Erfüllte Hoffnungen

- Der Halbfinal-Thriller der Fußball-WM zwischen Deutschland und Italien hat dem ZDF einen traumhaften Quotenrekord beschert. Ausgerechnet die bittere 0:2-Niederlage von WM-Gastgeber Deutschland geht als die meistgesehene Sendung in die deutsche Fernseh-Geschichte ein. Sagenhafte 29,66 Millionen Fans sahen im Durchschnitt das dramatische Spiel in den eigenen vier Wänden _ das ist der höchste jemals gemessene Zuschauerwert seit Beginn der Erfassung durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Jahr 1985.

In der Verlängerung, als die Italiener erst ihre beiden Tore erzielten, saßen am Dienstagabend sogar 31,31 Millionen Zuschauer gebannt vor dem Bildschirm. Der Marktanteil schnellte kurzzeitig auf 91,2 Prozent. Den bisherigen Zuschauerrekord hielt das WM-Finale von 1990 zwischen Deutschland und Argentinien. Es wurde von 28,66 Millionen Zuschauern allein in den alten Bundesländern verfolgt. Ein offizieller Wert aus den neuen Bundesländern lag damals mangels Messung nicht vor. Inoffiziell heißt es, es seien dort noch einmal rund sieben Millionen Fans gewesen. Die Höchstmarke nach der Vereinigung lag bei durchschnittlich 28,44 Millionen Zuschauern, erzielt beim EM-Finale 1996 zwischen Deutschland und Tschechien.

"Endspiele haben immer ihr Publikum."

Heribert Faßbender

"Unsere Hoffnungen haben sich übererfüllt", kommentierte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz den TV-Rekord für den Fußball-Klassiker. "Dieses Halbfinale lebte von der Konstellation und der Tradition. Deshalb hat es so viele Fans elektrisiert", sagte er und freute sich bereits auf das Spiel um Platz drei am Samstag in Stuttgart, das ebenfalls im ZDF ab 21 Uhr übertragen wird: "Ich gehe davon aus, dass viele Fans mit großer Neugierde dem Spiel entgegenfiebern werden. Sie wollen wissen, wie Klinsmann es schafft, sein Team einzustellen und welche Aufstellung er wählt."

Wahrscheinlich waren es sogar rund 50 Millionen Menschen, die das Italien-Match vor dem Bildschirm erlebten. Die vielen Millionen Fans, die am Dienstagabend die Live-Übertragung aus Dortmund beim Public Viewing auf Großbildleinwänden, in Gaststätten, Clubheimen, Kliniken oder als Gäste bei Verwandten, Freunden und Bekannten anschauten, sind in der TV-Quote noch nicht einmal enthalten.

"Beim Viertelfinale gegen Argentinien konnten wir zu der TV-Quote von 25 Millionen noch einmal 16 Millionen Zuschauer hinzurechnen", berichtete Susanne Kayser, Leiterin der ZDF-Medienforschung, über die Ergebnisse einer Befragung. Beim Halbfinale gegen Italien dürfte die so genannte "Außer-Haus-Nutzung" sogar noch größer gewesen sein. Fast alle Fanmeilen meldeten Rekordbesuch.

Wie bei den anderen WM-Spielen mit deutscher Beteiligung war der Frauenanteil unter den TV-Zuschauern sehr hoch. Nach Angaben von media control litten 14,70 Millionen Frauen ab 14 Jahren vor dem Bildschirm mit der Klinsmann-Elf. In der Gruppe der Männer ab 14 Jahren drückten dagegen "nur" 13,22 Millionen letztlich vergeblich dem DFB-Team die Daumen.

"Schade, dass es für die deutsche Mannschaft nicht ganz gereicht hat. Die gute Stimmung, die wir Klinsmann, den Spielern und den Fans zu verdanken haben, wird aber bis zum Endspiel bleiben", sagte ARD-Teamchef Heribert Faßbender. Das Erste zeigt am Sonntag um 20 Uhr, wie zuvor festgelegt, das Finale aus Berlin und erwartet auch ohne Beteiligung des DFB-Teams eine gute Quote.

Ein kurzfristiger Tausch mit dem "kleinen Finale" im ZDF ist für beide öffentlich-rechtlichen Sender kein Thema. "Endspiele haben immer ihr Publikum. Sie sind der sportliche Höhepunkt einer WM. Das gilt ganz besonders für die beste WM aller Zeiten", sagte Faßbender.

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