Eine folgenschwere Antwort

"Wer wird Millionär?" - Erstmal in Urlaub fahren - das wünschen sich die meisten Quizshow-Kandidaten. Konrad Göckel dagegen wurde beurlaubt und versetzt: Als Gast in Günther Jauchs Sendung "Wer wird Millionär?" hatte der Berliner Chauffeur zu freimütig über die Arroganz von Bundestagsabgeordneten gesprochen.

"Die Sache ist so kompliziert, die kann man mit wenigen Worten nicht erklären", sagt der Chef von Konrad Göckel und einer der Geschäftsführer der Firma "RocVin", die unter anderem den Fahrservice des Deutschen Bundestags organisiert, am Telefon. Deshalb will er auch seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Am liebsten würde er über den Fall nicht mehr sprechen - "die Presse schreibt doch eh, was sie möchte, und die ,Bild’-Zeitung sowieso".

Das Blatt hatte groß über das Schicksal von Konrad Göckel berichtet. "Bundestags-Chauffeur nach TV-Show gefeuert!", lautete die Schlagzeile. Am vergangenen Freitag war der 56-jährige Berliner zu Gast bei Günther Jauch. Es ging um eine Million, doch für den Kandidaten war das Quiz bereits bei 8000 Euro vorbei.

Die verhängnisvollste Frage stellte Showmaster Jauch jedoch ganz nebenbei und zum Schluss des Auftritts: Welche Politiker seien "unfreundlicher als andere"? Bundestags-Chauffeur Göckel antwortete ausweichend ("Es sind alle gleich."), doch Jauch bohrte nach - fünfmal. Wer sei denn nun freundlicher, "die Höhergestellten oder die Hinterbänkler?" Der erfahrene Chauffeur zögerte erneut: "Wollen Sie eine ehrliche Antwort? Je höher, desto arroganter."

Vier Worte genügten für den vermeintlichen Skandal. Als Fahrer habe Göckel eine "absolute Verschwiegenheitspflicht", zitierte "Bild" den Arbeitgeber. Der Mitarbeiter habe sich zudem als Fahrer des Deutschen Bundestags ausgeben - dabei sei er doch nur Angestellter einer Fuhrpark-Gesellschaft: "Allein das könnte Grund für seine fristlose Entlassung sein", vermutete der Bericht. Alarmiert von der Boulevardzeitung schaltete sich auch Showmaster Jauch ein: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass Herr Göckel wegen dieser Aussagen seinen Job verlieren soll. Es muss in unserem Land möglich sein, normal über seine Arbeit zu sprechen, ohne sich dabei um Kopf und Kragen zu reden." Jauchs Sorge ist offenbar jedoch unbegründet. Der Auftritt bei "Wer wird Millionär" werde für den Chauffeur keine Konsequenzen haben, versichert der Chef im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wir haben Herrn Göckel nicht entlassen. Wir haben unseren Mitarbeiter nur aus der Schusslinie genommen. Er ist in Urlaub gegangen." Von Seiten der Bundestags-Verwaltung heißt es, Göckel werde künftig keine Abgeordneten mehr fahren. Seinen Job in der Firma aber soll er behalten.

Der Chef des Fuhrpark-Betriebs nimmt seinen Mitarbeiter dabei ausdrücklich in Schutz: "Der Vorgang wurde von der Zeitung konstruiert. Wir lassen die Sache auf sich beruhen." Konrad Göckel entstünden durch seine Äußerungen keine Nachteile. "Wir sehen nicht, wo das Problem liegen soll." Er habe seinen Angestellten zunächst in Urlaub geschickt, bis sich die Wogen glätten: "Er hat mir heute Morgen gesagt, dass er von allen Seiten bedrängt wird und dass ihm die Sache über den Kopf wächst. Das ist menschlich doch verständlich." Kamerateams belagern den Quiz-Kandidaten, zu Hause wird er mit Telefonanrufen bombardiert. "Er möchte am liebsten abtauchen - und diese Möglichkeit haben wir ihm gegeben", sagt sein Chef.

Günther Jauch hatte sich vor einer Woche von seinem Kandidaten mit den Worten verabschiedet: "Nehmen Sie die 8000 Euro und machen Sie sich eine schöne Zeit." Was jetzt geschehen ist, hatte er damit aber sicher nicht gemeint.

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