Eine Art natürlicher Adel

- Sie selbst betrachtet diese Rolle bis heute als ihre beste. Im Jahr 1983 hatte der Filmemacher Helmut Dietl der Schauspielerin den Part der Annette von Soettingen in seiner ARD-Serie "Monaco Franze - Der ewige Stenz" gegeben, und wohl kaum jemand kann sich seitdem eine andere als Ruth Maria Kubitschek in der Rolle der Münchner Antiquitätenhändlerin vorstellen, die in den feinsten Kreisen verkehrt und doch einen alternden Schwerenöter aus einfachen Verhältnissen liebt.

Die arrogant sein kann und die diese Arroganz zugleich mit (Selbst-)Ironie bricht, gerade so viel, dass es reicht, die Schickeria in der Isar-Metropole ganz elegant zu derblecken. Eine Art natürlicher Adel kennzeichnet nicht nur die Rollen, sondern vielleicht auch das Wesen der Schauspielerin, die sich auch in schweren Zeiten ihre Unabhängigkeit (um nicht zu sagen Unnahbarkeit) bewahrt hat. Morgen wird Ruth Maria Kubitschek 75 Jahre alt - und längst prägt nicht mehr die Schauspielerei allein ihre Biografie.

"Das Malen wurde für mich, nachdem ich den Weg als Schauspielerin gegangen war, eine Therapie, um mich nicht brechen zu lassen, um biegsam zu bleiben."

Ruth Maria Kubitschek

Von "blauem Blut" im "richtigen Leben" keine Spur. Die Tochter eines Bauern wuchs mit vier Geschwistern bei Komotau im heutigen Tschechien auf. Die Flucht aus der Heimat verschlug ihre Familie auf einen Hof in die Nähe von Köthen (Sachsen-Anhalt). Dort trotzte die junge Frau ihrem Vater ein Versprechen ab. Hilft sie noch zwei Jahre im elterlichen Betrieb mit, darf sie anschließend - auch ohne Schulabschluss - eine Schauspielschule besuchen.

Der Ehrgeiz zahlte sich aus. Nach ihrem Debüt als Magd in Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" in Halle spielte sie in Schwerin und Ostberlin Theater, wirkte in mehreren DEFA-Filmen mit. Trotz sich abzeichnender Karriere blieb Kubitschek nach einem Gastspiel in Celle (Niedersachsen) im Jahr 1959 im Westen, wo sie sich schnell etablierte, Engagements in Hamburg und an den Münchner Kammerspielen (Shakespeares "Othello" in der Regie von Fritz Kortner) erhielt. Bereits 1961 hatte sie Kortner für seine Fernsehadaption von Aristophanes' "Lysistrata" vor die Kamera geholt, ein Jahr später war sie neben Heinz Rühmann in der Kriminalklamotte "Er kann's nicht lassen" zu sehen.

Einem großen Publikum bekannt wurde die Schauspielerin aber erst fünf Jahre später - paradoxerweise als "schöne Leiche" in dem Fernsehdreiteiler "Melissa" von Francis Durbridge. Bis heute sieht sie die plötzliche Popularität, die sie auf das Genre des Krimis festlegte, kritisch: "Es war ein Tiefschlag. Ich verlor viele gute Rollen. Es waren die schwersten Jahre meines Lebens."

Kubitschek blieb im immer wichtiger werdenden Medium Fernsehen dennoch gefragt, spielte in Reihen wie "Tatort", "Dem Täter auf der Spur" oder "Der Kommissar" sowie - einmal gegen den Strich besetzt - in dem Mehrteiler "Die Powenzbande" (1973). Doch erst mit Dietl gelang in den Achtzigerjahren der Sprung in die erste Reihe - und zugleich die Festlegung auf Aristokratinnen und "reife Schönheiten". Legendär ihre Rolle der Verlegerin Friederike von Unruh in "Kir Royal" (1986) und die der Unternehmerin Margot Balbeck in "Das Erbe der Guldenburgs" (1987-1990). Auch viele ihrer Figuren in jüngeren und jüngsten Produktionen schreiben sich "von", etwa die der Hotelbesitzerin in der Reihe "Traumhotels" oder die der Mutter eines adeligen Hobbykriminalers in "Prinz und Paparazzi" (2005). Was Kubitschek über Engagements wie diese denkt, lässt sich am Lob der beiden Dietl-Geniestreiche ablesen: "Serien wie diese gibt es leider nicht mehr."

Bald nach den Highlights kam die Krise. "Mein Beruf hat mir auf einmal keinen Spaß mehr gemacht", erinnert sie sich. "Innerhalb von acht Tagen habe ich in München alles verkauft." Die damals 60-Jährige zog sich in das kleine Dorf Fruthwilen in der Schweiz zurück, begann zu malen, sich um ihren Garten zu kümmern und zu meditieren. "Das Malen wurde für mich, nachdem ich den Weg als Schauspielerin gegangen war, eine Therapie, um mich nicht brechen zu lassen, um biegsam zu bleiben", erläutert sie ihren Wechsel zur bildenden Kunst.

Als Autorin machte sich Ruth Maria Kubitschek, die aus ihrer Ehe mit dem Regisseur Götz Friedrich einen Sohn hat und seit mehr als 30 Jahren eine "Fernbeziehung" mit dem "Traumschiff"-Produzenten Wolfgang Rademann führt, ebenfalls einen Namen. "Immer verbunden mit den Sternen" lautet der esoterisch anmutende Titel ihres Erstlings, dem sogar der "Spiegel" eine "unerwartete Tiefe" bescheinigte. Nach mehreren Märchenbüchern erschien im Jahr 2004 ihr Roman "Das Wunder der Liebe". Soeben kam ihr neuestes Werk, "Der indische Ring" (Nymphenburger Verlag, 19,90 Euro), auf den Markt.

Dass "Das Wunder der Liebe" sie selbst wieder vor die Kamera führen würde, hatte die Schauspielerin wohl nicht geahnt, als sich Produzentin Regina Ziegler die Filmrechte sicherte. Für die weibliche Hauptfigur hätten andere Darstellerinnen zur Diskussion gestanden, "aber Regina Ziegler und die Degeto (ARD-Filmtochter, Red.) fanden es besser, wenn ich diese Rolle selbst spiele", so Kubitschek. Sie wird die Romanheldin Elisabeth, die nach dem Verlust des Partners ein neues Leben beginnt, wohl wieder mit jener speziellen Mischung aus Noblesse, Leidenschaft und Ironie spielen, die sie am besten beherrscht.

Aus Anlass des Geburtstags von Ruth Maria Kubitschek zeigt das Bayerische Fernsehen morgen um 21.45 Uhr die Komödie "Wunschkinder und andere Zufälle" (2003).

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