„Menschen Leben Tanzen Welt“

Echo 2017: Jan Böhmermann mit seinem Affen-Song auf Platz 1 der Charts

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München - Zum Echo 2017: Jan Böhmermann attackiert mit seinem Song "Menschen Leben Tanzen Welt" die Pop-Industrie. Holt Böhmermann damit 2018 einen Echo?

Wieder mal eine aufsehenerregende Aktion von Komiker Jan Böhmermann: Mit dem von Affen „komponierten“ Song "Menschen Leben Tanzen Welt" (den er unter dem Pseudonym Jim Pandzko singt) attackiert er zum Echo 2017 die deutsche Pop-Industrie. Das Lied soll die Austauschbarkeit und Flachheit der deutschsprachigen Chart-Hits veräppeln. Sämtliche Text-Stücke wurden wahllos von Schimpansen im Gelsenkirchner Zoo ausgewählt. Und das funktionierte so: Verschiedenen Früchten wurden Werbeslogans, Kalendersprüche, Zeilen aktueller deutscher Popsongs sowie Tweets der YouTuber Bibi und Sami  Sllimani zugeordnet. In der Reihenfolge, in der die Affen die Früchte auswählten, wurden die Versatzstücke aneinandergereiht. Und fertig war "Menschen Leben Tanzen Welt".

Mit Textzeilen wie „Strom ist gelb, eine Allianz fürs Leben“ und „Ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass Du da bist“ will Jan Böhmermann beim Echo 2018 selbst einen Musikpreis holen. Seit Donnerstag (dem Tag der Echo-Verleihung, die am Freitag ausgestrahlt wird), trendet der Hashtag #echo2018 bei Twitter. Böhmermanns Plan könnte durchaus aufgehen. Immerhin orientieren sich die Echo-Auszeichnungen an Verkaufszahlen und Chartplatzierungen. Und siehe da: Jan Böhmermann liegt mit "Menschen Leben Tanzen Welt" derzeit auf Platz eins der deutschen iTunes-Charts. Das Video zum Lied, in dem Jan Böhmermann als Kopie des Deutsch-Poppers Max Giesinger (“80 Millionen“ und „Wenn sie tanzt“) auftritt, wurde bislang schon fast eine halbe Million Mal geklickt. Auch bei Amazon ist „Menschen Leben Tanzen Welt“ derzeit auf Platz 1 der Song-Downloads.

Wegen Affen-Song: Campino nennt Jan Böhmermann beim Echo 2017 ein „Arschloch“

Kann also gut sein, dass Jan Böhmermann beim Echo 2018 einen Preis abräumt. Beim Echo 2017 gab es aber Kritik an seiner Aktion. Campino, Frontmann der „Toten Hosen“ giftete bei seiner Laudatio an die Adresse von Böhmerman: „Lieber uncool sein, als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann.“ 

Böhmermann antwortete auf Facebook mit zahlreichen Sticheleien gegen Campino und gegen Die Toten Hosen. Außerdem bezeichnete er den Echo 2017 als „Rechtsrockfestival“ (weil die Böhsen Onkelz und Frei.Wild auch nominiert waren). Nebenbei feierte er sich  für den Charterfolg, den er mit „Menschen Leben Tanzen Welt“ derzeit hat: 

„Liebe Fans,

seit gestern steht "Menschen Leben Tanzen Welt" von Jim Pandzko und mir auf Platz 1 der iTunes und Amazon-Charts in Deutschland!

An alle meine Fans (die alten und die vielen neuen): Das hier ist kein Gebet, ich will nur Danke sagen! Dafür, dass Ihr mir 'nen Engel schickt an manchen Tagen, dafür, dass Ihr mir das Leben zeigt! Für Euer Vertrauen dank ich auch - Danke, dass Ihr an mich glaubt.

