht zuletzt an den zwei fetten Geldbündeln im Hintergrund liegen dürfte. Ein Hauch von Filz und Korruption liegt in der Luft. Mit einem rot-weiß karierten Tuch wischt sich der Mann die Hände ab. „Weil eine Hand die andere wäscht“, steht da in Großbuchstaben.

Erst der zweite Blick verrät: Der Mann in Tracht ist Christoph Süß, ein populärer Moderator im Bayerischen Fernsehen. Er wirbt für ein „Bündnis zur Förderung der bayerischen Beziehungshygiene“, kurz BFBB. Das Motiv hängt in allen größeren bayerischen Städten, Süß blickt herab von Plakatwänden und Litfaßsäulen. Ein Wahlplakat unter vielen? Eine Partei, die offensiv für Korruption wirbt?

Christoph Süß als korrupter Bayer. So hängt er in acht bayerischen Städten.

„Ein kleiner Schwindel“, sagt Süß, „aber der fliegt bald auf.“ Denn hinter der Kampagne steckt seine satirische Sendung „Quer“. Am Donnerstag läuft die erste Episode nach der Sommerpause (20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen). „Wir wollten mit einem Ausrufezeichen in die Herbststaffel starten“, sagt Redaktionsleiter Wolfgang Mezger. Die Idee sei aufgekommen, als die Abgeordnetenaffäre gerade brodelte. „Den Bayern wird ja schon immer das Phänomen der Spezlwirtschaft zugeschrieben. Und als auch noch die Verwandtenaffäre im Landtag publik wurde, entstand die Idee, ein eigentlich kritikwürdiges Verhalten provokant offensiv zu vertreten – mit dem derzeitigen Kommunikationsmittel schlechthin, einem Wahlplakat“, sagt Mezger. Botschaft: Eigentlich müsste es eine Partei geben, die klar für Vetternwirtschaft steht und politisch eintritt.

Aufmerksamkeit ist den „Quer“-Leuten gerade recht. Ziel war ja, dass ganz Bayern über das Plakat spricht und rätselt, sogar im Sender gab es intern verwunderte Anrufe. „Die Irritation als Erstimpuls ist durchaus gewollt“, sagt Mezger: „Gibt es diese Partei wirklich? Der Süß macht Wahlkampf!“ Deshalb fehlt auch auf vielen der Plakate der Name der Sendung. Erst heute sollen sie mit der Auflösung beklebt werden.

In der Politik wird die Satire zwar erkannt, doch es gibt hochgezogene Brauen. Die Kosten hält der Sender unter Verschluss. Branchenkenner rechnen für vergleichbare Kampagnen mit einem sechsstelligen Betrag; der Sender komme durch langfristige Verträge aber sicher günstiger weg. Der BR steht als gebührenfinanzierter Sender da besonders unter Beobachtung.

Parteipolitiker laufen oft gegen kleinste vermeintliche Benachteiligungen Sturm – beim Chefredakteur, mindestens, besser gleich beim Intendanten. Ganze Redaktionsteams müssen dann in den Archiven Sendesekunden nachzählen, um Ausgewogenheit zu belegen. Dass nun die ganze Politbranche pauschal als korrupt plakatiert wird, sorgt für wenig Freude.

Man versuche gerade, für neues Vertrauen in die Politik zu werben, sagt zum Beispiel Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie werde sich als Verwaltungsratsvorsitzende des Senders keinesfalls ins Programm einmischen und in den Einsatz des Werbe-Etats, sehe auch die Besonderheit von Satire. Als Parlamentspräsidentin aber wünscht sich Stamm „schon ein Stück mehr Sensibilität“.

Redaktionsleiter Mezger versteht die Kritik nicht. „Wieso?“, fragt er und deutet die Sache einfach um: „Indem wir das BFBB als Sammelbecken für korruptionsaffine Wähler bieten, zeigen wir ja im Umkehrschluss, dass wir denen keine Heimat in anderen Parteien zuordnen.“

Aus Satire wird mitunter politischer Ernst. Die Zeitschrift „Titanic“ zum Beispiel gründete die Spaßpartei „Die Partei“, kandidierte und machte Wahlkampf. Ein Vorbild? Nein, sagt Mezger: „Die Geschichte ist nach dieser Woche gegessen. Das BFBB wird eingestampft, bevor es wirklich gegründet wurde.“ Auch Moderator Christoph Süß zieht es nicht in die Politik: „Nein, da will ich nicht hin“, sagt er, „da hab’ ich nicht die Robustheit dazu.“

Von Simon Pfanzelt und Christian Deutschländer

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