"Eine Weile halte ich das noch durch"

- Moderatorin und Autorin Elke Heidenreich über ihre Sendung "Lesen!", die sie seit fünf Jahren im ZDF präsentiert.

Kultur im Fernsehen hat es schwer - das musste zuletzt sogar Elke Heidenreich erfahren. Ihre ZDF-Sendung "Lesen!", die vor fünf Jahren das legendäre "Literarische Quartett" mit Marcel Reich-Ranicki ersetzte, hat mit sinkenden Quoten zu kämpfen. In der Anfangszeit erreichte die 65-Jährige mit ihren energisch vorgetragenen Literaturtipps rund zwei Millionen Zuschauer, mittlerweile liegt die Zahl bei etwa einer Million. Heute um 22.30 Uhr läuft die letzte "Lesen!"-Ausgabe vor der Sommerpause. Zu Gast ist Entertainer Götz Alsmann.

Vor fünf Jahren startete "Lesen!" Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Die Sendung hat meine Erwartungen weit übertroffen. Ich wollte Menschen zum Schmökern bringen, die eben nicht die Kritiken in den Zeitungen lesen und sich in dem Wust von Neuerscheinungen nicht zurechtfinden, und das ist mir gelungen. Das merke ich an der Zuschauerpost und daran, dass fast alle Bücher, die ich bespreche, auf den Bestsellerlisten landen.

Die Zuschauerzahlen sind aber um die Hälfte zurückgegangen, seit "Lesen!" nicht mehr dienstags läuft.

Der neue Termin hat uns sehr geschadet. Ich hätte gerne wieder mehr Zuschauer, aber nun gibt es leider kein Zurück auf den Dienstag, weil da "Neues aus der Anstalt" läuft. Wir überlegen uns für 2009 etwas Neues, das ist aber noch nicht ganz ausgereift.

Und was ist an den Gerüchten dran, dass Sie aufhören wollen, weil Sie mit der Quote unzufrieden sind?

Diese Gerüchte sind dummes Zeug. Weder ist das ZDF mit mir unzufrieden noch ich mit dem ZDF, es ist alles in Ordnung. "Lesen!" geht auf jeden Fall weiter.

Manche Kritiker werfen Ihnen vor, Bücher allzu pauschal und undifferenziert zu beurteilen . . .

Die Sendung sollte nie klassische Literaturkritik machen, das haben manche immer noch nicht verstanden. Sie ist aber dennoch nicht trivial und seicht. Wir haben auch oft schwierige Bücher in der Sendung. Da sage ich den Leuten: Fürchtet euch nicht, versucht es einfach.

Sie wollen die Zuschauer mit der Sendung zum Lesen verführen - hat die Show Sie auch persönlich weitergebracht?

Sehr sogar. Ich lese viel mehr Bücher als früher und hebe da manche Schätze.

Kürzlich haben Sie Martin Walsers "Ein liebender Mann" empfohlen, obwohl Sie seine Werke zuletzt als "Altmännerliteratur" bezeichnet haben und er Sie dafür scharf kritisiert hat. Da mussten Sie wohl ganz schön über Ihren Schatten springen...

Da haben alle gestaunt. Aber warum soll ich nicht ein Buch empfehlen, wenn es schön ist, auch wenn ich vorher von dem Autor mal was nicht schön fand? Das habe ich von Marcel Reich-Ranicki gelernt, dass man mit Leidenschaft an die Bücher rangehen muss, statt zu sagen: Den Autor mag ich nicht, den boykottiere ich.

Haben Sie Kontakt zu Marcel Reich-Ranicki?

Ja klar, ich frage ihn oft um Rat. Wir reden über Bücher, wir telefonieren sehr häufig, er ist mir ein wichtiger Lehrer und Ratgeber. Er sagt zwar manchmal in Interviews, ich hätte keine Ahnung von Literatur - aber ein bisschen Krach gibt es mit ihm eben immer. Ich weiß, dass er mich schätzt, und ich schätze ihn auch.

Reich-Ranicki hat mit 80 Jahren noch das "Literarische Quartett" moderiert. Könnten Sie sich vorstellen, mit "Lesen!" auch so lange durchzuhalten?

Nein, denn ich habe vor lauter Lesen gar kein Leben mehr seit dem Start vor fünf Jahren. Ich stelle pro Ausgabe fünf, sechs Bücher vor, aber ich muss mindestens 40, 50 Bücher lesen, um eine gewisse Auswahl zu haben. Ich lese von morgens bis abends und die halben Nächte durch, ich komme selber gar nicht mehr zum Schreiben. Das Kreative liegt brach. Eine Weile halte ich das schon noch durch, aber nicht ewig. Ich sehe aber auch kein Problem, dass die Sendung, die ich für wichtig und nötig halte, irgendwann ohne mich weitergeht. Wenn ich sie mal nicht mehr mache, könnte auch jemand anderes sie übernehmen.

Folgende Bücher werden in der Sendung vorgestellt:

Franz Kafka: "Das Schloss" (Hörbuch, gelesen von Ulrich Matthes); Klaus Wagenbach (Herausgeber): "Franz Kafka - Bilder aus seinem Leben"; Tom Reiss: "Der Orientalist"; Joyce Carol Oates: "Du fehlst"; Margaret Atwood: "Moralische Unordnung"; Iwan Turgenjew: "Aufzeichnungen eines Jägers"; William Faulkner: "Licht im August"; Andreas Beurmann: "Das Buch vom Klavier"; Matthias Politycki: "In 180 Tagen um die Welt".

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