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Andreas (Robert Atzorn) küsst Konstanze (Tatjana Alexander). Davor aß der Mörder Erdnüsse, da seine Frau an einer Allergie leidet

Erdnuss-Mord im München-"Tatort": Gibt es den tödlichen Kuss?

München - Fast zehn Millionen sahen am Sonntag den Erdnuss-Mord im München-"Tatort". Doch ist so ein tödlicher Kuss realistisch? Und was ist dran an Botox-Parties?

Der letzte Kuss – zum Sterben schön: Der Mörder beugt sich zu der ahnungslosen Frau in der Badewanne hinunter, drückt zärtlich seinen Mund auf ihre Lippen und geht. Kurz darauf fängt das Opfer zu japsen an, bekommt keine Luft mehr, bis es jämmerlich erstickt. Das alternde Männermodel Andreas (Robert Atzorn) wusste von der schweren Erdnussallergie seiner Frau Konstanze (Tatjana Alexander) und hatte sich vor dem Kuss noch den Mund vollgestopft, um einen tödlichen Schock auszulösen …

Unsterblich schön: 9,83 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntag diese Szene im Münchner Tatort. Das ist die beste Quote für die bayerischen Ermittler seit dem Jahr 2000. Die Zuschauer rätselten mit Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl), wer Spa-Besitzerin Konstanze umgebracht hat – und ob die Drehbuchautoren bei der Wahl der Mordwaffe ihrer Fantasie freien Lauf gelassen haben. Die tz wollte wissen: Reicht ein Kuss, um einen tödlichen Allergieschock auszulösen? Professor Bernhard Przybilla, Leitender Oberarzt der Hautklinik der Ludwig-Maximiliams-Universität und zuständig für die Allergologie, bestätigt: „Ja, das ist möglich – aber eine sichere Mordwaffe ist das nicht.“

Gerade Erdnüsse zählen zu den sogenannten potenten Allergenen, auf die viele Betroffene schon bei geringen Dosen extrem reagieren. Manchmal reichen unvorstellbar kleine Mengen aus, etwa ein Milligramm. „Es kommt aber immer auf den Grad der Erkrankung an“, erklärt Przybilla. Nicht jeder Allergiker reagiert gleich: Bei Dosen, bei denen manche Patienten nur ein Jucken auf den Lippen spüren, kämpfen anderen schon gegen Übelkeit. Als Allergie-Experte hat Przybilla den Tatort am Sonntag besonders aufmerksam verfolgt. Insgesamt ist der Mediziner zufrieden. Konstanzes Tod „war gut dargestellt“.

Eva Hutter

Und was ist dran an Botox-Partys?

Botox-Partys wie im Tatort gezeigt, sind in Wirklichkeit weder legal noch weit verbreitet. Wie Regine Färber, Juristin beim Ärztlichen Kreis- und Bezirksverband München auf Nachfrage der tz erklärt, verbietet Paragraf 17 der Bayerischen Berufsordnung, dass ein Arzt medizinische Leistungen außerhalb seiner Praxis erbringt – sei es in einem Restaurant, einem Kosmetik-Institut oder im Garten einer Patienten. Ausgenommen sind Hausbesuche, wenn der Patient nicht in die Praxis gelangen kann.

Das war auch ein Grund, warum die Landesärztekammer 2009 eine einstweilige Verfügung gegen ein Münchner Luxuslokal erwirkte. In dessen ­Räumen sollte – in Zusammenarbeit mit einer Anti-Aging-Klinik – eine „After Work Botox Party“ stattfinden.

Ärzte dürfen zwar Informationsveranstaltungen über Botox abhalten. Jede Behandlung muss jedoch mit einer individuellen Beratung einhergehen – und zwar in einem separaten Raum: Behandlungen im Beisein anderer verstoßen gegen die ärztliche Schweigepflicht. Außerdem dürfen Ärzte bei Botox­-Behand­lungen nicht mit Sonderangeboten werben. Regine Färber: „Sie müssen sich auch hier an die Gebührenordnung halten.“ Die Juristin hält Botox-Partys in Deutschland für ein Randphänomen, kann Einzelfälle aber nicht ausschließen. Die Ärztekammern werden auf gesetzeswidrige Schönheitsbehandlungen erst durch Hinweise aufmerksam, meist von Medizinern oder ­Patienten. In einigen anderen Ländern sind Botox-Partys legal und alltäglich, besonders in den USA und in Spanien.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

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