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Moderator Jürgen Domian.

Die große Bilanz

Kurz vor der letzten Sendung: Domian im Interview

Köln - Er war der lebende Kummerkasten des TV: Nach 21 Jahren Domian hat der WDR-Moderator (58) in der Nacht zum 17. Dezember seine letzte Sendung. Seine Bilanz:

Wo sollen all die Menschen anrufen, wenn es „Domian“ nicht mehr gibt?

Jürgen Domian: Ich weiß es nicht, aber natürlich können sich die Leute bei der Telefonseelsorge melden, wenn sie in großer Not sind. Mir tut das wirklich sehr leid, dennoch ist meine Entscheidung für mich richtig und stimmig.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Domian: Dass ich endlich einen normalen Tagesablauf haben werde, so wie die meisten anderen Menschen auch. Bisher bin ich erst nachmittags aufgestanden, im Winter war das ja schon bald wieder dunkel – das ist manchmal recht deprimierend, wenn man monatelang kaum Tageslicht sieht. Auch mein Sozialleben hat darunter gelitten. Ich werde sofort nach der letzten Sendung versuchen, in einen neuen Rhythmus zu kommen. Das wird ein paar Tage dauern, aber es wird klappen. Wenn ich Urlaub habe, mache ich das ja auch.

Haben sich die Themen im Laufe der Jahre geändert?

Domian: Anfangs ging es sehr oft um Sexualität. Da ist wahrscheinlich eine Art Sättigung eingetreten, weil man heute übers Internet alles erfahren und sehen kann. Überhaupt nicht weniger geworden sind allzu menschliche Themen wie Liebe, Tod, Trauer oder Eifersucht. Zugenommen haben die Themen Gewalt und Brutalität. Es ist oft erschütternd zu hören, was den Leuten widerfahren ist. Und seit einigen Jahren melden sich vermehrt junge Leute mit Migrationshintergrund, die zwischen den Kulturen stehen. Etwa junge Frauen, die das traditionelle Frauenbild ihrer Eltern nicht mehr erfüllen wollen, oder muslimische Schwule oder Lesben.

Wie schwer fällt Ihnen die Abgrenzung von den Geschichten der Anrufer?

Domian: Manchmal ist das sehr schwierig. Am meisten zu Herzen gehen mir Gespräche mit Sterbenden und mit Menschen, die gerade einen Angehörigen verloren haben. Besonders herausfordernd ist es, wenn Menschen auf dem Sterbebett von einer großen Schuld berichten, die sie in ihrem Leben auf sich geladen haben, oder überhaupt nicht mit sich im Reinen sind.

Was werden die künftig tagsüber machen?

Domian: Von Januar bis April gehe ich auf Talk-Tournee mit einer 1-Live-Produktion. Außerdem werde ich natürlich weiter Bücher schreiben, das ist ja mein zweites Standbein.

Und privat?

Domian: … werde ich viele soziale Kontakte neu pflegen, die bisher durch meine permanente Nachtarbeit auf der Strecke geblieben sind. Und ich werde reisen. Noch öfter nach Lappland als bisher, aber auch in die USA, wo sehr gute Freunde von mir leben.

„Domian“, letztmals am

17.12., WDR, ab 1 Uhr

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