Einschalten, umschalten, abschalten

München - Wer kam, wer ging, was wurde zum großen Erfolg, was hat man schon vergessen? Ein ­ nicht ganz ernst gemeinter ­ Rückblick auf die Namen und Ereignisse des Jahres in der deutschen Fernsehlandschaft.

A wie "Aufstand der Alten" ­- der Dreiteiler des ZDF wurde auch als "Demografie-Krimi" angekündigt und erzählte, wie der Alltag in einer überalterten Gesellschaft im Jahr 2030 aussehen könnte. Die dramatische Darstellung der Lebensumstände von Senioren sorgte aber auch für heftige Kritik.

B wie "Bauer sucht Frau" ­- neun einsamen Landwirten wollte RTL zu Partnerinnen verhelfen. Die Zuschauerquote war sensationell, doch nur bei zwei Kandidaten bissen die Mädels an. Da muss es beim Casting ein Missverständnis gegeben haben. Eine Bäuerin in spe schien beim ersten Gang in den Stall überrascht, dass Kühe kein WC benutzen.

C wie Christiansen, Sabine -­ das Ersatzparlament ist geschlossen, Politiker wie Guido Westerwelle müssen sich wohl oder übel wieder mehr im Reichstag oder in ihren Abgeordnetenbüros aufhalten.

C wie Cicero, Roger ­- einmal muss es doch klappen, dachte sich die ARD, als sie die Zuschauer aus nur noch drei Kandidaten auswählen ließ und Sieger Cicero mit dem Titel "Frauen regier'n die Welt" zum Eurovision Song Contest nach Helsinki schickte. Es klappte aber wieder nicht ­ Platz 19.

D wie "Dahoam is dahoam" -­ wenn schon eine Daily, dann eine mit native Speakers, dachten sich die Thinktanks in Munich. Doch das Bairisch der neuen Serie, die der BR ins Programm hob, ist bei den meisten Darstellern so echt wie das Dorf Lansing, das zu Recht auf keiner Landkarte zu finden ist.

E wie Erwin Pelzig -­ die Kunstfigur des fränkischen Kabarettisten Frank-Markus Barwasser hat eine eigene Talkshow. Obwohl "Pelzig unterhält sich" schon seit fast zehn Jahren im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird und längst Kult ist, hat die ARD erst im vergangenen Oktober die Qualität des Formats und seines Gastgebers erkannt ­ und einen Sendeplatz freigeräumt.

F wie Furtwängler, Maria ­- die Schauspielerin prägte das preisgekrönte Fernsehereignis, den ARD-Zweiteiler "Die Flucht". Regisseur Kai Wessel erzählte davon, wie Hundertausende Menschen im Januar 1945 aus Ostpreußen vor der nahenden Front flohen.

G wie Gottschalk, Thomas -­ noch immer ist der große Blonde mit "Wetten, dass...?" im ZDF der Quotenkönig am Samstagabend, doch die Qualität der Show schwankt stark.

H wie Herman, Eva ­- die Journalistin und Autorin fand einiges ganz gut bei den Nazis, beispielsweise deren Familienpolitik. Das fand wiederum der NDR nicht gut und schickte die 49-Jährige in die Wüste. Später war Herman zu Gast bei Johannes B. Kerner im ZDF ­ und flog erneut raus. Möglicherweise bevor sie erläutern konnte, wie wir den Krieg doch noch gewonnen hätten.

I wie Information -­ an selbiger hat der Privatsender Sat.1 in diesem Jahr massiv gespart. In der Folge ging Thomas Kausch, bis dato der Peter Klöppel von Sat.1, über Arte zur ARD, wo er nun versucht, das "Geheimnis Geschichte" zu ergründen.

J wie Jauch, Günther -­ kam doch nicht zur ARD, in der er sich bei den Verhandlungen um einen Polittalk am Sonntagabend "zunehmend umzingelt" sah von "Gremien voller Gremlins". Stattdessen präsentiert er bei RTL nun weiter hochwertige Informationsprogramme wie "Wer wird Millionär?" und "Sechs! Setzen!"

K wie Kleber, Claus ­- hätte Stefan Aust als Chefredakteur beim "Spiegel" beerben sollen, blieb dann aber nach einiger Bedenkzeit doch dem Medium Fernsehen treu und moderiert daher auch im nächsten Jahr das "heute-journal" im ZDF.

