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Kommissar Faber (Jörg Hartmann) in der ­Gewalt der „Miners“.

Großartige Schauspieler

Tatort-Kritik: Es knirscht im Kommissariat …

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Dortmund - Es soll nicht zynisch klingen, aber aktueller könnte ein Tatort nicht sein. Nur wenige Tage, nachdem der Gießener Hells-Angels-Boss erschossen wurde, spielt der neue Fall für die Dortmunder ARD-Ermittler genau in jenem Rocker-Milieu.

Update vom 21. Oktober 2016: Lohnt sich "Die Wahrheit", der neue Tatort aus München? Wir sagen es Ihnen.

Wie brutal es in der Szene zugeht – darüber lieferten gleich die ersten fünf Minuten des Krimis „Zahltag“ von Jürgen Werner (Buch) und Thomas Jauch (Regie) eindrucksvolle Bilder ab. Der Zuschauer wurde Zeuge einer der wildesten Schießereien der jüngeren „Tatort“-Geschichte (ausgenommen natürlich das Til-Schweiger-Gaballer, aber da erwartet man ja nichts anderes). Dortmund kann also auch Action.

Wenig konsequent war dann jedoch, dass der eigentliche Fall im Lauf der 90 Minuten zusehends in den Hintergrund trat. Die Auflösung am Ende – geradezu banal. Machtkämpfe, Betrügereien, Geldwäsche. Milieu eben. Da war nichts wirklich Überraschendes dabei. Das hatte man zudem, etwa im Rostocker „Polizeiruf 110: Stillschweigen“ (mit Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau und Thomas Sarbacher als Rocker-Präsident) im September 2012 besser, ausdifferenzierter gesehen. Allerdings: Eben weil der Fall an sich eher simpel gestrickt war, ergab sich mehr Raum für die Ermittlerfiguren: Hauptkommissar Faber (Jörg Hartmann) hatte vom Kollegen Kossik (Stefan Konarske) die Dienstaufsicht (wunderbar: Milan Peschel) auf den Hals gehetzt bekommen. Was wiederum Hauptkommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) und die Vierte im Bunde, Nora Dalay (Aylin Tezel), in ordentliche Loyalitätskonflikte brachte.

Es knirschte an allen Ecken und Enden im Kommissariat. Und das war gut so – schließlich besteht dieses Team aus vier großartigen Schauspielern, allen voran Jörg Hartmann und Anna Schudt, die nicht viele Worte brauchen, um alles zu sagen. Die mit ihren Blicken spielen, die sich inzwischen, „Zahltag“ ist ihr neunter Fall, blind verstehen müssen, um vor der Kamera so zu agieren, wie sie es tun. Das ist Kunst. Es macht Spaß, diesem Faber dabei zuzusehen, wie er sich selbst anekelt. Die anderen können ihn sowieso kaum aushalten. Allen voran Kossik, der nicht minder kaputt ist als Faber, mit seinem Alkoholproblem und diesem Ich-verzweifelan- der-Welt-Gehabe.

Konarske wird den Dortmunder „Tatort“ verlassen, im kommenden Jahr ist er ein letztes Mal im ARD-Krimi zu sehen. „Mein Lebensmittelpunkt liegt mittlerweile in Paris“, erklärte der 36-Jährige unlängst. Dort arbeitet er an verschiedenen Film- und Theaterprojekten. Auch wenn sein Abgang ein Verlust ist – beim WDR sieht man durchaus auch Chancen: Man habe nun Gelegenheit, manches noch mehr auf die Spitze zu treiben. Dafür wird allein schon Hauptkommissar Faber sorgen. Auch wenn er am Ende von „Zahltag“ einen herben Faustschlag verpasst bekam. Gänzlich umhauen wird ihn der nicht.

Wiederholung im TV: Dienstag, 11. Oktober, 0.35 Uhr im Ersten.

Sie können den Dortmund-Tatort "Zahltag auch nachträglich in der ARD-Mediathek anschauen

Frühere TV-Kritiken zu Polizeiruf 110 und Tatort

Lesen Sie einige vergangene Polizei- und Tatort-Kritiken: "Feierstunde" (Tatort Münster mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl), "Wölfe" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Und vergib uns unsere Schuld" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Wir - Ihr - Sie" (Berlin-Tatort), "Das Recht, sich zu sorgen" (Franken-Tatort), "Fünf Minuten Himmel" (Freiburg-Tatort), "Mia san jetz da wo's weh tut" (Jubiläumsfall München-Tatort), "Der hundertste Affe" (Bremen-Tatort), "Ein Fuß kommt selten allein" (Münster-Tatort), "Der Preis der Freiheit" (Polizeiruf des RBB).

Neuer Tatort am Sonntag auf Twitter

Wer über den Tatort diskutieren will, macht das auf Twitter (#Tatort). Das Erste twittert unter eigenem Profil (@Tatort) für seine mehr als 179.000 Follower. 

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