Leider musste ich in der Zeitung und im Internet lesen, dass es in der Musikbranche natürlich einige Hater und Neider gibt, die mit alternativer Singer/Songwriter-Musik noch immer nicht viel anfangen können und mich richtig scheiße finden. Gestern gab es wohl ein großes RECHTSROCKFESTIVAL in der alten Messehalle Berlin mit einigen NAZIBANDS und da hat auf der Bühne jemand aus der Punkszene (klar: wer sonst?) wohl gesagt, ich bin ein Arschloch und so weiter.

An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit.

Jetzt denken sie ruhig "Der Mann ist krank, ein richtig armes Schwein". Das ist mir egal, es ist ein geiles Gefühl Champions League-Sieger zu sein!

Ich sehe das so: Manche treten dich, manche lieben dich, manche geben sich für dich auf. Manche segnen dich, aber ich setz mein Segel nicht, wenn der Wind das Meer aufbraust. Denn ich wusste immer, dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht mit vielen werde ich mir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr.

Letztlich geht es in meinem Song "Menschen Leben Tanzen Welt" eigentlich auch genau da drum: Dass man sich nicht unterkriegen lassen soll, dass man sein Ding machen soll, auch wenn es mal schwer ist.

An alle Hater, die die Message nicht verstehen (wollen?: Macht es doch besser! Und: Scheiß' auf Freunde bleiben!

Und an meine Fans und alle, die mir diese wahnsinnig vielen netten Mails und Whatsapp-Nachrichten geschrieben haben nach dem ganzen Shitstorm: Das hier ist ewig, ewig für heute! Wir stehen nicht still für eine ganze Nacht! Habt keine Angst, ich gebe auf Euch acht!

Wir lassen uns treiben, tauchen unter, schwimmen – wenn es sein muss auch mal gegen den Strom!

Mein Ziel ist klar: Vergesst Angst, Terror und Krieg, ich will 2018 den ECHO der Musik!

Euer,

Jan Böhmermann (z.Zt. Platz 1 in den Charts)

P.S.: Mein Lied gibt mir einfach Kraft, auch in schwere Stunden, darum hab ich das Video einfach nochmal an diesen Post dran gehängt.“

Ein Youtube-Video von Jan Böhmermann brachte am Mittwoch die Geschichte ins Rollen. „Eier aus Stahl: Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“ lautet der Titel Clips, der im Prinzip eine 22-minütige Abrechnung mit der deutschen Pop-Industrie im Allgemeinen und mit Max Giesinger im Besondern. Denn der Sänger, steht nach Böhmermanns Ansicht symptomatisch für alles, was an der deutschen Popmusik falsch ist.    

„Wir müssen reden!“, kündigt Jan Böhmermann gleich zu Beginn eines Videos an, das am Mittwoch auf der YouTube-Seite seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ hochgeladen wurde. “Über den Echo, die deutsche Musikindustrie und die deutsche Popmusik. Und am besten reden wir mal mit Dir, Max Giesinger.“ Es macht „Rumms!“ und ein Grinse-Bild des Sängers wird eingeblendet, der heuer zwei Mal für den Musikpreis Echo nominiert ist. „Der Echo, der sehr wichtige Spitzenpreis der sehr guten deutschen Musikindustrie. Wie jedes Jahr nur echt mit den zwei F‘s: Freibier und Freiwild“, betont Böhmermann.

„Und obwohl Max Giesinger so aussieht, als hätte sich Florian Silbereisen beim ‚Schlagerfest der Schlaganfälle‘ das Toupet von Ross Antony aufgesetzt: Max Giesinger hat nix zu tun mit Schlager. Nein, nein! Denn Schlager, das ist diese seelenlose Industriemusik, dieses 08/15-mäßig produzierte Heile-Welt-Getue ohne echte Message. Wenn ich an Schlager denke, dann denke ich an diese beiden, die immer so aussehen, als hätten sie gerade ihre Ehefrauen im Garten verbuddelt, diese Horror-Zwillinge: Die Amigos.“

