Ernst Elitz: Ganz Preuße

- Fernsehen, Radio, Zeitung - der Allround-Journalist Ernst Elitz hat in 40 Berufsjahren für viele Medien gearbeitet. Einen Grundsatz hat er dabei immer hochgehalten: Ein guter Journalist solle informieren, nicht missionieren, Hintergründe darstellen, aber nicht belehren. Seit zwölf Jahren leitet Elitz als Intendant das Deutschlandradio, und das wird er auch nach seinem heutigen 65. Geburtstag weiterhin tun. Sein Vertrag läuft noch bis 2009, und er will ihn erfüllen: "Da bin ich Preuße genug."

Elitz wurde 1941 als Sohn eines Handwerkers in Berlin geboren. Dort studierte er auch Germanistik und Theaterwissenschaft. Als Student begann er, Theaterkritiken für den "Kurier" zu schreiben und beim von der US-Militärverwaltung gegründeten Sender RIAS zu arbeiten. Von 1969 an war er beim "Spiegel" für Hochschulpolitik zuständig, 1974 ging er zurück nach Berlin und wechselte wieder das Medium: Er wurde Korrespondent und Moderator beim ZDF.

Aus seiner Fernsehzeit kennen ihn die meisten Leute. Zum Beispiel durch "Kennzeichen D", das in Ost wie West viele Zuschauer hatte. "In der DDR war es eine Kultsendung, das spüre ich heute noch, wenn ich in den neuen Ländern bin. Sie hatte eine große Glaubwürdigkeit, weil die Menschen gesehen haben: Wir messen mit gleichen Maßstäben, es geht uns nicht darum, den Westen besonders schön zu zeichnen", sagt Elitz. Von 1983 an moderierte er das ZDF-"heute-journal".

Zwei Jahre später wechselte er zum damaligen Süddeutschen Rundfunk und wurde mit "Pro & Contra" zu einem Pionier des interaktiven Fernsehens, denn er führte die Abstimmung per Telefon durch das Publikum ein. "Es wurden Argumente vorgetragen, und am Schluss wurde gecheckt, wessen Argumente am besten gewirkt hatten."

Aber auch dem Fernsehen blieb Elitz nicht auf Dauer treu. 1994 nahm er den Auftrag an, das Deutschlandradio aufzubauen. Die Prominenz als Fernsehmoderator vermisst Elitz nicht: "Es war nie mein Lebensziel, an der Tankstelle erkannt zu werden." Nicht nur was das Medium angeht, kehrte Elitz zu seinen Wurzeln zurück: Neben dem Kölner Deutschlandfunk und dem Ostberliner Deutschlandsender Kultur galt es auch den RIAS, bei dem Elitz seine Karriere begonnen hatte, in das neue gebührenfinanzierte Deutschlandradio zu integrieren. Heute sendet es zwei Programme, "Deutschlandfunk" und "Deutschlandradio Kultur". Über acht Millionen Menschen hören den Sender regelmäßig, 1,6 Millionen täglich.

Es wären viel mehr, schätzt Elitz, wenn er stärkere UKW-Frequenzen hätte. "Damit könnten wir auch für die Hälfte der Kosten senden, die wir für ein schwaches Frequenznetz aufbringen." Dass die Info-Wellen der ARD-Sender bei einer stärkeren Präsenz des Deutschlandradios um ihr Publikum fürchten müssten, hält Elitz für unbegründet. "Die Hörer unserer Programme sind Wechselwähler, das heißt, sie hören nicht nur ein Programm. Es muss ein vielfältiges Angebot auch bei Information und Kultur geben - nicht nur beim Dudelfunk."

"Als Journalist, der sich mit der Aktualität beschäftigt, muss man immer wieder auch Neues versuchen. Insofern halte ich meinen Lebensweg für kontinuierlich", resümiert Elitz die Vielseitigkeit seines Schaffens.

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