L wie "Lindenstraße" ­- die ARD-Dauerserie darf bis mindestens 2011 weiterlaufen. Und wenn Mutter Beimer durchhält, ist auch der hundertste Geburtstag des Formats im Jahr 2085 keine Hexerei.

M wie Miosga, Caren ­- die Neue bei den "Tagesthemen" macht sich gut und präsentiert die Nachrichtensendung ruhig und konzentriert.

N wie "Neues aus der Anstalt" -­ Urban Priol und ARD-Überläufer Georg Schramm gelang mit ihrer frisch-frechen ZDF-Satiresendung ein Einstand nach Maß. Seitdem wirkt das Konkurrenzprodukt "Scheibenwischer", als müssten dringend die Wischblätter gewechselt oder wenigstens Wischwasser nachgefüllt werden.

P wie Plasberg, Frank ­- der vom Dritten ins Erste beförderte "hart aber fair"-Moderator gefällt sich mal als Dompteur und mal als strenger Lehrer seiner Gäste. Als Letzterer reibt er den "Schülern" gern die miserablen Noten aus früheren Legislaturperioden unter die Nase.

P wie Pocher, Oliver ­- kaum ist der Kleine in der Pubertät, darf er mit seinem großen Idol Harald Schmidt gemeinsam eine Sendung machen. Der eine für die Intellektuellen, der andere fürs Volk, dachte man sich bei der ARD. Nach diesem Muster könnte man auch Wein und Bier zusammenschütten und glauben, man habe das perfekte Getränk kreiert.

Q wie Quote ­- auch 2007 das Maß aller Dinge.

R wie Ruge, Nina ­- moderierte im Februar nach zehn Jahren zum letzten Mal die ZDF-Sendung "Leute heute" und schuf ein geflügeltes Wort: "Alles wird gut". Ihr folgte Karen Webb nach.

S wie Schimpf, Rolf -­ mit 83 könne man nicht mehr als 65-Jähriger durchgehen, flehte der Schauspieler Produzent Helmut Ringelmann (81) an. Der hatte Erbarmen, verabschiedete den alten "Alten" (ZDF) in den wohlverdienten Ruhestand und besetzte die Rolle mit Nachwuchsdarsteller Walter Kreye (65).

T wie "Tour de France" -­ lief in Deutschland heuer unter weitgehendem Ausschluss der (TV-)Öffentlichkeit. Nach einem neuen Dopingfall entschlossen sich ARD und ZDF, die Live-Übertragung abzubrechen. Wenige Jahre zuvor hatte die ARD Tour-Star Jan Ullrich noch mit Finanzspritzen zum Dank für Exklusivinterviews versorgt.

U wie Ulmen, Christian -­ spielt die Titelrolle in der Krimi-Comedy-Serie "Dr. Psycho", mit der ProSieben im März bewies, dass Privatsender auch Qualität liefern können. Die zweite Staffel folgt 2008. Endlich.

V wie Volksmusik -­ ist, ebenso wie der deutsche Schlager, plötzlich schlecht fürs Image des ZDF, jedenfalls von Montag bis Freitag. Deswegen trennte sich der Sender von diversen Moderatoren, unter anderen Marianne und Michael (Hartl) und Dieter Thomas Heck. Schatzilein, musst nicht traurig sein!

W wie Will, Anne -­ die Ex- "Tagesthemen"-Moderatorin zeigt in ihrer neuen Sendung, wie man einen Polittalk auch moderieren kann, nämlich charmant und trotzdem entschlossen, keine Phrasen zuzulassen. Außerdem kommen hier auch im wahrsten Sinn des Wortes von politischen Entscheidungen Betroffene zu Wort.

X,Y wie "XY ­ ungelöst" ­- der ZDF-Dauerbrenner feierte heuer 40. Geburtstag und muss noch lange im Programm bleiben, sonst ist diese Chronik unvollständig.

Z wie Zwerchfell -­ das heuer immer dann hart rangenommen wurde, wenn Hape Kerkeling auf dem Bildschirm zu sehen war. Leider pausiert er im nächsten Jahr.

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