Mit unüberhörbar ironischem Ton fährt Böhmermann fort: Nein, mit seelenloser Kommerz-Musik habe doch jemand wie Max Gieisinger nichts zu tun. „Nein, Deine Musik ist so viel echter. So viel ehrlicher. So real. So viel deeper.“ Gieisnger gehöre ja zu den „neuen deutschen Pop-Poeten“, die für den Echo 2017 nominiert seien. „Zum Beispiel Kerstin Ott, Lina, Jamie-Lee, ‚Gestört aber geil‘, Stereoact und die Lochis.“ Nach dem Tod der Musik-Giganten George Michael, David Bowie, Leonard Cohen und Prince würden die neuen deutschen Pop-Poeten mit Max Giesinger die Kunst retten!“ 

Jan Böhmermann: So spottet er über den Echo und Max Gieisinger

Wie habe Max Giesinger nur so eine Karriere hingelegt „mit so einer Frisur“, sinniert Böhmermann. Um dann eine Couch einzublenden. Nur gut, dass an dieser Stelle kein Wort wie „Hochgeschlafen“ fällt. Man kann Böhmermanns Gedankengang auch so nachvollziehen. Nein, Max Giesiner sei „ein echter Intellektueller“, dessen Songs vom wahren Leben handelten. In dem Zusammenhang knöpft Böhmermann sich dessen Hit „Wenn sie tanzt“ vor, in dem er über eine alleinerziehende Mutter singt, die in ihrer Phantasie aus dem harten Alltag mit ihren Kindern flieht. Böhmermann fragt: „Denn was hilft alleinerziehenden, jungen Müttern, wenn sie überfordert sind?“ (Einblendung: Weißweinschorle?) „Wenn sie überfordert sind? Wenn sie früh Kinder gekriegt haben? Wenn der Vater nicht zahlt? Wenn sie zwei verschiedene Jobs haben? Wenn alles zu viel ist?“ (Einblendung: Mehr Weißweinschorle?) „Richtig: Dann hilft Tanzen, Max!“

Böhmermann spottet: „Uuuuh! Heißes Eisen! Max Giesinger greift das brisante Thema ‚Regretting motherhood‘ auf, also das Hadern von Frauen mit ihrer Mutterrolle. Damit kennen wir Männer uns ja besonders gut aus. Und bei Max bekommt die alleinerziehende Berlin-Mitte-MILF am Ende das, wonach sie sich besonders sehnt: Endlich mal alleine über Wiesen laufen. Da hat sich Max genau die eine Aktivität rausgesucht, an der es alleinerziehenden Müttern eben gerade nicht mangelt.“

Schluss mit der Ironie! Jetzt ledert Böhmermann mit Vollgas gegen die deutsche Pop-Industrie los. „Ganz ehrlich, Max! Dass Du gar nichts verstehst, könnte unter anderem daran liegen, dass Du gar nichts verstehen willst. Vielleicht willst Du mit Deiner Musik gar keine Zusammenhänge aufzeigen oder Farbe bekennen. Das wäre auch nicht so schlimm. Aber bitte: Tu‘ dann nicht so.“

So rechnet Jan Böhmermann mit „Max Giesinger und seinen Echo-nominierten Freunden ab“ 

Es folgt eine Fundamentalkritik an der deutschen Pop-Industrie. „Es ist nämlich so: Mit Max Giesinger & Co. sucht die deutsche Popmusik seit Jahren ein ganz großes Revival des Schlagers unter falscher Flagge: Gefühle abklappern, Trost spenden, Tiefe vorgaukeln, Millionen erreichen und verdienen. Und dabei immer schön unpolitisch und abwaschbar bleiben. Das ist die Art von Musik, die wir bislang nur aus der Nachkriegszeit in Deutschland kannten. Damals wollten Freddy Quinn & Co. die Deutschen von der Erinnerung an den Krieg ablenken, den wir Deutsche nie wollten. Und der uns von den Nazis, von denen wir nie was wussten, aufgezwungen wurde. Zum Glück ist diese Nazi-Scheiße komplett vorbei. (Einblendung: In Westdeutschland).“

Heute gebe es dafür deutsche jede Menge deutsche Pop-Musiker, die mit belangloser Musik für Ablenkung von der aktuellen Weltlage sorgen. „Max Giesinger und seine Echo-nominierten Freunde sorgen dafür, dass die schlechte Laune nach der Tagesschau vergessen wird.“ Die deutschen Popindustrie stehe vor allem für „leere gute Laune“ und „grundlose Gefühlsduseligkeit“. Die deutsche Popmusik der vergangenen zehn Jahre sein nichts anderes als „ein einziger gigantischer und schmalziger Werbespot“.

