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TV-Satiriker ­Oliver ­Kalkofe

tz-Interview mit dem TV-Satiriker

Das sagt Oliver Kalkofe übers Dschungelcamp

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Köln - Ab Freitag gibt es bei Tele 5 neue Folgen der wunderbaren TV-Satire Kalkofes Mattscheibe Rekalked. Die tz sprach mit Oliver Kalkofe über die Lust und den Frust beim Fernschauen – und über das Dschungelcamp.

Niemand hält den Finger so schön in die Wunde wie Oliver Kalkofe. Ab Freitag gibt es bei Tele 5 neue Folgen seiner wunderbaren TV-Satire Kalkofes Mattscheibe Rekalked, in der er wieder mit viel Leidenschaft gegen den Wahnsinn im TV kämpft. Die tz sprach mit dem 48-Jährigen, der mit seiner Frau und einer Stieftochter in Berlin lebt, über die Lust und den Frust beim Fernschauen – und über das Dschungelcamp.

Kalkofe: "Ich sehe (...) das Konzentrat des Wahnsinns"

Herr Kalkofe, 220 Minuten pro Tag sitzen die Deutschen vor dem Bildschirm. Auf wie viel kommen Sie?

Oliver ­Kalkofe: Wenn ich ­arbeite und beruflich fernsehe, mache ich Marathonsitzungen des Grauens von acht Stunden am Tag. Gefühlt sind das aber mindestens 40 Stunden. Ich sehe ja nur das Schlimmste, bekomme von unserem Chefsichter sozusagen das Konzentrat des Wahnsinns zusammengestellt.

Bereitet Ihnen das Fernsehen nur Schmerzen oder macht es Ihnen auch etwas Spaß?

Kalkofe: Es macht immer am Anfang ein bisschen Spaß. Der erste Tag, an dem ich Material sichte, ist meistens noch lustig. Den zweiten Tag geht es langsam in Richtung Depression, Traurigkeit, Erschöpfung. Und dann wird es von Tag zu Tag schlimmer … Aber was soll’s. Einer muss es machen (lacht).

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"Dschungelcamp hat einen gewissen Qualitätsstandard gesetzt"

Am Freitag startet das Dschungelcamp. Eine Sendung, über die man sich gut aufregen kann, die aber auch eine riesige Fangemeinde hat und noch dazu 2013 für den Grimme-Preis nominiert war. Wie stehen Sie dazu?

Kalkofe: Jeder, selbst der Grimme-Preis, trifft auch mal eine falsche oder kon­troverse Entscheidung. Das gehört dazu. Beim Dschungelcamp war ich allerdings durchaus zwiegespalten. Denn: Wenn man sich den ganzen Wust an Formaten anschaut, in denen Promis (und Zuschauer) gefoltert werden, muss man einfach sagen, dass das Dschungelcamp einen gewissen Qualitätsstandard gesetzt hat.

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Wie meinen Sie das?

Kalkofe: Denken Sie nur mal an Promi Big Brother von Sat.1. Das war erschreckend schlecht. Da stimmte wirklich gar nichts, trotz hohem Budget und Know-how. Man hatte das Gefühl, die hätten das Geld genommen und vor Freude über das Format bis zum Sendestart im Flur nur Champagner getrunken. Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher waren die unlustigsten Comedy-Moderatoren aller Zeiten, komplett pointenfrei. Und die Bekloppten im Haus wurden nur beim Rauchen, Duschen oder Labern gefilmt, weil man nichts mit ihnen anzufangen wusste. Dumm und langweilig!

"Fast alles Menschen mit einer egomanischen Egozentrik-Störung"

Das Dschungelcamp dagegen ist gut gemacht.

Kalkofe: Absolut. Es ist gut gemacht, gut geschrieben, gut geschnitten und auch durchdacht, wie auch immer man grundsätzlich dazu stehen mag. Ich werde die Sendung in diesem Jahr auch wieder auf meiner Facebook-Seite mit Kommentaren begleiten, worauf ich mich jetzt schon freue. An so etwas habe ich dann wirklich Spaß, auch wenn ich Menschen sehen muss, die Känguruhoden und Krokodilpimmel essen.

Kennen Sie die Kandidaten? Wissen Sie, wer Gabby de Almeida Rinne und Melanie Müller sind? 

Kalkofe: Ganz ehrlich: Die Leute, die heute als ­Promis in irgendwelche TV-Folter-Camps eingeliefert werden, kann keiner mehr kennen. Man ahnt nur, dass eine wohl die Vierte aus der dritten Staffel Topmodel war oder die Dritte aus der achten Staffel DSDS. Ist aber auch egal. Auf jeden Fall sind es fast alles Menschen mit einer egomanischen Egozentrik-Störung oder wie auch immer man das nennen soll. Das ist ja überhaupt das Schlimme am Dschungelcamp: Wir lernen Leute kennen, die wir nie kennenlernen wollten. Und wo es auch keinen Grund gibt, dass wir sie kennen sollten. Aber – das muss ich zugeben – manchmal ist man ja sogar positiv überrascht und denkt: Gut, der ist strunzblöd, aber ganz sympathisch. Allerdings selten.

"ARD und ZDF sollten sich jeden Tag eine Stunde in die Ecke stellen"

Schauen Sie eigentlich auch Filme und Serien?

Kalkofe: Nur ausgewählte, ich schaue kaum noch live TV. Neulich bin ich nach der Tagesschau aus Versehen bei Familie Dr. Kleist hängen geblieben. Ich war in Schockstarre und dachte: Das kann nicht wahr sein. Ist das eine Folge von vor 40 Jahren? Das war in jeder Hinsicht, in der Art der Erzählung Steinzeit. Und dafür bezahlen wir auch noch! Unglaublich!

Es ist mordserfolgreich …

Kalkofe: Die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen ist nicht die Befriedigung des tumben Massengeschmacks. Gerade was Serien angeht, sollten wir uns schämen in Deutschland – vor allem, wenn man sich anschaut, was die anderen Länder so machen. ARD und ZDF sollten sich jeden Tag eine Stunde in die Ecke stellen und sich vor den Nachrichten beim Publikum entschuldigen nach dem Motto: „Es tut uns leid, wir nehmen sehr gerne Ihr Geld, aber wir sind zu blöd, etwas Gescheites draus zu machen. Bitte haben Sie uns trotzdem lieb.“

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Haben Sie 2013 irgendetwas gesehen, eine deutsche Produktion, die Ihnen gefallen hat?

Kalkofe: Es gibt schon Fernsehfilme und Krimis, die gut gemacht sind. Eine Serie wie Weissensee fand ich auch eine sehr gelungene Ausnahme. Ein Lichtblick. Und was ZDFneo mit so wenig Geld für so wenig Menschen macht, mag ich auch sehr.

Interview: St. Thyssen

"Kalkofes Mattscheibe Rekalked", freitags, 20 Uhr, Tele 5

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