"Da bin ich zu emanzipiert"

München - Dennenesch Zoudé (41) ist die meistbeschäftigte schwarze Schauspielerin in Deutschland - nicht nur in der Rolle als Ausländerin. Auch in der Simmel-Verfilmung "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (ZDF, morgen, 20.15 Uhr) spielt die gebürtige Äthiopierin eine Deutsche.

Zoudé kam als Eineinhalbjährige mit ihren Eltern nach Berlin. Nach dem Studium zur Wirtschaftskorrespondentin studierte sie Schauspiel in New York.

-In "Jimmy ging zum Regenbogen" sind Sie eine Berlinerin namens Irene Waldeck. Klang Ihr Rollenname je deutscher?

Mal sind die Namen deutscher, mal weniger deutsch. Es geht mir letztlich um die Figur und nicht um den Namen. Aber stimmt schon: Ich trage oft Namen wie Ute oder Ulrike, die wirklich zu deutsch klingen. Dann doch lieber Sarah, das klingt offener.

-Thematisiert der Simmel-Film ihre Hautfarbe?

Sie spielt höchstens eine untergeordnete Rolle und unterstützt seine Modernität. Dunkelhäutige Rollen haben natürlich nicht immer mit Rassismus zu tun, aber dieser Film handelt vom Dritten Reich, von Faschismus und Familiengeheimnissen, die Irene Waldeck und Manuel Aranda auch im Roman von Johannes Mario Simmel aufdecken.

-Ansonsten werden ausländisch aussehende Schauspieler als Ausländer besetzt.

Das begegnet mir oft, aber ich habe immer deutlich gemacht, dass mich diese Ebene nicht interessiert. Ich möchte einem Menschen als solchem begegnen, nicht als Frau oder Mann, alt oder jung, schwarz oder weiß. Ich will Figuren mit einem Leben darstellen, nicht mit einer Form. In Filmen wie "Eine unmögliche Hochzeit" habe ich eine Asylantin gespielt, aber ebenso oft Kommissarinnen oder Ärztinnen.

-Hat sich das Fernsehen aus dem Vorurteilskorsett früherer Jahre befreit?

Da hat sich was verändert, aber es könnte noch selbstverständlicher werden. Die unvoreingenommene Besetzung einer Schwarzen als Schauspielerin, ohne zu diskutieren, wäre wirklich schön.

-Bisschen pessimistisch?

Nein, sonst könnte ich den Kopf in den Sand stecken. Ich glaube fest daran.

-Sie haben erst vor drei Jahren in der WDR-Sendung "Zimmer frei" gefordert, "nicht nur auf Hautfarbe oder exotisches Aussehen reduziert zu werden, sondern auf sich selbst".

Das war ein grundsätzliches Plädoyer. Meine Rolle in der Serie "Gegen den Wind" war zutiefst weiß! Aber mir ist die Problematik bewusst, weil viele Kollegen ausländischer Herkunft mit der Festlegung hadern. Ich hadere nicht, ich gehe nach vorn und sag's den Leuten ins Gesicht, bevor sie glauben, mir keine normale Rolle anbieten zu können.

-Sie wurden in Äthiopien geboren, haben aber fast Ihr gesamtes Leben in Berlin verbracht - gibt es noch Bezüge zu Afrika?

Ja! Familiäre vor allem. Ich fahre in Abständen hin, 2003 war ich zuletzt in Addis Abeba, vor zwei Jahren habe ich aus humanitären Gründen andere Länder Afrikas bereist. Es ist ein wunderschöner, großartiger, bereichernder Kontinent, wo man aufs Menschsein zurückgeworfen wird, weil man durch seine unfassbare Größe erst merkt, wie klein man ist.

-Aus deutscher Sicht gibt es zwei Afrikas: einen Krisenherd und einen exotischen Fluchtort.

Da stimme ich voll zu und finde das besonders in Fernsehfilmen furchtbar traurig, weil keine Geschichte der Landsleute erzählt wird, sondern eine deutsche in fremder Kulisse mit servilen Afrikanern als Statisten. Solche Rollen wurden mir angeboten, aber dafür bin ich zu emanzipiert.

-Dennoch haben Sie in "Traumhotel" mitgespielt, einer Serie ohne Tiefgang.

Aber als Umweltschützerin, die sich für artgerechte Tierhaltung und die Bevölkerung vor Ort einsetzt. Es handelt sich nicht um eine leichte Liebesstory - was völlig legitim wäre. Aber bitte ohne mich!

-Wenn man sich Ihre sonstigen Arbeiten anschaut, haben Sie kaum Berührungsängste mit leichter Kost.

Das war eine Phase. Das wird sich ändern. Es gibt ein breites Publikum für leichte Kost. Man baut sich ja einen Lebensstandard auf, und mir ist lieber, ich arbeite dort, als arbeitslos zu sein.

-Aber musste es denn gleich die brachiale RTL-Actionserie "Cobra 11" sein?

Ich hab mich gefreut, eine Interpol-Agentin spielen zu dürfen, mit Stunts, Action und körperlichem Agieren. Irgendetwas muss mich an einer Rolle faszinieren, sei es, dass ich sie politisch vertreten kann wie im "Traumhotel", sei es die Explosionen im Rücken. Da freue ich mich über die Bilder. Und dann krieg ich das auch noch bezahlt. Großartig.

Das Gespräch führte Jan Freitag

Die erste Verfilmung von 1971

Bereits 1971 hat Alfred Vohrer den Roman "Und Jimmy ging zum Regenbogen" von Johannes Mario Simmel verfilmt. Das Buch handelt von einem argentinischen Chemiker, Rodolpho Aranda, der von einer Buchhändlerin Valerie Steinfeld vergiftet wird. Dessen Sohn, Manuel Aranda, versucht mit der Polizistin Irene Waldeck die Hintergründe des Mordes an seinem Vater aufzuklären. Dabei erfährt er, dass sein Vater in die geheimdienstliche Tätigkeiten der damaligen Supermächte verwickelt und bekennender Nazi war.

Gedreht wurde der Film 1970 in Wien und München. Uraufführung war am 12. März 1971 in Hamburg. Der Film ist 1972 mit der "Goldenen Leinwand" für mehr als drei Millionen Besucher ausgezeichnet worden.

Hauptdarsteller war Alain Noury - bis dahin kaum bekannt, brachte ihm die Rolle viele Sympathien ein. Zum großen Durchbruch reichte es aber nicht. Die Schauspielerin Judy Winter - sie spielte Nora Hill - war damals 25 Jahre alt. Der Maskenbildner musste sie für den Film um rund 50 Jahre "altern" lassen. Sie spielt in der Neuverfilmung wieder mit - ebenfalls als Nora Hill.

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