Edmund Stoiber, Bayerns Ex-Ministerpräsident und Vorsitzender des Beirats der Mediengruppe Pro Sieben-Sat.1.
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Edmund Stoiber, Bayerns Ex-Ministerpräsident und Vorsitzender des Beirats der Mediengruppe Pro Sieben-Sat.1 .

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Edmund Stoiber: „ProSieben sieht Nachrichten und Information als gesellschaftspolitische Aufgabe“

  • Wolfgang Hauskrecht
    vonWolfgang Hauskrecht
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Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) ist Vorsitzender des Beirats der Mediengruppe Pro Sieben-Sat.1. Ein Gespräch über die neue Lust der Privatsender an seriöser Information.

Jan Hofer zu RTL, jetzt Linda Zervakis zu Pro Sieben. Hat das Privatfernsehen Nachrichten als neues Geschäft entdeckt?

In Deutschland ist mehr als ein Drittel der Bürger stark an gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen interessiert. Unterhaltung wie „Promis unter Palmen“ ist nach wie vor wichtig, ist aber nicht mehr die einzige Säule.

Das war nicht immer so.

Wenn man sich durch Werbung finanziert, kann man bestimmte Formate nur schwer bedienen. Bei Nachrichten oder Dokumentationen ist es schwierig, werberelevante Einschaltquoten zu erreichen. Der damalige Pro Sieben-Sat.1-Vorstand Thomas Ebeling hat ja die Nachrichtensparte N24 verkauft – und sinngemäß gesagt: Mit Nachrichten machen wir nur Verluste, die sind für uns nicht so wichtig. Das hat sich gewandelt. Jetzt sieht ProSieben Nachrichten und Information als gesellschaftspolitische Aufgabe und potenziell rentabel an.

Was Sie sehr begrüßen ...

Die Förderung von gesellschaftlichem Diskurs muss auch in den privaten Medien stattfinden. Deswegen ist das sehr erfreulich. Pro Sieben-Sat.1 baut jetzt in Unterföhring eine eigene zentrale Nachrichtenredaktion auf mit 60 bis 80 Mitarbeitern. In Berlin soll es bis 2023 zusätzlich ein Hauptstadtbüro geben. Das ist eine Entwicklung, die hätten Sie vor fünf Jahren noch nicht mit privatem Fernsehen verbunden.

Auch, weil es einfacher geworden ist, mit nachrichtlichen Formaten Werbung zu generieren?

Ja, aber das ist ja gut. Man muss eines wissen: Die Senderkette Pro Sieben-Sat.1 erreicht rund 40 Millionen Menschen in Europa und hat in der Altersgruppe der 14- bis 39-Jährigen einen Marktanteil von etwa 30 Prozent. Bei ARD und ZDF sind es zusammen nur 13 Prozent. Der erste Aufschlag von Annalena Baerbock nach ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin der Grünen war bei ProSieben, weil sie da ihr junges Zielpublikum erreicht. Bei Anne Will ist das Durchschnittsalter der Zuschauer über 60. Sie erreichen über Privatfernsehen Menschen, die sonst eher Sport oder Unterhaltung interessiert als die Politik. Das ist hochinteressant. Zum Entertainment kommt jetzt auch das Infotainment.

ADR und ZDF müssen also damit rechnen, dass noch mehr gute Journalisten abgeworben werden.

Ich glaube schon. Privatsender wollen im Informationsbereich eine stärkere Konkurrenz zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden.

Interview: Wolfgang Hauskrecht

Nach ihrem Aus bei der Tagesschau (ARD) gab Linda Zervakis ihre neue Sendung bekannt.

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