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Die Schauspieler Stefan Konarske, Aylin Tezel und Jörg Hartmann (l-r)

Neues Ermittlerteam

So war der neue Dortmund-Tatort

Dortmund - „Es kann doch nicht sein, dass das unser neuer Chef ist!“, ruft Daniel Kossik (Stefan Konarske) nach ein paar Minuten ungläubig aus. So ähnlich denkt man auch als Zuschauer über den von Jörg Hartmann gespielten Peter Faber, der die neue Dortmunder ARD-„Tatort“-Truppe anführen soll.

Ein Typ, der Pillen schluckt, Ravioli aus der Dose isst, bei einer Zeugenbefragung jäh einen Computerbildschirm vom Tisch reißt und drohend über dem Kopf schwingt und beim Nachstellen des vermuteten Tathergangs die Kollegin betatscht.

Als eine Art Schimanski des 21. Jahrhunderts führen Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseur Thomas Jauch diesen neuen Ermittler ein, ein Kommissar zwischen Intuition und Depression, ein bisschen asozial und auf jeden Fall unberechenbar. Ob das gut geht? Auch sonst können Werner und Jauch bei den Charakteren aus dem Vollen schöpfen – und sie nutzen diese Chance. Nie zuvor gab es beim „Tatort“ vier annähernd gleichberechtigte, profilierte Ermittler, vier spannende Biografien, jede Menge Stoff für zukünftige Konflikte.

Jörg Hartmanns Faber hat erstklassige Mitspieler. Anna Schudt alias Martina Bönisch beeindruckt als disziplinierte Arbeiterin mit Talent zum Multitasking, Stefan Konarskes Kossik ist ein Teddybär, den man nicht zu sehr reizen sollte, Aylin Tezel spielt die zarte Nora Dalay, die ahnen lässt, dass sie auch hart sein kann.

Da fehlt nur noch ein packender Plot – und da war es leider nicht weit her. „Alter Ego“, die Geschichte eines Schwulen, der sich wegen des strengen Vaters nicht zu outen wagt und zum Mörder wird, um sich letztlich selbst zu strafen für seine „Schwäche“, ist altbacken (noch dazu voller Klischees) und lässt diesen Krimi konventionell wirken – ein irritierender Kontrast zum sorgsam gegen den Strich gebürsteten Polizeipersonal. Darüber hinaus hatte der Autor ein paar Ruhrpott-Erkennungsmerkmale abzuarbeiten, die ihm offenbar von der WDR-Intendanz vorgegeben worden waren – die Stahlkochervergangenheit, die Tauben und natürlich den BVB.

Schwamm drüber, man schaut beim Dortmunder Großstadtdschungelcamp gerne zu – aber nur, wenn sich die Autoren noch ordentlich steigern.

Rudolf Ogiermann

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