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"Durchgedreht" hieß der erste "Tatort" nach der Sommerpause.

Sommerpause ist vorbei

"Durchgedreht": Die Kritik zum "Tatort" aus Köln

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München - "Durchgedreht" hieß der erste "Tatort" nach der Sommerpause. Hier lesen Sie die Kritik zum "Tatort" aus Köln, der am Sonntag lief.

Update vom 21. Oktober 2016: Der neue Tatort aus München befasst sich mit dem realen Isar-Mord, der München vor drei Jahren geschockt hat: Hier erfahren Sie, ob sich "Die Wahrheit" lohnt.

Update vom 7. Oktober 2016: "Zahltag" heißt der neue Tatort aus Dortmund. Wir haben uns den Krimi vorab angeschaut.

Update vom 30. September 2016: Die Gagen der Tatort-Kommissare interessieren sicher einige Fans. Nun wurden sie veröffentlicht. Falls Sie sich am Sonntag den neuen Fall aus Dresden anschauen wollen: Wir sagen Ihnen, ob sich "Der König der Gosse" lohnt.

Update vom 23. September 2016: "Feierstunde" heißt der neue Tatort aus Münster und es gibt diesmal tatsächlich etwas zu feiern: Der gute alte Münster-Tatort ist zurück.

Die Sommerpause ist vorbei. Endlich ein frischer „Tatort“. Passenderweise ist bei den Kölner Ermittlern schon der Herbst eingekehrt. Mit ihren haselnussbraunen Augen schaut die kleine Anna (Julie-Helena) unter der Pudelmütze hervor. Verängstigt, traumatisiert. Denn das Mädchen hat Unfassbares miterlebt. Den Mord an ihrer Mama und ihrem kleinen Bruder. Des Nachts, im eigentlich doch sicheren Zuhause. Nur: Wer war der Mann, der sich da ins Haus geschlichen hat?

In „Durchgedreht“ geht Regisseurin Dagmar Seume (Drehbuch: Norbert Ehry) dieser Frage detektivisch nach. Spur für Spur, Zeuge für Zeuge wird hinterfragt. Keine Experimente, ein "Tatort", wie ihn die Fans lieben. Und erneuter Beweis, dass mit einfachen Mitteln ungeheure Spannung erzeugt werden kann.

Ein im spätsommerlichen Sonnenlicht glänzendes Windspiel, Klaviermusik, dunkle Schatten, nackte Kinderfüße, ein puppengroßer Sarg. Starke Bilder fängt die Kamera (Gunnar Fuss) ein. Stark sind auch die Schauspieler, die die Geschichte tragen. Klaus J. Behrendt in Hochform: Wie er als Kommissar Max Ballauf auf das verängstigte Mädchen zugeht; wie er gegenüber Partner Freddy Schenk (Dietmar Bär) insistiert, die Kleine möglichst bald befragen zu müssen – da zeigt sich, wie eingespielt die beiden nach fast 20 gemeinsamen „Tatort“-Jahren sind. Freundschaftlich ehrlich diskutieren sie darüber, wann es zu früh für eine Vernehmung ist. Hier der Familienvater, da der Kinderlose – von ihrem Privatleben können sich die Kommissare nicht freimachen. Sätze wie „Jetzt leg’ doch mal diesen gütigen Opa ab!“ (Ballauf) – „Ich bin nicht nur Opa, ich bin auch Vater“ (Schenk) offenbaren das. Ansonsten aber dringt das Private nicht durch; Seume verzichtet darauf, Nebenschauplätze zu konstruieren. In Köln steht der Fall im Vordergrund.

Das ist klug und richtig. Denn so zerfasert dieser „Tatort“ nicht, wie so viele aus der Reihe, sondern erzählt stringent einen Plot aus. Letztlich ist es die Geschichte über die Verlierer in unserem Sozialstaat. Mehrere Gescheiterte kommen als Täter in Frage. Der pleite gegangene Unternehmer (Max Herbrechter), der eifersüchtige Ehemann der Toten (Alexander Beyer), dessen verzweifelt verliebter Bruder (Christian Erdmann) oder der arrogante Journalist (Peter Benedict). Hier ist jede Nebenrolle exzellent besetzt. Etwa die Schwester des Opfers (Nicola Schössler), der die finanziellen Sorgen ins Gesicht geschrieben stehen.

Am Ende ist es der gewesen, von dem man es am wenigsten erwartet hätte. Bis zuletzt – und das ist der Clou – bleibt man im Ungewissen. Man mag sich fragen, ob das Ende stimmig ist. Der liebevolle Onkel von nebenan als Frauen- und Kindsmörder? Ein Blick in die täglichen Nachrichten sagt leider: allzu stimmig...

Katja Kraft

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