Eine gefühlte Freundschaft

München/Peking - Waldemar Hartmann über Sport und Politik, journalistischen Patriotismus und sein Verhältnis zu Harald Schmidt

Qualifiziert hat er sich erstmals 1994 für Lillehammer, seitdem war Waldemar Hartmann bei allen Olympischen Spielen - bisher sieben - im Team der ARD. Auch bei dem heute beginnenden Sportspektakel in der chinesischen Hauptstadt Peking gehört der 60-jährige gebürtige Nürnberger zum Kader. Zusammen mit Harald Schmidt moderiert Hartmann die Talkshow "Waldi & Harry" (erstmals morgen um 23.10 Uhr).

-Was haben Sie gedacht, als wegen der Ereignisse in Tibet vom Olympia-Boykott gesprochen wurde?

Mir war völlig klar, dass das nur Gerede ist. Die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen - um nicht Abhängigkeiten zu sagen - mit China sind so exorbitant, dass ich für diese Überlegungen nur ein müdes Lächeln übrig hatte.

-Werden es normale Spiele?

Sobald es losgegangen ist, ja. Es sei denn, es passiert etwas Außergewöhnliches, dass sich etwa ein tibetanischer Mönch öffentlich anzündet.

-Wenn Sie sich zurückerinnern an die boykottierten Spiele von 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles - waren die ähnlich politisiert wie die Spiele von Peking?

Nein. Damals herrschte eine politische Zwangssituation vor. Die deutsche Meinung ging damals eher Richtung Boykott. Die Amerikaner wollten nicht nach Moskau, weil die bösen Russen in Afghanistan einmarschiert waren. Gebracht hat es null. Und 1984 in Los Angeles? Was haben wir da gejubelt, als Ulrike Meyfarth Gold im Hochsprung geholt hat, ohne daran zu denken, wie gering der sportliche Wert im Vergleich zu normalen Spielen war. Was war also das Ende vom Lied? Die Sportler wurden verarscht und um den Lohn ihrer Mühen gebracht. Dafür wurde kein einziger Soldat abgezogen. Die Politik ging weiter und das Leben auch.

-Wie politisch ist der Sport im Jahr 2008?

So politisch wie eh und je. Das ist er schon durch die Kommerzialisierung oder die Fördergelder des Staates, durch seine Funktion als Arbeitgeber vieler Sportler. Es soll niemand so tun, als seien die Chinesen erst jetzt in Tibet. Das sind sie seit 50 Jahren. Aber der Sport firmiert eben auch als Vehikel der Politik. So funktionieren die Gesellschaft und die Medien, so funktionieren aber auch Befreiungsbewegungen.

-Dürften Sie sich denn als Moderator positionieren, den Protest etwa gut heißen?

Das lass' ich raus. Und zwar weil ich die Situation im Land nicht so genau beurteilen kann. Reinhold Beckmann hat junge, aufgeweckte, aufgeklärte Chinesen getroffen, die unseren Medien vorwerfen, wir würden gar nicht kapieren, was eigentlich bei ihnen los sei. Ich kann also bitteschön nicht ständig vor dem Dalai Lama niederknien und sagen, seine sei die einzig wahre Wahrheit. Es ist nicht meine erste Aufgabe, in jeder Moderation Betroffenheit zu liefern.

-Sind Sie ein Sportpatriot, oder ist Ihr Jubel für deutsche Erfolge bloße Dienstleistung?

Ersteres. Ich bin auch bewegt. Diese Meinung darf ich haben, und man erwartet sie auch von mir.

-Das führt zwangsläufig zur Frage nach dem Kuscheljournalismus.

Ja, ja. Und gleich kommt wieder die Duzmaschine. Die Frage danach hab ich schon achttausend Mal beantwortet. Manche Kollegen glauben, dass auf scharfe Fragen besonders tolle Antworten kommen. Aber ich will ja was von meinem Gegenüber rauskriegen und schaffe das eher, wenn ich ihn zunächst in Sicherheit wiege.

-Werden es Ihre letzten Spiele sein?

Was die Sommerspiele angeht, weiß ich das noch nicht. Aber danach kommen ja erst einmal die nächsten Winterspiele.

-Erneut mit Harald Schmidt. Erstarrt man als sein Partner vor dessen Präsenz und Schlagfertigkeit?

Nein, wir waren von Anfang an auf Augenhöhe, fast eine gefühlte Freundschaft. Die hat sich so entwickelt durch Turin (Olympische Winterspiele 2006, Red.), als wir wie bei einem Landschulaufenthalt im Doppelstockbett geschlafen haben. Das hat ihm unheimlich gefallen, und seither freut er sich wahnsinnig auf unsere Zusammenarbeit. Das hilft der Sendung. Du kannst so was nicht miteinander machen, wenn du nicht miteinander kannst.

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