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Bayerische Giganten. Bei den Dreharbeiten der zwölften und letzten Folge auf dem Südfriedhof in München: (v.l.) Regisseur und Autor Franz-Xaver Bogner, Hannelore Elsner (Rolle: Charly), Robert Giggenbach (Rolle: Effendi), Elmar Wepper (Rolle: Sepp) und Michaela May (Rolle: Marlene); vorne: Ottfried Fischer (Rolle: Alfons Kerschbaumer „Sir Quickly“) und Olivia Pascal (Rolle: Christl).

Wiederholung zum Jubiläum

Eine Kultserie wird 30: Irgendwie und sowieso unsterblich

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München - Die Serie hat bayerische TV-Geschichte geschrieben. Noch heute pilgern die Fans zu den Dreh- orten, manche lassen sich die besten Sprüche auf die Haut stechen. „Irgendwie und Sowieso“ ist ein weiß-blaues Heiligtum. Nach 30 Jahren kehrt die Kultserie auf den Bildschirm zurück.

Ein Friedhof ist ja an sich kein schöner Ort, hier endet alles, aber am Südfriedhof in München gleich beim Glockenbachviertel ist es anders: Hier hat alles begonnen. Schauspielerin Michaela May, 64, steht vor wunderschönen und alten Gräbern, ums Eck sind Spitzweg und viele andere bayerische Hochkaräter begraben. Sie schaut sich um, sie lacht und sagt: „Da war das – und das ist jetzt 30 Jahre her.“

Legendär: Sir Quickly gewinnt in der ersten Folge das Ochsenrennen mit Ochse Ringo, links sein Schwarm Christl.

Genau hier haben sie die letzte Folge von „Irgendwie und Sowieso“ gedreht. Eine Beerdigung, nachdem Bruno Jonas, der einen Postboten und Hobby-Musiker spielt, bei einer bescheuerten Mutprobe gestorben ist. Lebe schnell, liebe heftig, stirb jung. Das passiert nicht nur Rockstars – in „Irgendwie und Sowieso“ ergeht es so einem Rock’n’Roll-narrischen Briefträger mit Vorliebe für viel zu bunte Hemden, den seine Spezln zwischen Kolbermoor und Dorfen nur „Tango-Fredy“ nennen. Das ist natürlich revolutionär. Das ist so albern, dass es genial ist.

Viele nennen die Serie über das magische Jahr 1968 Kult, aber wenn man sich ein bisschen umschaut in Bayern, dann merkt man: Sie ist wahrscheinlich noch mehr. Es gibt heute noch Fanclubs, die die Drehorte in Feldafing, Albaching oder Schwaberwegen besuchen als seien es leibhaftige Pilgerorte. Kein Mensch kann sich mehr an einen Tatort aus dem Jahr 1986 erinnern, aber ein Großteil der Bayern kennt dieses Meisterwerk von Franz Xaver Bogner.

Es gibt heute noch Menschen, die sich die besten Sprüche von damals auf die Haut tätowieren lassen. Man muss nur mal im Internet rumschauen, da haut’s einen um, was man da findet: Oberarme, auf denen die Autos aus der Serie zu sehen sind. Unterarme, auf denen in riesiger Schrift „Irgendwie und Sowieso“ steht. Dekolletés, auf denen großflächig steht: „Dahoam is do, wo’s Gfui is.“ Der Spruch ist von Sir Quickly, dem joghurtsüchtigen, ochsenreitenden und schallplattenensammelnden Bauernsohn Alfons Kerschbaumer, den Ottfried Fischer spielt.

Tiefpunkt: Effendi (R. Giggenbach, links) und Sepp (E. Wepper) stehen nach dem Unfall vor den Trümmern des Busses.

Wenn man auf so ein Dekolleté schaut und sei es auch nur im Netz, dann merkt auch der letzte Hammel: Diese Serie ist ein bayerisches Heiligtum, sie gehört zum weiß-blauen Weltkulturerbe wie Neuschwanstein, der Grant und Beckenbauer. Ob man sich so einen Spruch aus „Irgendwie und Sowieso“ gleich stechen muss, das ist natürliche eine andere Frage, aber unter die Haut geht die Serie heute noch. Michaela May, die damals die verwöhnte, verführerische Großwildjägertochter Marlene spielt, sagt: „In der Serie wird zum ersten Mal ein anderes Bayernbild gezeichnet. Dass der Bayer nicht nur Bier säuft und Schnaderhüpfl singt.“

Sondern dass die bayerische Jugend in der Provinz selbstverständlich auch Sehnsüchte hat, Zukunftsängste und Wehmut. Gleichzeitig können diese jungen Leute auf Ochsen reiten und auch noch die Rolling Stones hören. Provinz ist plötzlich cool, und Dorf kein Schimpfwort. Die Serie ist eine die Jahrzehnte überdauernde Liebeserklärung von Franz Xaver Bogner an seine Heimat, an seine Typen und ihre Marotten; dieses Gefühl spürt man heute noch. Bogner ist in Pliening im Landkreis Ebersberg geboren. Die Autos vom Binser (Toni Berger), vom Sepp (Elmar Wepper), der Christl (Olivia Pascal) und all den anderen haben ganz selbstverständlich ein EBE im Kennzeichen. Bogner hat, wenn man so will, die Auto tätowiert.

