"Dummchen" und andere Etiketten

- Auf Authentizität legt Verona Pooth Wert. Auch wenn sie ihr Vermögen vor allem durch eine Kurzehe mit Dieter Bohlen und einer sprachlichen Stilblüte gemacht hat. Oder beim Kokettieren als Dummchen der Nation, bei Scheidungskrieg und Zickenkampf ­- alles gewiss sehr ehrlich. Wer sonst außer der ehemaligen Verona Feldbusch könnte also ganz ungeniert konstatieren: "Wenn man mit nichts so viel Geld machen kann, dann wundert es mich nicht, dass viele Leute nichts aus ihrem Leben machen wollen."

So hintergründig witzig wie das Gespräch mit Verona Pooth sind nicht alle Kapitel in einem Buch, das Medienphänomene wie Feldbusch in dreißigfacher Ausführung unter die Lupe nimmt. Allemal bietet "Medienmenschen. Wie man Wirklichkeit inszeniert" aber aufschlussreiche, manchmal ernüchternde Einblicke in das Verhältnis von Promis, Politikern und Medienexperten zu Zeitung und Fernsehen. Insgesamt 26 Journalistikstudenten aus Hamburg haben unter der Anleitung von erfahrenen Journalisten Promis wie Joschka Fischer, Günther Netzer, Ursula von der Leyen oder Peter Sloterdijk befragt ­ und heraus kamen 30 Porträts von Personen, die in und mit den Medien ihren Erfolg gefunden haben.

Die geglückten Gespräche führen tief in die Gesetze der Medienwirklichkeit ein. Lieber die Presse mit privaten Details füttern, als gar keine Kontrolle über die Berichterstattung zu haben, lautet etwa die Devise von Boxerin Regina Halmich. Dass "Lasershow und Promis" auch beim Sport dazu gehören, hat sie auch schon gelernt, während Polittalkmoderator Michel Friedman sich nur zu gerne als Projektionsfläche anbietet: "Wie Sie mich wahrnehmen und welche Schlüsse Sie daraus ziehen, ist ganz alleine Ihre Sache."

Nicht alle Gesprächspartner zeigen sich so radikal unverkrampft wie Friedman. Abgeklärt oder desillusioniert sind sie jedoch alle, gestehen ­- wie Joschka Fischer -­ freimütig, die Medien für ihre Zwecke instrumentalisiert zu haben, und nehmen mit aus der Not geborener Gelassenheit kritische Berichterstattung, Kampagnen oder Vereinfachungen hin. Die meisten pflegen eine private Identität, die nichts mit der aus den Medien bekannten Personen zu tun hat.

Eine "inszenierungsfreie Zone", das wissen auch die Herausgeber, gibt es nicht. Nur eins ist endgültig klar: So dumm, wie Verona Feldbusch sich gelegentlich gab, ist sie definitiv nicht.

Jens Bergmann/Bernhard Pörksen (Hrsg.): "Medienmenschen. Wie man Wirklichkeit inszeniert. Gespräche mit Joschka Fischer, Verona Pooth, Peter Sloterdijk u. v. a." Solibro Verlag, Münster; 352 Seiten, 19,80 Euro.

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