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Schrill, bunt, selbstbewusst: die 25-jährige Netta holte die ESC-Trophäe für Heimatland Israel 

Finale am Samstagabend

Eurovision Song Contest: Michael Schulte bricht den Fluch - Endlich!

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„Deutschland, zwölf Punkte!“ Seit 2010, als Lena Meyer-Landrut in Oslo mit Satellite den Eurovision Song Contest gewonnen hat, war diese frohe Botschaft beim größten Wettsingen der Welt nicht mehr zu hören.

Lissabon - Das änderte sich am Samstag in Lissabon – und zwar gleich mehrfach. Sechsmal zwölf Punkte für Michael Schulte und seine Ballade You Let Me Walk Alone. Damit holte der 28-Jährige aus Buxtehude sensationell Platz vier. Star des Abends aber war die ebenso wilde wie bunte Netta aus Israel, die mit ihrer Hip-Hop-Hymne Toy den ersten Sieg seit 1998 für ihr Heimatland holte.

Die 25-jährige Netta fand die schönsten und wichtigsten Worte des Abends. „Danke, dass Ihr Euch für die Vielfalt entschieden habt“, jubelte die Israelin, die vor dem Wettbewerb mit Hassbotschaften homophober und antisemitischer Gruppen zu kämpfen hatte. Netta ließ sich nicht beirren, sang und gackerte ihren Hit Toy, in dem sie, passend zur #MeToo-Debatte, klarstellt, dass sie als Frau nicht das Spielzeug irgendwelcher dummer Jungs ist. Der mutigste, witzigste und einfallsreichste Song des ESC hat gewonnen – fast 100 Punkte vor der hüftschwingenden Mittelmeer-Shakira Eleni Foureira aus Zypern.

„Wir haben an Michael Schulte geglaubt“

Aber auch in Deutschland ist man glücklich. „Wir haben an die Kraft von Michael Schulte und an die Inszenierung geglaubt“, jubelte Thomas Schreiber, viel gescholtener ESC-Chef der ARD, der mit seiner Taktik, einen deutschen Ed Sheeran nach Portugal zu schicken, diesmal genau richtig lag.

Den Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie hier

Der Held von Lissabon aber war Vorjahressieger Salvador Sobral. Er rührte ganz Europa. Sechs Monate nach seiner Herztransplantation stand der 28-Jährige erstmals wieder auf der Bühne und sang noch einmal sein Siegerlied. Sobral, der bereits vor einem Jahr schwer krank war, wirkte vergnügt und viel gesünder als bei seinem Sieg in Kiew. Ein wunderbarer Auftritt.

Die Wertungen der ­Jurys und der Zuschauer, die jeweils zu 50 Prozent zählen, lagen teilweise wieder meilenweit auseinander. So vergab die deutsche Jury (unter anderem mit Mary Roos und Max Giesinger) unerklärliche zwölf Punkte für den schwedischen Plastikpop, aber nur einen Punkt für Israel. Bei den deutschen Zuschauern lagen dagegen die großartigen Italiener Ermal Meta und Fabrizio Moro vor Israel auf Platz eins. Nicht nur ARD-Kommentator Peter Urban wunderte sich: „Darüber denkt man mal nach.“ Die Debatte, ob die Einflussnahme zweifelhaft besetzter Jurys auf das Ergebnis zu groß ist, ist längst eröffnet.

Skandal von Lissabon

Der Skandal von Lissabon: Ein bekannter Krawallmacher, der schon in der UK-Ausgabe von The Voice auf die Bühne gesprungen war, entriss der britischen Sängerin SuRie bei ihrem Auftritt das Mikro und rief Hassbotschaften gegen die Medien. Die 29-Jährige sang nach wenigen Augenblicken ungerührt weiter. Die Veranstalter boten ihr an, nochmals aufzutreten. SuRie verzichtete – und landete trotz ihrer Nervenstärke nur auf Platz 24.

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Den ESC im Ersten sahen 7,71 Millionen Zuschauer – eigentlich eine Top-Quote. Die 14,69 Millionen von Lenas Triumph in Oslo sind aber weit weg. Doch ESC-Chef Thomas Schreiber hofft auf neue Eurovisions-Begeisterung in Deutschland: „Wir müssen schauen, dass wir dieses Ergebnis in den nächsten Jahren stabilisieren.“

„Das ist so verrückt“

Wenigstens Drittletzter werden, und damit besser abschneiden als seine drei Vorgängerinnen – mit diesem Minimalziel war Michael Schulte nach Portugal gereist. Dass sich Europa in den Wuschelkopf aus dem hohen Norden verlieben würde, damit hatte wohl keiner gerechnet. „Das ist so verrückt“, jubelte Schulte überglücklich nach dem ESC-Finale. Viermal zwölf Punkte von den Jurys aus Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und der Schweiz, dazu zweimal die volle Punktzahl von den Zuschauern aus Dänemark und den Niederlanden – das sorgte für Platz vier und fürs „Wunder von Lissabon“. Schulte feierte seinen Traumplatz mit einem Glas Sekt, nachdem er die Woche vor dem Finale abstinent gelebt hatte.

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Jörg Heinrich

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