Diplomat zwischen Mannschaft und Mikro

Emotionen und Freude am Fußball vermitteln - das ist Oliver Kahns selbsterklärtes Ziel als ZDF-Experte an der Seite von Johannes B. Kerner. Am 10. September wird er beim WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland erstmals in seine neue Rolle schlüpfen.

Fotos von Oliver Kahn in allen denkbaren Lebenssituationen - es gibt sie zuhauf. Dennoch kämpfen die Fotografen lautstark um die beste Perspektive, als der ehemalige Torhüter neben Johannes B. Kerner und ZDF-Sport-Chef Dieter Gruschwitz bei einem Pressegespräch in der Münchner Allianz Arena posiert. Farblich gesehen präsentiert sich das neue Fußball-Moderations-Duo jedenfalls schon jetzt bestens aufeinander abgestimmt. Das ZDF hatte sich auf die Suche nach einem neuen Experten gemacht, nachdem Jürgen Klopp aus beruflichen Gründen erklärt hatte, dem Trio mit Kerner und Urs Meier nicht mehr angehören zu wollen.

Ob Kahn der Perspektivwechsel vom Spieler zum neutralen Moderator wenige Tage nach seinem offiziellen Abschied vom Profi-Fußball gelingen wird, wird sich am kommenden Mittwoch zeigen. Dann wird Kahn erstmals als sogenannter ZDF-Experte neben Kerner beim WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland in Helsinki auftreten. Bei seiner jetzigen Antwort auf die Frage, ob er die Aussprache der Namen der finnischen Spieler schon beherrsche, verfällt Kahn sehr schnell wieder in die Rolle des Spielers: "Das Spiel wird keine einfache Geschichte für uns", warnt er und erinnert an frühere Begegnungen, in denen "wir uns nicht gerade leicht getan haben". Kahn zeigt sich auf Nachfrage aber zuversichtlich, diese Rollen bald trennen zu können.

Seinem Ehrgeiz entsprechend schon bald die Nummer eins im Feld der Fernsehkommentatoren ablösen zu wollen, hat der 39-Jährige nach eigenen Angaben nicht im Sinn. Die Liebe zum Fußball sei der Grund gewesen, das Angebot des ZDF anzunehmen. Er freue sich, dem Zuschauer seinen Sport aus der Innenperspektive vermitteln zu können. "Ich weiß, wie sich der Spieler fühlt und aus welchen Gründen ein Trainer sich für eine bestimmte Aufstellung entscheidet." Genau dieses Wissen, ergänzte Kerner, mache dieses Duo so einmalig: Was in einem Fußballer vorgehe, welche Atmosphäre in den Kabinen herrsche - all das könne er als Außenstehender nur erahnen.

"Olli ist insofern der beste Diplomat zwischen Mannschaft und Mikro." Zu seiner aktiven Zeit schien Oliver Kahn nicht immer entzückt über die teils nicht enden wollenden Spiel-Analysen. "Dass so manche Kritik der Journalisten nicht unberechtigt war, merke ich erst jetzt mit der nötigen Distanz." Er selbst wolle versuchen, eine neutrale Position zu ergreifen und die nötige Sensibilität walten zu lassen. "Manchmal ist Kritik an einem einzelnen Spieler einfach unberechtigt." Gleichzeitig gebe es Situationen, "da muss man nichts mehr dazu sagen".

Den starren Blick nach rechts oben, sobald er in eine Kamera spricht, will Kahn aufgeben - so kündigt er es zumindest an. "Ich freue mich, endlich mal in die Kamera zu schauen", sagt er und fügt scherzhaft hinzu: "Oder in Johannes schöne Augen."

Der offenen Art, wie er die Journalistenfragen beantwortet, merkt man an, dass er sich auf die neue Herausforderung freut. In Ansätzen besprochen habe er die Moderationsabläufe mit seinem neuen Mitspieler bereits. Letztlich sei es aber wie auf dem Platz: "Du kannst trainieren, aber dann musst du es einfach mal tun", so Kahn und schielt dabei doch wieder ein klein wenig nach rechts oben.

Bis Juli 2010 hat das ZDF Kahn unter Vertrag genommen. Bis dahin wird er alle Spiele der Nationalmannschaft an der Seite von Kerner analysieren - inklusive der Weltmeisterschaft in Südafrika und einzelner DFB-Pokal-Spiele. Was danach kommt, wird sich zeigen. Doch eins scheint sicher: Vollends von der Bildfläche verschwinden wird der Titan auch danach nicht.

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