Erfolgreich auch als schlanke Brünette...

- ...dabei hatte Vicco von Bülow alias Loriot doch einst eine pummelige Blonde für seine Sketche gesucht. Längst hat sich Evelyn Hamann von ihrem Entdecker emanzipiert. Heute wird die Schauspielerin mit den tausend Gesichtern 65 Jahre alt.

Bitte sagen Sie jetzt nichts..." - die berühmte Aufforderung, die Loriot im legendären Sketch an sie richtete, hat sich die Schauspielerin Evelyn Hamann auch im richtigen Leben zur Devise gemacht. Interviews gibt die zurückgezogen in Hamburg lebende Künstlerin höchst selten, Fragen nach ihrem Privatleben wehrt sie konsequent ab. Und an ihrem Geburtstag will sie möglichst jeglichen Trubel um ihre Person vermeiden.

Die Frau, die als perfekte Komödiantin und Verwandlungskünstlerin gilt, hat als die "bessere Hälfte" Loriots Fernsehgeschichte geschrieben. Der Altmeister der Komik entdeckte ihr Potenzial, an seiner Seite wurde Hamann einem Millionenpublikum bekannt. Unvergessen sind die Szenen des Paares aus den Siebzigerjahren. Im beliebten "Nudelsketch" starrt die Schauspielerin als Fräulein Hildegard gebannt und mit todernster Miene auf das Stück Pasta, das hartnäckig im Gesicht ihres Verehrers klebt. Kult geworden sind auch die Verführungsszene zwischen dem steifen Chef und der peniblen Sekretärin oder Frau Hoppenstedts Besuch in der Jodelschule. Ein Klassiker ist ihr Part als Fernsehansagerin, die - absurd ins Detail gehend - eine britische Serie ankündigt und immer wieder an den zungenbrecherischen Namen scheitert.

Die Liebe zum Detail, mit der Hamann jede ihrer Rollen angeht, ihre Präzision und glänzende Vorbereitung wird von Regisseuren und Schauspielkollegen ebenso bewundert wie ihre Wandlungsfähigkeit. "Ich finde es wahnsinnig interessant, sich zu verändern", sagte sie in einem ihrer seltenen Interviews. Sie spielt die unterschiedlichsten Charaktere - die Femme fatale ebenso wie die einfache Hausfrau, in (Melo-)Dramen ebenso wie in Komödien. "Jede Rolle hat ihre ernste und ihre komische Seite", meint die Künstlerin, die es als "unglaublich schöne Gabe" empfindet, in Menschen Gefühle auszulösen: "Ich fühle mich wirklich reich beschenkt. Ich habe einen wunderschönen Beruf."

Aufgewachsen in einer Musikerfamilie - die Mutter Sängerin, der Vater Konzertmeister des NDR-Sinfonieorchesters - ließ sich die Hamburgerin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in ihrer Heimatstadt ausbilden. Sie spielte Nebenrollen am Thaliatheater, stand in Göttingen, Heidelberg und Bremen auf der Bühne.

Als Loriot im Jahr 1976 bei Radio Bremen auf Hamann traf, war diese bereits eine anerkannte Theaterschauspielerin - und optisch ganz das Gegenteil seiner Traumbesetzung. Von Bülow schwebte der Typ einer kleinen, pummeligen, blonden Hausfrau vor, also setzte sich die große, schlanke, brünette Kandidatin zum Vorspielen eine Perücke auf. "Wenn Sie auf unsere Kosten mehrere Wochen täglich Schweinshaxen essen, meinen Sie, Sie werden dann fülliger?", fragte Loriot sie. Offensichtlich kam der Erfolg auch so.

Und damit zahlreiche Fernsehangebote. Die Darstellerin stand für Serien wie "Die Schwarzwaldklinik", "Das Traumschiff" und "Der Landarzt" vor der Kamera und stellte in Specials wie "Evelyn Hamanns Geschichten aus dem Leben" ihre Vielseitigkeit unter Beweis. Für die erfolgreiche ARD-Serie "Adelheid und ihre Mörder" schlüpfte sie in die Titelrolle einer kriminalistisch veranlagten Sekretärin, über deren Leben man im Film alles weiß. Das unterscheidet die Figur von der, die sie spielt. Privat bleibt Evelyn Hamann, die Frau, die jeder kennt, verschlossen.

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