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„Improvisatorische Spielimpulse“: Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt, M.) befragt die Polizeibeamten Özyl (Murathan Muslu), Jacob (Hans-Jochen Wagner), Meier (Shenja Lacher) und Henninger (Mathias Kupczyk, v. l.).

„Krimi ist kein Dokumentarfilm“

BR weist Kritik an "Polizeiruf 110" zurück

München - Der BR hat Kritik an der Darstellung von Polizisten im jüngsten „Polizeiruf 110“ zurückgewiesen. Der Ton hatte offenbar „dramaturgische Gründe“.

Nicht einmal sieben Millionen Zuschauer sahen den jüngsten Münchner „Polizeiruf 110“ in der ARD (siehe auch „TV Spitzenreiter“) – für die Erstausstrahlung eines Krimis auf dem „Tatort“-Sendeplatz ein eher schlechter Wert. Dennoch war die Episode „Der Tod macht Engel aus uns allen“, in der es um Polizeigewalt geht, am Tag danach Gesprächsthema bei den Zuschauern. Kontrovers diskutiert wurden die Handlung, insbesondere das Erscheinungsbild von Polizisten im Film, aber auch die schlechte Tonqualität. Die Dialoge seien „nuschelig“, das Zuhören „eine Qual“ gewesen, kritisierten viele.

Der für die „Polizeiruf“-Folge verantwortliche Bayerische Rundfunk (BR) machte hierfür gestern „dramaturgische Gründe“ geltend. Man habe darauf verzichtet, den Schauspielern Bewegungsabläufe detailliert vorzugeben, erläuterte die verantwortliche Redakteurin Cornelia Ackers das Konzept des von Jan Bonny inszenierten Krimis: „Auf diese Weise konnten die Schauspieler ihren improvisatorischen Spielimpulsen spontaner folgen.“ Dies habe jedoch Konsequenzen für Kamera- und Tonmann, „da sie auf nicht vorhersehbare Bewegungen und Reaktionen unvermittelt reagieren mussten“, so Ackers, die jedoch versprach, diese „eher unübliche Arbeitsweise“ noch zu perfektionieren.

Doch auch am Inhalt des von der Kritik überwiegend hochgelobten Films schieden sich die Geister. So bemängelte Münchens Polizeipressesprecher Wolfgang Wenger in der „tz“, die Polizeiarbeit werde in „Der Tod macht Engel aus uns allen“ nicht realistisch abgebildet. Die im Fokus stehende Dienstgruppe werde als „kriminelle Vereinigung“ dargestellt. Wenger fürchtet um das Image der Ordnungshüter: „Viele Menschen, die das sehen, können nicht differenzieren. Sie nehmen dieses Bild für bare Münze. Da bleibt immer was hängen, und am Ende zahlen die Zeche wir.“

Es handele sich um ein fiktionales Format, betonte demgegenüber Ackers: „Ein fiktionaler Film hat nicht den Anspruch, dokumentarisch zu sein, ist daher auch nur sehr begrenzt daran messbar, wie so ein Fall in Wirklichkeit bei der Polizei behandelt werden würde.“ Und dass die Polizei an manchen Orten in der Kritik stehe, liege an Vorfällen wie beispielsweise dem der prügelnden Polizeigruppe vor einer Diskothek in Bremen und nicht an fiktionalen Filmen, die sich mit diesen Themen beschäftigten. „Die Sonntagskrimis im Ersten setzen sich mit einer großen Vielzahl an gesellschaftlich relevanten Themen auseinander und thematisieren nur in seltenen Fällen Polizeigewalt“, sagte Ackers.

Von Rudolf Ogiermann

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