Drehbericht: In Freising rollt das Haupt einer Legende

Freising - Wilde Geschichten ranken sich um Mathias Kneißl (1875 bis ­1902). Für die einen ein gewöhnlicher Verbrecher, für die anderen eine Art Volksheld, scheint der Räuber Kneißl seit jeher wie geschaffen zur Hauptfigur von Moritaten, Theaterstücken und Filmen. Jetzt hat sich Erfolgsregisseur Marcus H. Rosenmüller seiner angenommen.

Immer wieder bleiben neugierige Menschen vor dem Alten Gefängnis in Freising stehen. Spektakuläres spielt sich ab. Seit über 250 Jahren wurde in der alten Bischofstadt kein Sträfling mehr hingerichtet. Jetzt rollt in den über 300 Jahre alten Gemäuern zu Füßen des ehrwürdigen Freisinger Doms ein Kopf - das Haupt einer Legende. Die Guillotine wird für den Film "Der Räuber Kneißl" von Marcus H. Rosenmüller gewetzt.

Der Regisseur dreht seit Mitte September für das Bayerische Fernsehen an der Lebensgeschichte des sagenumwobenen bayerischen Räubers. Nächstes Jahr soll der Film ausgestrahlt werden. Möglich, dass er zuvor ins Kino kommt. Für Rosenmüller wäre es ein Herzenswunsch.

Die Räuber-Kneißl-Figur fasziniert den vielfach ausgezeichneten Regisseur ("Wer früher stirbt, ist länger tot") schon lange: "In seiner Biografie steckt so viel drin. Man braucht gar nichts dazu zu erfinden." Im Gegenteil. Räuberplot und Liebesgeschichte, Wildheit und Zärtlichkeit, Freiheitssehnsucht und Gefängnisrealität - all das muss der 34-Jährige in der Kürze von gut eineinhalb Stunden transportieren.

Nicht nur die Konzentration auf wenige Motive aus dem ausufernden Räuberleben stellt für Rosenmüller eine große Herausforderung dar. "Der Kneißl hat mir einiges abverlangt", sagt er. "Am schwierigsten war es, die richtigen Drehorte für den historischen Stoff zu finden." Als geeigneter Schauplatz erweist sich das Alte Gefängnis in Freising. Hier dreht das Filmteam unter anderem die Hinrichtung des Räubers.

Noch aber lebt der Kneißl Hias, der von Maximilian Brückner verkörpert wird. Der Hauptdarsteller, der die Rolle bereits in Christian Stückls Inszenierung am Münchner Volkstheater gespielt hat, steht gemeinsam mit den Nebendarstellern Sebastian Horn (Sänger der Band "Bananafishbones") und Stephan Zinner vor der Kamera. Gedreht wird eine frühe Szene, in der das Trio aus dem Gefängnis entlassen wird.

Es ist nur ein kurzer Moment, doch dem Filmteam verlangt er noch einmal alles ab. "Das ist vielleicht eine gscherde Szene", meint Rosenmüller kopfschüttelnd. "Die liest sich so leicht und lässt sich so schwer spielen." Über eine Stunde feilt der Regisseur mit seinen Darstellern an Betonung und Choreografie. Über 20 Mal lässt er die Schauspieler aus der Gefängnispforte kommen. So oft dürfte der Kneißl Hias das Freiheitsgefühl nie verspürt haben. Als die Kamera erstmals zum Einsatz kommen soll, rastet plötzlich das Schloss ein. Die Gefängnistür lässt sich nicht mehr öffnen. Jetzt sind die Schauspieler tatsächlich eingesperrt.

Das Lebensgefühl des Räuber Kneißl ist für Rosenmüller bis heute aktuell geblieben: "Jeder Mensch erlebt doch irgendwann etwas, das alles verändert." Im Fall des Räubers sind das seine Liebe zu Mathilde (Brigitte Hobmeier) und das Todesurteil. "Im Gedanken daran, dass er Liebe erfahren hat, konnte Kneißl den Tod hinnehmen, ohne sich zu beugen", meint Rosenmüller im Dialekt und mit fast schwärmerischer Leidenschaft: "Ängstliche Menschen haben vielleicht länger gelebt, aber er hat die Chance genutzt, gut zu leben. Am Ende war er möglicherweise freier als die Polizisten, die ihn festgenommen haben."

Für die Schauspieler öffnet sich die Gefängnistür einige Minuten später wieder. Der Schritt in die Freiheit wird dennoch langsam zur Strapaze. Den kurzen Dialog können inzwischen nicht nur die Schauspieler auswendig. Die Temperaturen sinken rapide, und auch das zuvor so entspannte Klima am Set wird rauer. Brückner kickt, genervt von den langen Diskussionen, Kieselsteine durch die Gegend. Zinner flüchtet in Galgenhumor: "Es wäre schön, wenn wir langsam mal abgedreht werden. Daheim ist eine Kalbshaxe zu machen."

Allein Rosenmüller versprüht weiter gute Stimmung und hält die Darsteller bei Laune. Zwei Einstellungen und zwölf Takes später ist die Szene endlich im Kasten - 150 Minuten Arbeit für 15 Sekunden Film. Der Kneißl würde sagen: "Des fangt scho guat o."

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