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Wer hat Finns (Daniel Neu) Schwimmtrainer ins Koma geprügelt? Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) ermittelt im neuen „Tatort“ am Sonntag in der ARD.

Merkur-Interview

"Tatort": So geht Striesow mit Kritik um

München - Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Devid Striesow über seinen saarländischen „Tatort“-Kommissar, die heftigen Kritiken, und warum er nicht aufgibt.

An diesem Sonntag ermittelt Devid Striesow von 20.15 Uhr an in der ARD  zum dritten Mal als „Tatort“-Kommissar in Saarbrücken. Die ersten beiden Folgen kamen gar nicht gut an. Mit dem von Lars Montag und Dirk Kämper spannend inszenierten Werk „Adams Albtraum“ aber könnte sich die Zuschauergunst endlich einstellen. Striesow darf zumindest ein paar weitere Facetten seiner skurril angelegten Figur zeigen, wie der in Berlin lebende 40-Jährige im Interview verriet.

So richtig beliebt ist Ihr Kommissar Jens Stellbrink noch nicht...

Jaaaa, die Kritiken waren zum Teil schon ungewohnt heftig. Aber bei neun Millionen Zuschauern gibt es eben auch anschließend eine entsprechende Masse an Reaktionen.

Derartig harsche Verrisse und Kommentare im Internet schlugen Ihnen vorher noch nie entgegen?

Nein. Ich habe aber auch diesmal gar nicht so viel abbekommen. Ich stand zumindest nicht im Zentrum der Häme. Da hieß es, man hätte mir diese Rolle aufgezwungen. Dabei stimmt das überhaupt nicht. Das habe ich mir schon selbst ausgedacht.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Sie wollten also unbedingt provozieren, mit Gummistiefeln, kurzen Hosen, Vespa, Yogaübungen und schrägen Witzen?

Wir alle im Team haben fest damit gerechnet, dass dieser Stellbrink polarisieren wird. Ich wollte etwas Neues versuchen und das auch wirklich mit Überzeugung. So viel wie möglich investieren, um eine Figur auch langfristig zu entwickeln und wirklich tragfähig werden zu lassen.

Allzu viele Leute sind es noch nicht, die mit Stellbrink und seinen intuitiven Methoden etwas anfangen können. Erzeugt das mehr Druck, auch vonseiten des Saarländischen Rundfunks?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich gibt es ein Team von Produzent, Redakteur und Regisseur, das sich gemeinsam über das Buch und die Dreharbeiten und natürlich auch nach der Ausstrahlung über die Reaktionen austauscht. Aber das empfinde ich als sehr angenehm. Wir bieten eine Geschichte an, und anschließend schauen wir, was wurde angenommen, was kann man noch weiter ausbauen. Wir wollen ja auf keinen Fall absichtlich schockieren oder etwas an den Menschen vorbei machen. Es ist doch ein Geschenk für die Leute! (Lacht laut.) Ich schenke mir das doch nicht selber, das ist schon für die Fans. Keiner von uns hat Interesse daran, das allein zur Selbstverwirklichung zu machen.

Sie haben jede Menge Preise erhalten, darunter den Deutschen Filmpreis, den Grimme-Preis, den Alfred-Kerr-Preis. Keine Angst, sich jetzt als Ermittler in Saarbrücken das Image zu ramponieren?

Nein, ich betrachte diese Figur als sehr ausbaufähig und sehe das Projekt noch lange nicht als gescheitert an. Da steckt noch eine Menge kreatives Potenzial drin, und es macht nach wie vor großen Spaß, das auszukosten.

Trotzdem kann es solche Typen wie Stellbrink nur im Fernsehen geben und nicht im wirklichen Leben, oder?

Also Yoga mache ich schon auch privat... (Lacht.) Aber nein, schon klar, ganz sicher nicht. Das gilt für fast alles, was im Fernsehkrimi stattfindet, denke ich. Fast alles ist überhöht und geschönt oder zusätzlich dramatisiert. Als ich vor dem ersten „Tatort“ zur Recherche in einem echten Kommissariat in Berlin war, sah dort alles so trist und öde aus, das kann man nicht zeigen. Die Realität will ja niemand sehen am Sonntag. Da braucht man einfach Fiktion.

Sehen Sie sich an, was die Kollegen auf demselben Sendeplatz so treiben?

Ich schaue ja eigentlich gar kein Fernsehen.

Das klingt ja ganz schön bildungsbürgerlich...

Es liegt eher daran, dass ich um diese Uhrzeit immer drei Kinder ins Bett zu bringen habe. Und erst später in einen Film einsteigen, wenn er schon läuft, das mag ich nicht. Aber ich sehe mir viele Sachen auf DVD an, auch Serien. Ich will mir von einem Fernsehprogramm nicht meinen Tagesablauf vorschreiben lassen, sondern ich will die Filme dann ansehen, wenn ich Lust dazu habe – und Ruhe. Was eben normalerweise erst der Fall ist, wenn die Kinder schlafen.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

Saarbrücker „Tatort“: Ernsthafter Versuch

Glaubhaftere Charaktere und eine spannende Geschichte: Der dritte Saarbrücker „Tatort“ an diesem Sonntag ab 20.15 Uhr schafft den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung. Schwimmtrainer Sven Haasberger (Markus Hoffmann) ist bei seinen Schülern beliebt. Doch nach einer Preisverleihung für sein Engagement tauchen vermummte Gestalten auf und prügeln ihn ins Koma. Der Notarzt gibt ihm keine Chance. Schnell ist klar, welches Motiv dahinter steckt: Er soll sich an seinen Schülern vergangen haben. Die Angreifer wollten Haasberger so an den Pranger stellen. In Gesprächen mit den Kindern aber kommen den Ermittlern Stellbrink (Devid Striesow) und Marx (Elisabeth Brück) Zweifel. Mit „Adams Albtraum“ unter der Regie von Hannu Salonen steht erstmals die Geschichte im Vordergrund.

mm

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