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Rolf Schmiel, Diplom-Psychologe.

Die große IBES-Analyse

TV-Psychologe zu Dschungelcamp: "Das war moralisch höchst fragwürdig"

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Sydney - Es ist die Show, die keiner schaut und die trotzdem auf Platz eins der TV-Quoten liegt: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" empört und fasziniert die Deutschen gleichzeitig. Aber was von dem, was wir sehen, ist echt? Und wie ticken die Kandidaten? Die tz sprach mit dem Psychologen Rolf Schmiel.

Herr Schmiel, Sie analysieren täglich die Geschehnisse im Dschungelcamp. Wie kam es dazu?

Rolf Schmiel: Ich arbeite seit mehreren Jahren für und mit diversen TV- und Radiosendern zusammen. Im vergangenen Jahr wollte RTL mich als Dschungelpsychologen in Australien engagieren. Das hat aus terminlichen Gründen nicht geklappt, aber mein Interesse an dieser Sendung besteht nach wie vor. Das gesamte Format ist aus psychologischer Sicht faszinierend.

Inwiefern?

Schmiel: Die Prominenten werden durch die Umstände, die im Camp herrschen – Schlafentzug, Essensentzug, Hitze – auf ihr Ursprünglichstes zurückgeführt. In den ersten Tagen sind ihnen noch die Kameras bewusst, dann entsteht ein Gewöhnungseffekt. Das heißt, den Bewohnern ist es ab einem gewissen Punkt kaum mehr möglich, eine Rolle zu spielen. Sie zeigen sich so, wie sie sind.

Und das macht es für die Zuschauer interessant …

Schmiel: Richtig. Das, was innerhalb der Gruppe geschieht – wie Grüppchenbildung, dass es Außenseiter gibt usw. – sind ganz normale Dynamiken, die in so einem Setting entstehen. Da könnte es sich auch um jede andere Reisegruppe handeln. Das Spannende für den Zuschauer ist, dass er ein Bild von den Prominenten hat, das durch frühere Auftritte in den Medien entstanden ist. Genau dieses Bild wird nun der Realität gegenübergestellt. Der Zuschauer kann also überprüfen, wie der Prominente wirklich ist.

Dschungelcamp 2016: "Legats Verhalten wird belohnt"

Ist das so? RTL entscheidet doch, was der Zuschauer sieht.

Schmiel: Richtig, das darf man natürlich nicht vergessen. Die Bilder, die wir täglich zu sehen bekommen, umfassen vielleicht 45 Minuten, Zusammenschnitte eines ganzen Tages. Klar, dass da nicht alles gezeigt werden kann und das Bild, das von den Bewohnern vermittelt wird, nicht ein allumfassendes ist. Dennoch handelt es sich um Facetten eines jeden, die wirklich vorhanden sind.

Macht das den Reiz des Dschungels aus?

Schmiel: Sicherlich. Hinzu kommt die Lust am Leid der anderen und die Möglichkeit der Zuschauer, belohnen und bestrafen zu können. Ein Beispiel: Thorsten Legat hat am Dienstag seine Dschungelprüfung mit Bravour gemeistert. Er hat nicht geklagt, nicht gelitten und die Aufgaben tough erledigt. Ich wage die Prognose, dass er nicht mehr von den Zuschauern für eine Dschungelprüfung gewählt wird. So ein Verhalten wird belohnt. Helena Fürst dagegen hat erst große Töne gespuckt, und dann Riesen-Probleme bei den Prüfungen gehabt. Zusätzlich kam sie nicht sonderlich sympathisch rüber. Genau dieses Verhalten hat der Zuschauer bestraft und sie immer wieder gewählt. Und das wird so weitergehen, bis sie bricht. Um Helena Fürst muss man sich fast ein wenig Sorgen machen. Sie scheint nicht besonders stabil.

Dschungelcamp 2016: "Moralisch höchst fragwürdig"

Gunter Gabriel hat hingeschmissen. Warum?

Schmiel: Ich denke, an seinem Beispiel zeigt sich, wie man die Bedingungen im Camp unterschätzen kann. Er hat gemerkt, dass allein seine physische Verfassung nicht ausreicht, um durchzuhalten. Er ist also lieber gegangen, bevor er noch mehr an Würde verliert. Aus meiner Sicht ist es moralisch höchst fragwürdig gewesen, ihn und Rolf Zacher in das Camp einziehen zu lassen.

Wer wird Dschungelkönig?

Schmiel: Thorsten Legat hat von den physischen Konstitutionen her gute Chancen. Auch Jenny Elvers und Sophia Wollersheim könnten zu Überraschungen werden.

Dschungelcamp 2016: Alle Infos im Dschungelcamp-Ressort

Wer ist 2016 im Dschungelcamp dabei? Hier sehen Sie alle IBES-Kandidaten auf einen Blick. Sie wollen immer über "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" informiert sein? Dann sind Sie in unserem Dschungelcamp-Ressort bei tz.de genau richtig.

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