Mit einem Augenzwinkern

- Wenn jemand wissen muss, wie man einen ordentlichen Popsong schreibt, dann Jane Comerford. Schließlich unterrichtet die gebürtige Australierin Gesang und Komposition an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Geschrieben hat Comerford auch das Lied "No No Never", mit dem sie und ihre Country-Band "Texas Lightning" für Deutschland zum Eurovision Song Contest nach Athen fahren. Mit von der Land-Partie sind am 20. Mai Komiker Olli Dittrich und sein Fernseh-Partner Jon Flemming Olsen.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie und eine Country-Band auserkoren werden?

Jane Comerford: Nie. Ich glaube, das hat man mir beim Vorentscheid auch angesehen. Einfach, weil die Presse davor so massiv für die anderen war und man nicht wusste, ob die Menschen Country mögen. Ich hab es auf der Bühne gar nicht begriffen. Mir war noch Tage danach wirklich schwindelig.

Was gefällt Ihnen an Country-Musik?

Comerford: Ich komme aus einer Familie von Viehzüchtern. Mein Vater war Viehauktionator, mein Bruder hat eine riesige Ranch. Die ist so weitläufig, dass sie Hubschrauber benutzen müssen, um das Vieh zusammenzutreiben. Das ist ein Teil meiner Kindheit, diese Erinnerungen schwingen einfach mit in allem, was ich mache. Obwohl ich mich auch für viele andere musikalische Richtungen interessiere. Ich mag diese einfachen, von Herzen kommenden Geschichten.

Die Songauswahl auf Ihrer CD ist kurios. Zum Beispiel deuten Sie Rock-Klassiker wie "Highway to Hell" um. Steht das ganze Projekt am Ende doch in der Nachfolge von Skurrilitäten à` la Stefan Raab?

Comerford: Ganz und gar nicht, und ich meine, das hört man auch. Es kommt nicht so sehr darauf an, was man macht, sondern wie man es macht. Dass man die Musik respektiert, auch "Highway to Hell" als Stück Musikgeschichte. Dies jetzt so viele Jahre später als langsamen Blues zu covern - ich glaube die Jungs von AC/ DC würden das klasse finden. Das Original hat ja auch ein Augenzwinkern.

Und wenn Sie nicht gerade Deutschland beim Grand Prix vertreten, lehren Sie an der Hochschule.

Comerford: Das mache ich seit 20 Jahren. Es nennt sich "Pop-Kurs - Kontaktstudiengang Popularmusik". Zwei Kurse im Jahr, jeweils drei Wochen. Es war Pionierarbeit, an einer Hochschule in Deutschland überhaupt mit populärer Musik im Unterricht umzugehen. Viele bekannte Bands haben sich in dem Kurs gefunden oder hatten dort Unterricht. "Wir sind Helden" haben sich bei uns formiert. Drei Mitglieder von "Seeed", die heuer Stefan Raabs Bundesvision Song Contest gewonnen haben, waren im Kurs. Das Besondere ist: Es geht um Kreativität, nicht ums Nachspielen. Um Musik als Lebensweg, nicht um Popstar werden auf Teufel komm' raus.

Kurz vor Ihnen ist Olli Dittrich zur Band gestoßen. Haben Sie nicht Angst, dass man die Band nur als seine Combo wahrnimmt?

Comerford: Ich habe überhaupt keine Angst. Ich finde es toll, dass ich einen Typen an der Seite habe, dem in jedem Interview etwas unglaublich Witziges einfällt, auch in Momenten, in denen man selber müde oder ausgebrannt ist. Wir können froh sein, dass wir ein Zugpferd haben, und noch dazu eines, das so gut Schlagzeug spielt und menschlich so in Ordnung ist.

Was erwarten Sie vom Grand Prix? Glauben Sie, dass Country aus Deutschland dort überhaupt eine Chance hat?

Comerford: Ich habe keine Ahnung. Man kann versuchen, sich einen Reim darauf zu machen, was bislang erfolgreich war und was vielleicht in Zukunft folgt. Man weiß nicht, ob die Leute sich am Herzen packen lassen oder ob sie auf deftigeren Krach stehen. Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir unseren Song lieben. Alles andere ist den Zuschauern überlassen.

Und wie kommen Sie mit dem ganzen Stress zurecht, der jetzt über Sie hereinbricht?

Comerford: Gut, denn ich weiß ihn zu schätzen. Ich weiß, wie schwer es ist, überhaupt an die Öffentlichkeit zu gelangen. Jetzt habe ich das gefälligst auch durchzuziehen (lacht). Leider fällt dieser Erfolg zusammen mit meiner Arbeit an der Hochschule. Ich kann die Studenten ja nicht im Stich lassen.

Was sagen die zum Erfolg?

Comerford: Der Song Contest ist natürlich nicht jedermanns Geschmack. Andere stehen nicht unbedingt auf Country. Aber alle freuen sich für mich. Die sehen einfach, wie glücklich ich bin.

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