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Es gibt kein Happy End: Zwar schließen Vater und Bruder (Jörg Schüttauf und Leonard Scheicher, re.) Jakob (Leonard Carow) glücklich in die Arme, doch ob er wirklich geläutert ist, weiß niemand.

Interview zum ARD-Islamistendrama „Macht Euch keine Sorgen“ am Mittwochabend im Ersten

„Es gibt keine Sicherheiten“

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Ein junger Deutscher ohne Migrationshintergrund konvertiert zum Islam und reist nach Syrien, um auf der Seite des „IS“ zu kämpfen. So zu sehen im ARD-Fernsehfilm „Macht Euch keine Sorgen“ von Emily Atef.  Wir sprachen mit Kathi Liers, die zusammen mit Jana Simon das Drehbuch zu „Macht Euch keine Sorgen“ schrieb. 

Kathi Liers schrieb das Drehbuch zu „Macht Euch keine Sorgen“.

Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres steht ein junger deutschstämmiger Islamist im Zentrum eines ARD-Fernsehfilms.  Im Gegensatz zum Zweiteiler „Brüder“, der am 22. November vergangenen Jahres lief, liegt im Fall von Jakob Schenk (Leonard Carow) der Fokus nicht auf dem Prozess der Radikalisierung, sondern auf der Zeit nach der Rückkehr des jungen Mannes. Hat er den radikalen Ideen der Islamisten wirklich abgeschworen?

Frau Liers, was prädestiniert Jakob aus Ihrer Sicht dazu, diesen Weg einzuschlagen?

Kathi Liers: Es sind mehrere Faktoren, wie ja meist. Seine Suche nach Inhalten, nach Sinn und Eindeutigkeit. Die klaren Strukturen geben ihm ja sogar kurze Zeit Halt im jugendlichen Selbstfindungsprozess. Der Einfluss eines Freundes kommt dazu, das ist oft sehr wesentlich.

Welche Verantwortung tragen die Eltern? Haben sie sich zu wenig dafür interessiert, was ihr Sohn treibt?

Kathi Liers: Die Eltern haben sich ja interessiert, haben ihn erst mal für sehr religiös gehalten, waren tolerant und zugewandt. Ihr Sohn hat sich dann immer mehr zurückgezogen, auch typisch für Jugendliche, die sich abnabeln und ihren eigenen Weg finden müssen. Diese Phase des Loslassens, der Balanceakt zwischen Vertrauen und Kontrolle ist auch für Eltern eine Herausforderung. Später erleben wir Stefan und Simone (gespielt von Jörg Schüttauf und Ulrike C. Tscharre, Red.) bei ihrer schmerzhaften Suche nach der eigenen Verantwortung. Da prallt Wut und Unverständnis auf Verantwortungsgefühl und Liebe, so wie es wahrscheinlich in jeder intakten Familie wäre.

Welche Zahlen haben Sie zu deutschen Konvertiten, die in den „Dschihad“ ziehen – und wie hoch ist der Prozentsatz der Rückkehrer, die der islamistischen Ideologie nicht abschwören und hierzulande eventuell als „Schläfer“ fungieren?

Kathi Liers: Das ist nicht ganz so einfach in Zahlen zu benennen. Es sind nach unseren Informationen fast 1000 Deutsche nach Syrien beziehungsweise in den Irak ausgereist und haben sich dem IS oder einer anderen Terrororganisation angeschlossen. Etwa ein Drittel von ihnen ist nun wieder in Deutschland. (Siehe auch Kasten.) Die Thematik wird uns also auch gesellschaftlich noch weiter begleiten. Deshalb haben wir das offene Ende gewählt. Es gibt keine Sicherheiten.

Der Rückkehrer steht vor allem im Visier der Ermittler, wird im Übrigen von seinem Umfeld misstrauisch bis feindselig beäugt. Ihr Film suggeriert, dass es an Institutionen mangelt, die Rückkehrer psychologisch betreuen…

Kathi Liers: Die Familien beziehungsweise die Rückkehrer können sich, wenn sie das wollen, an Beratungsstellen wenden, aber die Verantwortlichen in den wenigen Anlaufstellen bundesweit sind chronisch überlastet und stets im Kampf um ihr finanzielles Überleben. Die Verantwortung, die sie tragen, ist hoch. Und es gibt auch nur wenige, die im Umgang mit diesen speziellen Fällen Erfahrung haben und darin geschult sind.

Im Zusammenhang mit dem Zweiteiler „Brüder“ war von Zuschauern und Lesern auch unserer Zeitung zu hören und zu lesen, dass sich Filmemacher zu sehr mit deutschen Konvertiten und zu wenig mit arabischstämmigen Terroristen beschäftigen, die in Europa Anschläge begehen – was sagen Sie denen?

Kathi Liers: Wir Autorinnen wollen glaubwürdig und authentisch erzählen. Damit der Zuschauer sich auf unsere Figuren emotional einlassen kann, muss die Geschichte inhaltlich überzeugen. Deshalb haben wir uns ganz bewusst entschieden, das Drama in einer deutschen Familie – sozusagen mitten unter uns – anzusiedeln. Dazu haben wir natürlich viel recherchiert, diese Geschichte ist kein Einzelfall.

Gibt es etwas, das die Zuschauer aus diesem Film lernen können oder sollen?

Kathi Liers: Erst mal wäre es natürlich wunderbar, wenn es uns gelungen ist, die Zuschauer auf die Reise mitzunehmen. Unser Film ist ja vor allem ein Vater-Sohn-Drama, der Kampf eines Vaters um seinen Sohn und ihre gemeinsame Beziehung. So haben wir versucht, das allgemeine Entsetzen und die Fassungslosigkeit darüber, dass intelligente junge Menschen aus unserer Mitte zu einer brutalen Terrororganisation wie dem IS gehen, in ein emotionales Familiendrama zu übersetzen.

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