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Perfekte Harmonie: In den Spielfilmen des Duos gab Oliver Hardy (r.) den Weltmann, Stan Laurel übernahm die Rolle des Trottels, der am Ende oft triumphiert.

Doku über Dick & Doof - die Unzertrennlichen

München - Im Rahmen einer Filmreihe zeigt Arte Andreas Baums Dokumentation über die Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy. Darin erfährt der Zuschauer zum Beispiel, dass die Rollen der beiden im echten Leben ganz anders waren, als man es nach "Dick und Doof" vermutet hätte.

Vor der Kamera war Ollie der Chef und Stan sein treuer Diener. Im wirklichen Leben aber war das Gegenteil der Fall. Während der dünne Brite Stan Laurel (eigentlich: Arthur Stanley Jefferson) die Fäden in der Hand hielt und der kreative Kopf des wohl berühmtesten Komikerduos aller Zeiten war, begnügte sich der dicke Amerikaner Oliver Hardy mit seiner Rolle als Schauspieler.

So richtig gute Spezln waren die beiden anfangs übrigens nicht, auch wenn sie die Kunst des anderen schätzten. Unzertrennlich wurden sie erst später und ganz besonders auf ihre älteren Tage, als sie in Europa vor begeisterten Fans Theater spielten, wie die sehenswerte Dokumentation „Laurel und Hardy“ von Andreas Baum heute um 20.15 Uhr bei Arte zeigt. Der eineinhalbstündige Beitrag, in dem auch Angehörige der beiden zu Wort kommen und seltene Privataufnahmen zu sehen sind, ist Teil einer großen „Laurel & Hardy“-Reihe, die noch bis zum Neujahrstag viele Klassiker aus dem umfangreichen Werk der beiden Komiker zeigt (siehe unten), die in Deutschland unter dem abwertenden Namen „Dick & Doof“ populär wurden.

Baums Film zeigt, dass viele Gags und Slapsticks, die heute in jeder Kinokomödie und jeder Comedyserie gang und gäbe sind, von den beiden erfunden wurden. Ihren ersten gemeinsamen Film drehten Laurel und Hardy schon Jahre vor ihrer Glanzzeit als weltberühmtes Duo. Im Jahr 1921 standen sie in dem Kurzfilm „The Lucky Dog“ vor der Kamera, in dem Oliver Hardy als finsterer Strauchdieb den arglosen Stan Laurel auf offener Straße überfällt.

Erst fünf Jahre später fanden die beiden wieder zusammen, im Studio des berühmten Produzenten Hal Roach in Culver City unweit von Los Angeles. Roach, der bereits den Komiker Harold Lloyd zum Star gemacht hatte und aus dessen Werkstatt auch „Die kleinen Strolche“ stammten, erkannte das komische Potenzial des Briten Laurel und des Amerikaners Hardy, der aus Harlem im US-Bundesstaat Georgia stammte. Die Männer mit den charakteristischen Bowlern auf den Köpfen, die pro Film mindestens einmal vertauscht wurden, drehten Slapstickkomödie um Slapstickkomödie, schafften Ende der Zwanzigerjahre problemlos den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm und schufen gemeinsam insgesamt 106 Filme, darunter „Fra Diavolo“, „Sons Of The Desert“/„Die Wüstensöhne“ (beide 1933), „Bonnie Scotland“/„Die tapferen Schotten“ (1935), „Way Out West“/„Zwei ritten nach Texas“ (1937) und „Nothing But Trouble“/„Nichts als Ärger“ (1944). Die Dokumentation zeigt zahlreiche Ausschnitte.

Vor allem die kurzen Stücke mit Stan und Ollie, bei denen Hal Roach seinen beiden Stars relativ freie Hand ließ, wurden wegweisend für das Genre – der knapp halbstündige Kurzfilm „The Musicbox“, in dem sie sich mit einem Klavier und einer endlos langen Treppe abmühen, erhielt 1932 einen Oscar. Künstlerische Differenzen zwischen Hal Roach und Stan Laurel, der viele der Gags entwickelte und manchmal auch als Regisseur arbeitete, führten 1940 zur Trennung des Duos von seinem Produzenten.

Es folgten noch einige Spielfilme für große Hollywoodstudios, die aber nicht mehr an den Charme der früheren Werke herankamen, auch weil sie keinerlei Raum für Improvisationen ließen. Im Jahr 1951 drehten Laurel und Hardy ihren letzten gemeinsamen Film „Atoll K.“, der kein kommerzieller Erfolg mehr wurde, eine Theatertournee durch Europa wurde dagegen zum Triumphzug. Oliver Hardy starb 1957 mit 65 an den Folgen eines Schlaganfalls, acht Jahre später Stan Laurel im Alter von 75 Jahren.

Von Martin Weber

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