Entspanntes Verhältnis zum Schwergewicht

Bad Tölz - In der neuesten Episode des "Bullen von Tölz" spielt Ottfried Fischer an der Seite einer Bärin.

Hoch schlugen die Wogen, als vor knapp zwei Jahren, am 26. Juni 2006, "Problembär" Bruno unweit des Spitzingsees (Landkreis Miesbach) mit gezielten Schüssen in die ewigen Jagdgründe geschickt wurde.

Es entbrannte ein wochenlanger Streit darüber, ob der von den bayerischen Behörden verfügte Abschuss des Raubtiers gerechtfertigt war und ob von ihm tatsächlich eine konkrete Gefahr auch für Leib und Leben von Menschen ausging. Ein nach Oberbayern eingewanderter Braunbär spielt nun auch eine gewichtige Rolle in der neuesten Folge der Sat.1-Krimireihe "Der Bulle von Tölz" mit Ottfried Fischer, zu sehen heute um 21.15 Uhr Und auch hier wird das Tier zum Politikum.

In "Bulle und Bär" geht es allerdings nicht um Schafe und Hühner, die Meister Petz erlegt haben soll, sondern - pikantes Detail des Drehbuchs - ausgerechnet um einen Jäger, der in seinem Revier tot aufgefunden wird. Die Obduktion ergibt, dass ihm die tödlichen Verletzungen von einem Bären beigebracht wurden. Die Jäger, unter ihnen auch der Staatsanwalt, rüsten zur Hatz auf den mutmaßlichen Täter, auf der anderen Seite formieren sich die Tierschützer. Kommissar Benno Berghammer steht der Bärentheorie von Anfang an skeptisch gegenüber. Er vermutet einen Mord aus Eifersucht und ermittelt im persönlichen Umfeld des Toten. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Bei den Dreharbeiten im Juli vergangenen Jahres gehörte zum Team um Regisseur Wolfgang F. Henschel eine besondere Nebendarstellerin - die sechsjährige Bärendame Hera, eine von neun Braunbären, die zusammen mit ihrem "Bärenvater" Dieter Kraml im niedersächsischen Alfeld leben. Insgesamt vier (Dreh-)Tage stand Hera vor der Kamera, die Aufnahmen, die das Tier in freier Wildbahn zeigen, entstanden ausschließlich jenseits der Grenze, in Tirol.

Kraml kann im Gespräch mit unserer Zeitung von brenzligen Zwischenfällen nichts berichten: "Das Tier ist ein absoluter Profi." Auch Hauptdarsteller Fischer habe ein ganz entspanntes Verhältnis zur schwergewichtigen Mitspielerin entwickelt. In einer Szene, in der Benno in ein Bärenfell gehüllt Hera gegenübertritt, hat allerdings Kraml den Star gedoubelt. "Ich musste noch mehrere Kissen mit hineinstopfen", erinnert er sich.

Der 58-Jährige ist einer der renommiertesten deutschen Tiertrainer, dessen Schützlinge bereits in Jean-Jacques Annauds vielfach ausgezeichnetem Epos "Der Bär" aus dem Jahr 1980 zu sehen waren. Daheim in Alfeld betreut Kraml seit einiger Zeit gefährdete Jugendliche, die in seinem "Umweltpark" ihre Sozialstunden ableisten.

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