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Als „extrem ergebnisorientiert und erfolgsgeil“ charakterisiert sich Karl-Heinz Richard von Sayn-Wittgenstein, der als „Immobilienfürst“ verzweifelten Hauseigentümern beim Verkauf ihrer Immobilien hilft.

Doku-Soap: Der Immobilienfürst

München - Als „Immobilienfürst“ soll der Münchner Luxusvillenhändler Karl-Heinz Richard von Sayn-Wittgenstein bei Kabel 1 unverkäufliche Häuser an den Mann bringen. Warum nur tut der Millionär so etwas?

Karl-Heinz ist ein Mann von echtem Schrot und Korn. Sein gewaltiges Jackett spannt mächtig überm Wohlstandsbauch, Geld nennt er „Kohle“, Spontaneität „richtig geil“, Fremde duzt er, Freunde herzt er, mit allen kann er, und die Schweißflecken unterm Arm scheinen ihm herzlich egal. Sie sind ja das Ergebnis harter Arbeit. Trüge er nicht diesen seltsamen Nachnamen, Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein wäre einer von uns.

Aber das ist er nicht, auch wenn das Münchner Schwergewicht so tut. Der Pfundskerl mit dem Adelstitel verkauft nämlich Häuser. Nicht die kleinen, sondern die ganz großen, die ganz feinen Klötze. Luxusdomizile, von denen er zusammen mit seiner Frau Fürstin Andrea Johanna selbst eine besitzt, auf Mallorca, seinem Arbeitsplatz.

Jetzt aber begibt er sich in die Niederungen seines Gewerbes. Als „Immobilienfürst“ schickt ihn Kabel 1 in die Provinz, um dort schwer verkäufliche Eigenheime zu veräußern, eine Art „Einsatz in vier Wänden“ für klamme Hauseigentümer (immer dienstags um 21.10 Uhr). Zu Judith und Daniel zum Beispiel, zwei Geschwister aus Winterberg (Nordrhein-Westfalen), die vom Vater ein altes Fachwerkhaus am Dorfstraßenrand erben und mit ihm einen Haufen Schulden. Seit langem versuchen sie das marode Gebäude loszuwerden.

Vergebens. Bis, ja bis der Blaublüter von der Sonneninsel anreist, „ihre letzte Hoffnung“, wie es stets heißt im deutschen Hilfefernsehen. Und wie er da auftritt, der 55-jährige Millionär! Mit offenen Armen und Messingknöpfen am Gewand, mit großen Gesten und rosa Hemden, mit kernigem Bairisch und großen Plänen. So schwer wie drei Zwegats, aber nicht minder kompetent, organisiert er im Handumdrehen, was die beiden armen Erben zwei Jahre nicht vermochten.

Wie gut, dass der örtliche Möbelhändler das Haus für Verkaufsgespräche leihweise möbliert, dass plötzlich eine Malerkolonne durch die Flure der hochbetagten Immobilie rauscht, dass die Freiwillige Feuerwehr des Ortes in Mannschaftsstärke zum Entrümpeln anrückt und Sayn-Wittgensteins PR-Aktion mit Megaphon im Nachbarort für einen wahren Interessentenansturm am Auktionstag sorgt – all das zählt zur Mechanik des vermeintlichen Reality TV, in dem nichts so real ist, wie es scheint.

Aber es steckt doch eine pragmatische Energie im „Immobilienfürsten“, die sich nicht nur durch die Zwänge des Formats erklären lässt. Wenn Wittgenstein, wie er sich profan am Telefon meldet, dem trägen Daniel handgreiflich die Ohren lang zieht, wirkt das tatsächlich väterlich, nicht inszeniert. Wenn er Ordnung, Sauberkeit und Fleiß predigt, spricht daraus die Erfahrung eines früheren Versicherungsmaklers, der seit 14 Jahren Häuser verkauft. Und wenn er damit am Ende Erfolg hat, ist seine Freude fast glaubhaft.

Fragt sich nur, warum er das macht. Weil er sich „gebauchpinselt“ gefühlt habe, wie der finanziell unabhängige Geschäftsmann das Angebot von Kabel 1 kommentiert? Während sich Standesgenossen durch alle Instanzen klagen, um nur ja keine Sekunde ihres Lebens preiszugeben, hecheln andere vor jedes Objektiv, um nur ja nicht unbeobachtet zu bleiben. Caroline von Monaco geht also bis vor den Europäischen Gerichtshof, um privat zu bleiben, Maja Prinzessin von Hohenzollern zu Sat.1, um einen Mann zu finden. Dazwischen werden fleißig Gräfinnen gesucht.

Und Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein verkauft plötzlich Behausungen, die seines Ranges und vor allem Kontostandes unwürdig erscheinen. Dazu muss man allerdings wissen, dass er eigentlich kein Spross des rheinischen Geschlechts mit Wurzeln bis ins 12. Jahrhundert ist. Schließlich wurde nur ein Nachfahr als Fürstin zu Sayn-Wittgenstein geboren, während die anderen 30 Namensträger postnatal adelig sind, wie das Stammhaus verlautbaren lässt.

Das wiederum lässt durchaus auf gekaufte Titel schließen, die der berühmte Konsul Hans-Hermann Weyer einst populär machte. „Ich wurde mit 20 adoptiert“, erklärt Karl-Heinz seine Herkunft. „Und habe nicht einen Pfennig dafür bezahlt“. Ende der Debatte. Glauben wir’s ihm mal.

Unzweifelhaft ist jedenfalls, dass er den Geldadel aus eigener Kraft erreicht hat. Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat sich in den Achtzigern zum überaus erfolgreichen Auktionator gemausert und darüber ein Buch geschrieben. Dessen Titel „Millionenhammer“ entspricht wohl seinem Naturell. Hemdsärmelig ist er und rustikal, ein „Bullterrier, der sich festbeißt“, so seine Eigenbeschreibung, ein „fast psychopathischer Perfektionist, extrem ergebnisorientiert und erfolgsgeil“.

Etwas Prollgehabe, dazu viel Glamour, ein wenig Leistungsgesellschaft und reichlich Bilder aus den Intimsphären der Republik – die perfekte Mischung fürs Kommerzfernsehen. Und kaum einer verkörpert es so wie Karl-Heinz, der Fürst aus Malle.

von Jan Freitag

Biografisches zum „Immobilienfürsten“

Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein wurde am 29. Juli 1957 in München geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann, die er 1972 abschloss. Danach ging er für zwei Jahre nach Australien.

Nach seiner Rückkehr gründete von Sayn-Wittgenstein in seiner Heimatstadt eine Versicherungsagentur, später brachte er als Auktionator Luxusartikel unter den Hammer. Seit 1995 handelt der Fürst mit Häusern, machte nach eigenen Angaben mit dem Verkauf von Immobilien in Toplagen ein Vermögen.

Zusammen mit seiner Frau Andrea Johanna besitzt Karl-Heinz Richard von Sayn-Wittgenstein selbst mehrere Häuser in Deutschland, Österreich, Norwegen und auf der Ferieninsel Mallorca. Er veröffentlichte zwei Bücher, „Der Millionenhammer“ und „Operation Plutonium“.

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