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"Ein Nazi muss am Ende sterben" - Schauspieler Alexander Scheer über das ARD-Drama "Brennendes Herz",

- Nachdem kriminelle Ausländer lange im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen, ersetzt sie das ARD-Drama "Brennendes Herz" (heute, 20.15 Uhr) mal wieder gegen Neonazis. Alexander Scheer spielt die Hauptrolle als Kurt.

Ist "Brennendes Herz" ein Appell, neue Prioritäten zu setzen?

Er könnte zumindest so verstanden werden. Andererseits war er fast zwei Jahre vorm Wahlkampf in Hessen fertig. Warum er erst jetzt gesendet wird, weiß ich auch nicht. Vielleicht aus Angst vor Anschlägen. (lacht) Und, weil er erst über die Festivals sollte.

So erfolgreich, dass er vor Schülern gezeigt wird. Ist es ein politischer Film?

Das Politische liefert nur die Rahmenbedingungen. Mich hat mehr der klassische Typ eines Ex-Häftlings fasziniert, der kaum aus dem Knast gleich wieder in die alte Spirale aus Gewalt und Hass schlittert und dann in diese sonderbare Liebeskonstellation aus Türkin und Nazi gerät, woraufhin wirklich alle hinter ihnen her sind. Dieses Desperate finde ich toll. Auch wenn es nur ein Fernsehspiel ist, hat es dadurch fast Züge der griechischen Tragödie, die gar nicht anders als katastrophal enden darf. Unausweichlich.

Tragische Enden verstören.

Aber sie entsprechen eher der Realität als Happyends. Denn aus einem Kreislauf wie diesem - mit kaputtem Elternhaus, falschen Freunden, Kriminalität - rauszukommen, ist die Ausnahme.

Macht dieser Fatalismus den Hauptdarsteller zum Sympathieträger?

Ich finde ihn sympathisch.

Diese Sympathie-Tauglichkeit, ohne Reue zeigen zu müssen, ist eine neue Entwicklung - wie in "Der Untergang" mit einem menschlichen Adolf Hitler oder bei Jonathan Littells SS-Offizier im Roman "Die Wohlgesinnten".

Das stimmt, bislang mussten Neonazis vom falschen Weg abweichen, eine Wandlung durchmachen. Jetzt kann er - wie der Stasi-Offizier in "Das Leben der Anderen" - geradezu warmherzig wirken. Es wäre mal interessant, diesen Gedanken zu radikalisieren, dem Bösen eine Liebesgeschichte anzudichten, die komplett aufgeht und glücklich endet. Aber so weit sind wir wohl noch nicht. Bonnie und Clyde waren Popstars, aber ein Nazi muss am Ende sterben oder die Seiten wechseln.

Hat Fernsehen den Auftrag, einen gewissen Optimismus zu verbreiten: Es kann alles gut werden, wenn man nur will?

So ist das Prinzip, schließlich geht es um Unterhaltung. Wirklich nachdenken will man im Fernsehen nicht, dafür ist eher das Kino da.

Ist das nicht ernüchternd für einen Schauspieler, der auch im TV spielt?

Also, in erster Linie will man als Schauspieler nicht langweilen. So gesehen war der Neonazi eine Rolle wie jede andere, der man sich wie mit einem Mindestmaß an Verständnis nähern muss. Ich verbrachte für den Film einen Tag im Gefängnis, um das zu spüren. Das drückt so aufs Gemüt, dass man es körperlich merkt. Unvorstellbar, dass zwei Jahre in so einer engen Zelle einen Menschen nicht grundlegend verändern.

Spielt man den Neonazi auch, um sein Repertoire zu erweitern?

Klar. Palette zeigen. Neonazi, Häkchen drunter. Aber es war auch eine schöne Arbeit.

Und relativiert das Bild von Micha, dem netten Loser aus "Sonnenallee".

Ja, ich stecke ganz schön in dieser Schublade und muss seither in jedem Film tanzen. (lacht) Ich mache viel Theater, um dagegen anzuspielen. Deutsche Schauspieler sind bis zu einem gewissen Alter, das weit über meine 31 Jahre hinausgehen kann, immer die jungen Wilden, die entsprechend besetzt werden. Ich bin gespannt, wann ich den alten Wilden spielen darf; der jugendliche Rebell funktioniert ja nicht mehr allzu lange, ich freue mich schon auf Vater- und Großvaterrollen. (lacht) Einen Bankangestellten durfte ich noch nicht spielen.

Macht eine Theaterkarriere anspruchsvoller, was die TV-Laufbahn betrifft, oder gelassener, weil man schon gezeigt hat: Ich kann auch anspruchsvoll?

Der Beruf des Schauspielers ist zunächst die Bühne. Sie ist das älteste Gewerbe der Welt, nicht die Prostitution. Wenn du rausgehst und drei Stunden lang die Leute so unmittelbar bespielst, spürst du das Wesen deines Berufs. Fernsehen schafft das nicht. Auch deshalb gibt es so viele Filmangebote, die mich nicht interessieren, weil man sie zu schnell mit Shakespeare, Dostojewski oder Büchner vergleicht, die sie nie erreichen. So scharfe Gedanken sind in Drehbüchern sehr selten. Deshalb habe ich mich oft fürs Theater entschieden, aber lange noch nicht oft genug, um Gelassenheit an den Tag zu legen.

Woran hängt Ihr Herz?

Ich wollte immer zum Film, der Moment, wenn das Licht ausgeht und alles nur Leinwand ist, hat mich mein Leben lang fasziniert. Deswegen bin ich Schauspieler geworden. Der Zirkus Theater ist erst mit der Zeit zentraler geworden, ich werde nie mehr ohne es leben können, auch wenn ich als 28-jähriger Othello dachte, mehr geht nicht, das war's.

Wurden Sie von ihren Kollegen je abschätzig behandelt, weil Sie nie eine klassische Sprechausbildung absolviert haben?

Kann ich mich nicht dran erinnern - entscheidend ist, was von den Brettern runterkommt, und da bin ich stets auf Solidarität gestoßen. Theater ist ja ein Teamspiel. Viel mehr als Film.

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