Michaela May – damals und heute: Die verführerische Marlene links, die Geliebte von Effendi, auf dem Südfriedhof.

Michaela May hat bei allen bayerischen Klassikern mitgespielt, bei den „Münchner Geschichten“, beim „Monaco Franze“, „Kir Royal“ und „Zur Freiheit“. Das muss man erst mal schaffen. Aber es war die Serie „Irgendwie und Sowieso“, auf die ihre Kinder sie kürzlich mal wieder angesprochen haben. „Das muss eine coole Zeit gewesen sein, Mama!“ haben sie gesagt. Sie meinten das Jahr 1968, als die Serie spielt, nicht das Drehjahr 1986. Wer als Nachgeborener „Irgendwie und Sowieso“ schaut, der meint: So war die Hippie-Zeit in der bayerischen Provinz. Genau so. Die Serie ist dann plötzlich keine fiktive TV-Serie mehr, sondern eine Art Dokumentation. Ein echter Heimatfilm.

In einer Folge sagt Michaela May als Marlene ihrem Geliebten Effendi, dass sie schwanger ist. Der dreht durch, sie laufen bis zu einem Moor. Der Drehtag ist der Tag, als 1986 in Tschernobyl die Nuklearkatastrophe passiert. In den Nachrichten: überall Warnungen. Die tödliche Wolke ist unterwegs, heißt es. Und man solle bloß nicht in stehende Gewässer gehen. „Aber wir“, sagt Michaela May, „haben genau das gemacht: Wir haben den Kopf im Moor ins Wasser gehalten.“ Sie hat wahnsinnige Angst gehabt, erzählt sie, auch um ihre kleine Tochter, die an jenem Tag am Ammersee war. Trotzdem haben sie gedreht. „Wie jeder Schauspieler“, sagt sie, „habe ich gesagt: ,Dreh geht vor‘.“

... 30 Jahre später waren wir mit ihr nochmal am selben Ort (r.).

Manchmal im Leben schlägt das Weltgeschehen Purzelbäume. 1968 und Tschernobyl, Franz Xaver Bogner und Otti Fischer, Manhattan und Heimat, manchmal passiert alles gleichzeitig. Manhattan, so nennen die Spezln vom Land in der Serie die Stadt München. Weil sie so groß ist, weil keiner weiß, ob man vielleicht dort sein Glück findet oder doch nur alle haschen.

Man wird immer ganz pathetisch, wenn man von „Irgendwie und Sowieso“ spricht, wenn man es anschaut. Man wird auf gute Art und Weise wehmütig. Es ist wie bei einem leichten Rausch, man glaubt jedes Mal, die Welt noch ein bisserl besser zu verstehen, nachdem man den Sir Quicklys und Effendis nur lange genug zugeschaut hat. Ein größeres Lob gibt’s für eine Serie und ihre Figuren nicht.

„Die Sehnsucht nach Freiheit“, sagt Michaela May, „ist heute vielleicht noch schwerer zu verwirklichen.“ Dann steigt sie auf ihr Radl, sagt „Servus“ und fährt los. Richtung Süd-Manhattan, wo’s fast so schön ist wie im Landkreis Ebersberg. Fast.

Berühmte Zitate aus "Irgendwie und Sowieso":

„Beste Zeit? Unsere! Beste Gegend? Unsere! Bestes Auto? Caddy ’59! Beste Musik? Unsere! Bester Song? Jambalaya!“ -Sepp (Elmar Wepper) und Tango (Bruno Jonas) über die wichtigen Dinge des Lebens.

„Dahoam is do, wo’s Gfui is“ - Sir Quickly (Ottfried Fischer)

„Jetzt is hoid irgendwie ois ganz anders. Gestern war’s no so wie früher – und jetzt, jetzt is’ so wia nachher. Und i glaub, dass’ früher schöner war.“  - Fuhrunternehmertochter Christl Burger (Olivia Pascal)

„A See is bloß dann a See, wenn ma s’andere Ufer sigt. Und wenn ma bei am See des andere Ufer ned sigt, dann is’s koa See mehr, sondern dann is’s a Meer. Und a Meer mog i hoid ned!“ - Sir Quickly

Sepp: „Da Sir braucht a Frau, weil’s Winter wead!“ Effendi: „Warum weil’s Winter wead?“ Sepp: „Im Winter wead’s koid – do brauchst a warmes Bett, oder? Und de bestn Bettn ham imma no de Weiba!“ - Sepp (Elmar Wepper) und Effendi (Robert Giggenbach) über ihren Freund Sir Quickly.

„Es gibt a Zeit, da geht’s miteinander – und es gibt a Zeit, da geht’s auseinander. Und de geht jetzt o!“ - Martin Binser (Toni Berger) über die Freundschaft zu Effendi, Sepp, Sir Quickly und Christl.

Binser: „Freiheit, dass i ned lach! Freiheit gibt’s nicht, es gibt nur Wahrheit und die is grausam gnug! Die wenigsten kennan’s und die meisten geben nur an damit. Aber des is genau wie mit die Weiber.“ Effendi: „Was hat die Wahrheit mit die Weiber zu tun?“ Binser: „Wennst es host, brauchst nimmer davon reden, so is des!“  - Sägewerksbesitzer Binser erklärt dem jungen Effendi die Welt

Fernsehtipp: Der BR zeigt die Serie gerade zum 30. Jubiläum wieder – jeden Montag, 22 Uhr.

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