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"Diese Stimme mit acht Jahren - Wahnsinn!" Poptitan Dieter Bohlen huldigte bei "DSDS Kids" am Samstagabend der kleinen Alysha (8). 

Herzen und Küssen

Köln - In "DSDS Kids" (RTL) hat sich die Jury in Lob für die kleinen Kandidaten geübt. Doch der Kuschelkurs half nichts. Die neue Ableger von "Deutschland sucht den Superstar" hatte nur  mäßige Einschaltquoten.

Die neue Variante sollte die Krise des Originals vergessen machen, doch auch mit „DSDS Kids“ kann RTL keine Rekorde feiern. Ganze 3,62 Millionen Zuschauer interessierten sich am Samstagabend für die erste Folge des Ablegers von „Deutschland sucht den Superstar“, bei dem Kinder zwischen sechs und 14 Jahren gegeneinander antreten. Das entspricht einem Marktanteil von lediglich zwölf Prozent. Deutlich mehr Zuschauer interessierten sich für Andy Borg und seinen „Musikantenstadl“ im Ersten, der traditionelle Samstagskrimi im ZDF hatte ein noch größeres Publikum (siehe auch „TV-Spitzenreiter“).

Dabei hatte Dieter Bohlen, der auch beim Gesangswettbewerb der Kleinen den Chefjuror gibt, zuvor erklärt, er hoffe auf einen starken Einstand für „DSDS Kids“. Und wenn es gut laufen sollte, „dann machen wir vielleicht schon Ende dieses Jahres groß mit zwölf oder 14 Sendungen weiter“. Bleibt es bei der schwachen Resonanz, wird man diese Pläne beim Kölner Privatsender wohl noch einmal überdenken.

Wer sich für „DSDS Kids“ interessierte, musste – nur eine Woche nach dem Finale der neunten „DSDS“-Staffel – das Gefühl haben, alles nochmal zu sehen, nur mit Kandidaten, die noch jünger sind als die soeben verabschiedeten Luca (17) und Daniele (16). Moderator Daniel Aßmann sieht fast so aus wie Marco Schreyl, Jurorin Dana Schweiger spricht wie Bruce Darnell – und die Kids haben die Gesten, mit denen sie in die Kamera hinein um Anrufe werben, bis ins kleinste Detail den Großen abgeschaut.

Gewiss gab es auch Unterschiede zu „DSDS“, so vermieden es die Macher, anders als beim seit 2003 ausgestrahlten Klassiker, offensichtlich unbegabte Bewerber der Öffentlichkeit vorzuführen, auch gab es (mit einer Ausnahme) zum Auftakt keine schlechten Kritiken für die jungen Interpreten – und erst recht keine Gemeinheiten, für die Bohlen sonst berühmt-berüchtigt ist. Und das, obwohl bei einigen der Auftritte etliche Töne danebengingen. Offenbar wollte der Sender die Kritik der Jugendschützer ins Leere laufen lassen, die befürchtet hatten, Bohlen wolle auf zarten Kinderseelen herumtrampeln.

So übte sich „die beste Jury der Welt“ in schwärmerischen Kommentaren, fand die Buben und Mädchen „supersüß“ und ihre Auftritte „supertoll“, es wurde ausgiebig geherzt und geküsst, der Poptitan fiel vor der jüngsten Teilnehmerin der ersten Folge, der erst achtjährigen Alysha, sogar theatralisch auf die Knie.

Angesichts der interpretierten Titel und der Kostümierung der Kandidaten wurde allerdings auch überdeutlich, dass hier Kinder – die „Mini Playback Show“ lässt grüßen – in die Rolle kleiner Erwachsener gedrängt wurden, allen „Sie-hat-schon-gesungen-bevor-sie sprechen-konnte“-Beteuerungen der Eltern zum Trotz. Entsprechend merkwürdig hörte es sich an, wenn Bohlen „Du siehst tausendmal besser aus als Beyoncé“ schmeichelte und Jurorin Michelle Hunziker gleich mehrere Kandidaten fragte, ob es denn schon jemand gebe, für den sie heimlich schwärmten.

Immerhin gibt es abweichend von der „DSDS“-Konvention für den Sieger von „DSDS Kids“ keinen Plattenvertrag, sondern ein Ausbildungsstipendium, außerdem winkt ein Preisgeld für die eigene Schule. Alle Teilnehmer dürfen sich ferner über Tickets für einen Besuch in einem Freizeitpark freuen. Doch noch einmal eine Gelegenheit, kein aufgebrezelter „Superstar“-Klon zu sein, sondern einfach nur Kind.

Rudolf Ogiermann

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