+
„Alarm für Cobra 11 - Die Autobanpolizei“: Jetzt läuft auf RTL die 200. Folge  der erfolgreichen Serie.

„Ein wenig Adrenalin darf es schon sein“

München - Der Action-Produzent Hermann Joha über seine Arbeit für die RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ und ihre 200. Folge

Hermann Joha aus dem unterfränkischen Lohr hat seine Firma zum wichtigsten Action-Produzenten Europas gemacht. Am Donnerstag feiert sein Flaggschiff „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ um 20.15 Uhr auf RTL die 200. Folge.

Neben Spaßmacher Oliver Pocher haben Juliette Menke aus „Alles was zählt“ und Viva 2-Moderatorin Collien Fernandes Gastauftritte in der Jubiläumssendung, die zugleich Pilotfilm ist für die acht neuen Folgen der 15. Staffel.

Gibt es eine Formel für gute Action?

Nein, die gibt’s nicht. Man braucht glaubhafte Figuren, die du liebst. Dazu Spannung. Und was in unserem Genre sehr hilft, ist die tickende Uhr zum Showdown.

Die „Cobra 11“-Formel lautet: Anfangs-, Mittel-, Endexplosion und dazwischen etwas Handlung.

(Lacht.) Die Leute sehen Serien, weil sie eine Erwartungshaltung haben. Und die ist, genau wie bei James Bond, dass es am Anfang knallt. Der Fall wird immer über Action etabliert. Der Zuschauer will Surprise, Surprise, Surprise, aber trotzdem Verlässlichkeit.

Als „Cobra 11“ gestartet ist, existierte deutsche Action gar nicht. Musste man dem Publikum erst erklären, was RTL vorhat?

Deutlich sogar. Die Trailer liefen rauf und runter, bis der letzte kapiert hatte, was ihn erwartet. Das führte zu knapp elf Millionen Zuschauern bei der Premiere. Ich wusste gar nicht, ob wir besser sind, als die anderen auf dem Actionmarkt. Aber schlechter konnten wir einfach nicht werden. Mittlerweile haben wir fünf von sieben Mal den „Word Stunt Award“ gewonnen.

Zu dumm, dass Effekthascherei die Dialogregie in den Hintergrund drängt…

Action ist nun mal keine Geisteswissenschaft, und für Feuilletonisten drehen wir nicht, die hassen uns sowieso. Es sind zwei verschiedene Welten: Das eine ist pures Entertainment, das andere von Sendungsbewusstein, Lerneffekten, Bildungsanspruch geprägt. Wir sind angetreten, die geilste Achterbahn mit Sechsfachlooping aufzustellen. Unsere Aufgabe ist der Fun-Faktor.

Dennoch stumpft der Erfolg des Visuellen gegenüber Inhalten viele Zuschauer ab.

Das kann sein, aber Zuschauervorlieben wandeln sich in Wellen, weil der Mensch nach Abwechslung dürstet. Wenn Drehbücher plakativer werden, sehnt sich das Publikum irgendwann nach Schwere, Intellekt und Anspruch.

Wann haben Sie diesen Wechsel zuletzt beobachtet?

Wir hatten gerade einen: Der Erfolg von „Dr. House“ zeigt, dass nach einer Zeit oberflächlicherer Unterhaltung wieder Formate massentauglich wurden, die uns mit Inhalt und Infos bombardieren.

Was mögen Sie persönlich abseits actionhaltiger Stoffe?

Ich lese lieber Fachbücher als schwere Stoffe. Beim Film mag ich eher Action oder Comedy, habe aber auch „Pretty Woman“ 20 Mal gesehen und könnte es immer wieder.

Haben Sie Berührungsängste mit Anspruchsvollem?

Höchstens Perfektionsängste. Du wirst immer nur in einer Sache wirklich gut, dafür sind die Stoffe, mit denen wir arbeiten, zu komplex. Wenn du Historiendramen machen willst, Rosamunde Pilcher verfilmen, noch ein paar gute Dokus drehen und dann auch noch anständige Action, hast du am Ende Wassersuppe.

Könnten Sie denn einen Dialogfilm drehen?

Ohne Frage, ich bin Profi. Die organisatorischen Anforderungen sind dieselben. Bloß Bock hätte ich darauf keinen.