Es folgen weitere zehn Minuten Spott über die deutsche Pop-Industrie, die laut Böhmermann nichts anderes als Schleichwerbung sei:

Wie austauschbar das „ewig gleich Emotions-Echo-Gulasch der deutschen Musikindustrie“ doch sei, will Jan Böhmermann am Ende des Videos demonstrieren. Und zwar mit einem Echo-Experiment im Geslenkirchner Zoo, wo Böhmermann und sein Mitarbeiter Affen einen neuen Song „komponieren“ ließen. Die Versuchsanordnung sah so aus: Anhand von Früchten, die die Schimpansen auswählten, wurden angeheftete Text-Segmente zu er Mixtur aus Tweets von Sami Slimani, aus Werbeslogans, Textzeilen aktueller Popsongs und Kalendersprüchen aneinandergereiht. Böhmermanns Komponist Alex unterlegte das Ganze dann innerhalb von 30 Minuten mit einem eingängigen Sound, den der Komiker so beschreibt. „Bisschen Disco-tauglich, schöne Stadio-Atmosphäre, rückwärts abgespielte Crash-Becken und ganz viel Gefühl.“ Anschließend präsentierte Jan Böhmermann das Video zum Affen-Song, in dem er selbst den Sänger Jim Pandzko verkörpert. „Mein Team und ich - und fünf Gelsenkirchner Schimpansen - haben zum Beweis, wie affengeil und tierisch tiefgründig ist, einen echten Echo-Hit geschrieben.“ Der einfallslose Titel der Nummer: "Menschen Leben Tanzen Welt".

"Menschen Leben Tanzen Welt": Mit diesem Lied veräppelt Jan Böhmemann Max Giesinger und die deutsche Pop-Industrie

Im Video tritt Böhmermann als Max-Gieisinger-Double auf: Mit Strubbel-Frisur, T-Shirt und verwaschener Jeans. Und der Komiker versprach wirklich nicht zuviel: Das Lied kommt als Aneinanderreihung von Phrasen daher, die man nur allzu gut aus dem Dudelfunk, pardon: aus dem Radio kennt.

„Was Du hast, können viele haben,

aber was Du bist, kann keiner sein.

Ist ein schönes Gefühl,

zu wissen, dass Du da bist.

Ich brauch‘ mal wieder Zeit mit Dir.

Das Schwarze mit der blonden Seele.

Der gute Stern auf allen Straßen.

An alle da draußen:

Einfach sein ist gut!

Alle Wege führen nach Rom.

Wir trampen nach Alaska.

Barfuß durch den Regen.

Menschen, Leben, Tanzen, Welt. Ooh-ooh-oh!

Menschen, Leben, Tanzen, Welt. Ooh-ooh-oh!

Böhmermanns Hinweis: „Diesen Text haben Schimpansen geschrieben“, darf man als unmissverständliche Kritik an Beliebigkeit und Stumpfsinn der deutschen Popindustrie deuten. 

Übrigens: Vor der Echo-Preisverleihung ist "Menschen Leben Tanzen Welt" auf Platz 5 der deutschen iTunes-Charts geklettert. Jan Böhmermann hat den Affen-Song laut einem Facebook-Posting am Donnerstagnachmittag offiziell bei der GEMA angemeldet. Wäre ja der Hammer, wenn Böhmermann und die Komponisten aus dem Zoo beim Echo 2018 einen Preis bekommen würden. 

Hier sehen Sie den kompletten Song von Jan Böhmermann:

fro

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