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Emma Thompson spricht im Interview über ihren neuen Film, Kindererziehung, berufstätige Mütter und den Mut zur Hässlichkeit.

Emma Thompson: "Schulen sind Gefängnisse"

München - Emma Thompson spricht im Interview über ihren neuen Film, Kindererziehung, berufstätige Mütter und den Mut zur Hässlichkeit.

Emma Thompson wirkt mit ihren 50 Jahren erstaunlich jugendlich. Während sie für ihren neuen Film „Eine zauberhafte Nanny 2“ wirbt, für den sie das Drehbuch geschrieben hat, erweist sie sich als klug, witzig und charmant. Und das so sehr, dass man nach dem Interview kurz davor ist, ihr einen Antrag zu machen.

In Ihrem Film geht es Regeln, die Kinder befolgen sollen. Waren Sie selbst ein artiges Mädchen?

Ja, das war ich. Ich war sehr folgsam. Ich war die Älteste, also hatte ich ein – wie soll man sagen – ein überentwickeltes Verantwortungsbewusstsein. Mein Vater war sehr krank und starb schon mit 51 an Herzversagen. Es war eine Kindheit, die von Angst geprägt war. Wegen seines schwachen Herzens musste er immer geschont werden. Es ging bei uns zuhause immer sehr ruhig zu. Aus Rücksicht auf ihn habe ich nie meine Gefühle ausgelebt. Ich habe immer noch Probleme damit.

Dabei gelten Sie als ausgesprochen selbstironisch und scharfzüngig. Nun, Selbstironie ist der allerletzte Schutzschild, der einem bleibt, nicht wahr?

Ich schütze mich damit vor den Pfeilen des Schicksals. Man macht einen miesen Witz über sich selbst, bevor es jemand anderem gelingt. Manchmal will man andere aber auch nur zum Lachen bringen. Das war meine große Motivation, Schauspielerin zu werden. Ich wollte komisch sein, anderen gefallen.

„Eine zauberhafte Nanny 2“ wird als Kinderfilm beworben, dabei geht es eigentlich eher um die Erwachsenen.

Klar, so ist es. Eine sehr enge Freundin von mir ist Kinderpsychologin und sie erzählt mir oft von ihren Fällen. Und sie sagt immer: „Das Problemkind ist nie das Problem. Das Problem sind die Eltern. Oder gelegentlich die Lehrer.“ Die Herausforderung liegt darin, mit dem Kind zu reden und die Erwachsenen zu therapieren. Es liegt nie an den Kindern, es liegt an uns, den Erwachsenen. Die Lektionen der Nanny im Film richten sich auch an die Erwachsenen.

Kinder und Erziehung sind hierzulande längst eine monströser Fetisch – ist das in Großbritannien auch so?

Oh ja. Die Welt hat sich völlig verändert, es herrscht ein riesiges Durcheinander. Einfach weil wir zu einfallslos sind, was Arbeit angeht. Man hat den Frauen den Zugang zur Arbeitswelt ermöglicht. Aber niemand hat durchdacht, was das für die Familienstrukturen bedeutet. Wie kann man arbeiten und Kinder groß ziehen? Das wurde nie ernsthaft diskutiert. Denn die Konsequenz ist doch, dass sich die Arbeitswelt ändern muss, nicht unsere Leben. Es ist doch so, dass Frauen sich verrückt machen, wie sie sich am besten um ihre Familie kümmern und gleichzeitig voll berufstätig sein können. Die Antwort ist: Es ist unmöglich! Also müssen wir die Arbeitsprozesse ändern. Das kann doch nicht so schwer sein. Anstatt das Leben der Familien umzubauen, muss man die Produktion umbauen.

Wie lösen Sie das Dilemma?

Ich bleibe zuhause. Ich habe das Glück, mit Schreiben mein Geld verdienen zu können. Ich stehe auf, mache Frühstück, fahre meine Töchter zur Schule, schreibe, hole sie wieder von der Schule ab – immer in Eile, wie es eben so ist. Die Schule – noch so ein Unding! Das ist Unfug. Primitiv. Es sind Gefängnisse. In 100 Jahren werden die Menschen entsetzt darüber sein, was wir unseren Kindern angetan haben. So ähnlich, wie wir heute über Zahnheilkunde im Mittelalter denken. Lachen Sie nicht, so wird es kommen – wenn die Menschheit die nächsten 100 Jahre überlebt. Aber wir wollen optimistisch sein.

Bei „Zauberhafte Nanny“ sind Sie wieder vor der Kamera zu sehen.

Ja, ab und zu schaffe ich es, und es gibt mir einen Kick, mal wieder Schauspielerin sein zu können. Es waren Schulferien, und meine ältere Tochter hat am Filmset als Assistentin gearbeitet, wir waren also zusammen.

Sie haben „Zauberhafte Nanny“ als eine Art Western bezeichnet. Weshalb?

Nun, während einer Interviewtour muss man ständig über den Film reden, und dabei fiel mir irgendwann auf, dass „Zauberhafte Nanny“ mich an die Western erinnerte, die ich als Kind gemeinsam mit meinem Vater gesehen habe. Die Nanny ist wie Clint Eastwood. Die Fremde, die irgendwo auftaucht, in Schwierigkeiten gerät und entweder das Problem löst oder sterben muss. Und dann verschwindet sie wieder.

Sie werden als Nanny ziemlich hässlich hergerichtet. Wie ist das, wenn man sich jeden Morgen so im Spiegel sieht?

Nun, nach einigen Wochen beginnt man ein klein wenig depressiv zu werden. Nein – ich habe viele furchtbare Schwächen, aber Eitelkeit gehört nicht dazu. Es war kein Problem. Natürlich sehe ich gern gut aus, aber ich trage privat keine Schminke, und aus Mode mache ich mir auch nichts. Am liebsten würde ich das immer so halten, aber das ist in meinem Beruf nicht drin. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auf all das verzichten. Außer in dem Moment, als Ewan McGregor am Drehort aufgetaucht ist. Alle Frauen waren hysterisch und manche Männer auch. Und ich stand da, aufgemacht wie eine Vogelscheuche. Keine Chance zum Flirten.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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