Weil Sie selbst aus dem Stunt-Fach kommen?

Vermutlich. Ich bin Auto-Rennen gefahren, als Teil einer Auto-Artistengruppe zum Stunt gekommen und darüber in die Produktion geraten, wo wir vom „Fall für Zwei“ bis „Tatort“ alles gemacht haben.

Haben Stuntmen eine besondere Affinität zur Gefahr?

Ein wenig Adrenalin darf es schon sein. Wir sind keine Schachspieler, aber schwachsinnige Draufgänger erst recht nicht. Die eliminieren sich nämlich selber. Wie Extremsportler gehen wir an Grenzen, aber stets mit Sinn und Verstand.

Wo sind die Grenzen bei Ihnen erreicht?

Ein Stunt muss wiederholbar sein. Bei Special Effects haben wir Szenen, die allein aus Kostengründen beim ersten Mal im Kasten sein müssen, aber die physische Komponente sollte bei entsprechender Fitness und Ausstattung wenn nötig zehnmal klappen. Probieren wir’s mal, ist unprofessionell.

Probieren Sie denn noch selbst?

Ich bin 49, meine eigene Action-Zeit ist vorbei, dafür haben wir bis zu 60 Leute in der Technik, die kriegen das alles sauber hin.

Mussten Sie da eine Entziehungskur machen?

Nein, nur eine Entwicklung. Stuntman ist man zeitlich begrenzt, Produzent ein Leben lang.

Gerade bei dem Erfolg.

Ja, wir laufen auf über 100 Märkten. Angeblich besser als alle ZDF-Serien.

War das absehbar?

Damit hat niemand gerechnet. Aber jeder, der mit seiner Arbeit langfristig erfolgreich wird, hat am Anfang Begeisterung in ein Projekt investiert. So war es auch bei uns. Wenn es sich dann auch noch verkauft, sogar explodiert – umso besser. Vor 200 Folgen dachten wir, eine zweite Staffel wäre toll. Jetzt läuft die 15.

Ein teurer Spaß.

Früher waren wir dreimal so teuer wie normale Serien, heute sind wir’s noch zweimal. Eine Actionserie ist nun mal superteuer, statt 600 000 Euro pro Episode schlichtweg das Doppelte. Selbst eine Minute „Tatort“ kostet nur halb so viel wie eine von „Cobra 11“. So etwas allein über den Weltvertrieb reinzukriegen, funktioniert nicht so einfach. Insofern gibt es abseits von RTL keinen Sender, der sich bei der Budgetgröße so sehr aus dem Fenster lehnt.

Wenn nun im Zuge der Krise internationale Kunden abspringen – könnte die Serie dann an Rückhalt verlieren?

Nein, wichtig ist die Quote in Deutschland. Wenn wir da nicht deutlich über Senderschnitt liegen, sind die hohen Kosten irgendwann ungerechtfertigt. Nur aus Prestigegründen wird sich RTL „Cobra 11“ nicht leisten.

Das Gespräch führte Jan Freitag.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayerischer Rundfunk übernimmt 2018 den ARD-Vorsitz
Der Senderverbund hat einstimmig beschlossen, dass der Bayerische Rundfunk im Jahr 2018 den Vorsitz der ARD übernehmen wird - zuletzt hatte der BR diesen 2005/2006 inne.
Bayerischer Rundfunk übernimmt 2018 den ARD-Vorsitz
Wird dieser Weltmeister Scholl-Nachfolger bei der ARD?
Nach der Trennung von Mehmet Scholl ist die ARD auf der Suche nach einem oder mehreren TV-Experten für die Fußball-WM 2018. Ein Weltmeister scheint Favorit zu sein, ein …
Wird dieser Weltmeister Scholl-Nachfolger bei der ARD?
Castingshow „MasterChef“ startet neue Staffel mit Nelson Müller
Die zweite Staffel von „MasterChef“ hat 24 Folgen mit jeweils 50 Minuten und startet am Montag nach der Bundestagswahl mit Neuzugang Nelson Müller in der Jury.
Castingshow „MasterChef“ startet neue Staffel mit Nelson Müller
Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“
Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“ wird eingestellt.
Aus für Frank Elstners „Große Show der Naturwunder“

Kommentare