Dokumentation: Anschläge in Deutschland?

Mainz - Eine "abgrundtiefe Verachtung der Staatsmacht" erkennt ZDF-Terrorexperte Elmar Theveßen bei jungen, islamistischen Terroristen, die oft scheinbar integriert in unserer Gesellschaft leben. Heute läuft Theveßens neue Dokumentation "Terrorziel Deutschland" um 21 Uhr im ZDF.

Die Szene erschreckt: Lachend stemmen junge Menschen Gasflaschen über ihre Köpfe - mitten in einem Baumarkt voller Kunden. Mit dem Kraftakt verhöhnten die Terrorverdächtigen von Ulm und Saarbrücken die Fahnder, die sie rund um die Uhr verfolgten und beobachteten. "Sie wollten die Beamten provozieren", sagt Elmar Theveßen im Gespräch mit unserer Zeitung. Nicht nur Schilderungen wie diese lassen ihn feststellen, dass es auch in Deutschland "großen Grund zur Sorge" gibt.

Wilde Entschlossenheit, rücksichtslose Brutalität und absolute Todesverachtung sind für den Terror-Experten des ZDF die Kennzeichen einer neuen Generation von Terroristen, die aus der deutschen Gesellschaft kommen, an der sie ihre Wut auslassen wollen über die angebliche Ungerechtigkeit, die ihnen und ihren Gesinnungsgenossen überall auf der Welt widerfährt.

"Nach den jüngsten Festnahmen haben wir uns gefragt, was das eigentlich für Leute sind, die weitermachen, obwohl sie wissen, dass sie von der Polizei beobachtet werden", erklärt der Fernsehjournalist den Ausgangspunkt der 45-minütigen Dokumentation, die er mit seinen Regie-Kollegen Souad Mekhennet und Christoph Röckerath gedreht hat.

"Tödlicher Wettlauf zwischen Ermittlern und Fanatikern" nennen sie ihren Film, für den sie auch mit den Fahndern der Polizei gesprochen haben: "Die berichten alle von einer wilden Entschlossenheit" der Verdächtigen. Theveßen fiel bei seinen Recherchen auch auf, dass zum Kreis der Terrorverdächtigen der jüngeren Zeit zahlreiche Deutsche gehören, die zum Islam konvertiert sind - etwa Fritz Gelowicz, der Anfang September festgenommen wurde und beschuldigt wird, einen Anschlag auf die US-Kaserne im hessischen Hanau geplant zu haben.

Doch die Reporter des ZDF haben nicht nur hierzulande, sondern etwa auch in Ägypten und Pakistan für ihren Film recherchiert. Denn auf die Radikalisierung islamistischer Fanatiker in Deutschland folgt oftmals ein Besuch in terroristischen Ausbildungslagern in der arabischen Welt. Eine Reise dorthin "heißt aber noch lange nicht, dass dies zu einer Radikalisierung führt", erklärt Theveßen. Besuche in der arabischen Welt etwa zu vertiefenden Koran-Studien sind nicht ungewöhnlich - auch das erschwert die Arbeit der Ermittler.

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