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Alleingelassen von Autoren und Regie: Claudia Michelsen und Sylvester Groth im „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg.

TV-Kritik

"Eine mörderische Idee": So war "Polizeiruf 110"

Der "Polizeiruf 110" mit dem Titel "Eine mörderische Idee" lief am Sonntag in der ARD. Hier lesen Sie die TV-Kritik zur neuen Folge. 

Wenn auch die Chemie (noch) nicht stimmt, so funktioniert doch wenigstens die (Computer-)Kommunikation ganz gut. Bei der Kripo in Magdeburg führen die beiden Kommissare parallel Vernehmungen und tauschen ihre Erkenntnisse sofort über interne Mails aus. Und das ist noch längst nicht alles. Teure Smartphones, superintelligente Software, riesige, geheimnisvoll blinkende Server, gesteuert von Freaks, die mit Inbrunst ihre Tastaturen bearbeiten – sieht alles furchtbar modern aus im neuen „Polizeiruf 110“ (ARD) aus Sachsen-Anhalt.

Doch der digitale Zauber, der hier veranstaltet wird, kann die Plattheit des Plots nicht überdecken. Es geht um den ganz großen Coup und natürlich irgendwie auch um (enttäuschte) Liebe und Verrat, aber die Geschichte (Drehbuch: Stephan Brüggenthies, Olaf Kaiser und Stephan Rick) wird extrem analog erzählt. Lustlos und uninspiriert reiht Regisseur Stephan Rick die Befragungen möglicher Verdächtiger aneinander, bietet fade, austauschbare Schauplätze. Und gefühlt minütlich grüßt die Universitätsbibliothek. Ob Hirn oder Handlanger, Blondine oder schwarzes Schaf – in diesem Krimi geraten, kein Wunder, alle Darsteller, einschließlich Oliver Korittke, schnell an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Viel zu oft treiben außerdem technische Spielereien oder der pure Zufall die Handlung voran.

Das größte Problem an den Magdeburger „Polizeirufen“ sind jedoch die beiden Hauptfiguren Doreen Brasch und Jochen Drexler. Hilflos, alleingelassen von Autoren und Regie, suchen Claudia Michelsen und Sylvester Groth auch im dritten Fall nach ihrer Linie, vor allem Michelsen kann einem schon fast leid tun in ihrem rätselhaften Changieren zwischen angestrengter Burschikosität und Mädchenhaftigkeit. Hier ein raues „Schläfst Du mir ihm? Habt Ihr Spaß?“, dann wieder ein schon fast verliebter Blick zum Kollegen, der ihr ein neues Mobiltelefon schenkt (doch nicht etwa aus der sichergestellten Beute?).

Mit den „Polizeiruf“-Krimis aus München oder Rostock, selbst mit denen aus Brandenburg, kann sich die MDR-Produktion nicht im enferntesten messen. Hier wäre, um im Bild zu bleiben, ein „Update“ auf eine zeitgemäße Erzählform dringend erforderlich.

Von Rudolf Ogiermann

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