Durchgeknallt und preußisch korrekt

- Mama hat einen Türken als Lover, und nun sollen beide Familien zusammenziehen, so richtig unter einem Dach. Sohn Nils, der Jüngste, trägt es männlich gelassen. Schwester Lena, 16 Jahre alt und mitten in der Pubertätskrise, ist entsetzt. Aber auch auf der anderen Seite, beim jungen Macho Cem und der streng religiösen Yagmur, herrscht nicht nur eitel Freude. Das ist dramaturgischer Sprengstoff genug für die ersten zwölf Folgen der neuen ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger", die heute startet und immer dienstags bis freitags um 18.50 Uhr ausgestrahlt wird. Die Verantwortlichen hoffen auf einen ähnlichen Erfolg wie einst mit "Nicht von schlechten Eltern" oder "Berlin, Berlin".

"Religion ist ein Tabu. Das wird nicht in irgendeiner Weise veralbert." NDR-Redakteur Bernhard Gleim

Diese zwei schon klassischen Serien nennt ARD-Programmdirektor Günter Struve als geistige Ahnen des neuen Formats, das laut dem zuständigen NDR-Redakteur Bernhard Gleim von "den beiden großen W's" solcher Unternehmen gekennzeichnet sein soll, "von Witz und Wärme". Gezeigt werden solle eine Familie, "wo jeder mal ganz gern zum Kaffee eingeladen sein möchte".

Dass es eher chaotisch zugeht, liegt nicht nur an den Kindern und ihren wechselseitigen Machtkämpfen. Auch das reife Paar zeigt sich zuweilen ziemlich unreif. Das ist auch kein Wunder bei dem Gegensatz. Mutter Doris ist die leicht durchgeknallte Esoterikerin, die schon mal splitternackt durch die Wohnung schreitet. Vater Metin dagegen ist der biedere Kriminalkommissar und so preußisch korrekt, wie nur ein Türke sein kann. Da raucht und kracht es zuweilen - aber immer mit Humor.

Und es geht auch nicht immer politisch korrekt zu. Zwar: "Religion ist ein Tabu. Das wird nicht in irgendeiner Weise veralbert", sagt Gleim. Aber sonst ist manches erlaubt: "Wir können auch mal Skinheads zeigen oder rabiate Türken." Gleim erinnert an die allererste Unterhaltungsserie zu diesem Thema in den Achtzigerjahren, "Unsere Nachbarn, die Baltas". "Eine andere Zeit. Da musste man noch äußerst behutsam vorgehen, um nicht irgendwelche Ressentiments zu bestätigen. Jetzt sind wir glücklicherweise weiter und können über manches lachen, was früher noch bitterer Ernst war."

Gedreht wurde in Berlin, in einem dekorativ verwitterten Altbau, in dem auch einmal der Schriftsteller Günter Grass gewohnt hat. Auf Stars hat man in der Besetzung verzichtet: "Wir bauen lieber selber welche auf." Ein "Star" ist der aus Hannover stammende junge Autor Bora Dagtekin. Gleim: "Lange Zeit galt das Autorenteam als beste Form. Aber gerade bei länger laufenden Serien hat sich die eine Autorenhandschrift bewährt, und Dagtekin ist einfach einer, der einen Blick für das hat, was komisch ist." Auch zu einer anderen guten Tradition will man zurückkehren: "Auch wenn der große Erfolg - eine zweistellige Quote in der Zielgruppe bis 49 sollte die Sache schon bringen - sich nicht gleich einstellt, wollen wir etwas Geduld haben." So wird schon optimistisch an den Büchern zur zweiten Staffel gearbeitet.

ARD, ab heute dienstags bis freitags, um 18.50 Uhr.

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