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Arabella Kiesbauer moderiert den ESC 2015.

Eurovision Song Contest

ESC-Moderatorin Arabella Kiesbauer: Interview zum TV-Kult "Arabella"

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München - Arabella Kiesbauer war die deutsche Talkshow-Königin. Über zehn Jahre nach dem Ende von "Arabella" moderiert sie am Samstag den ESC 2015. Wir sprachen mit Ihr über die Kult-Talkshow - und eine mögliche Rückkehr ins deutsche TV. 

"Das ist doch die Arabella, die habe ich doch früher jeden Tag geschaut!" Das werden sich viele Zuschauer (vornehmlich in der Altersklasse von 30 bis 40 Jahren) am Samstagabend denken, wenn die frühere Talkshow-Queen den Eurovision Song Contest 2015 in Wien moderiert - gemeinsam mit Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler. Keine Frage: Die in München produzierte Talkshow "Arabella" gehörte zehn Jahre lang zum Pflichtprogramm der jüngeren Generation - und vor allem der meisten Schüler (der Sendeplatz werktags um 14 Uhr auf ProSieben war für Berufstätige eher ungünstig). Bis zu "Arabella" wurde im deutschen TV in den Talkshows eher unaufgeregt diskutiert. Außer Klaus Kinski stand mal auf der Gästeliste.

ESC 2015: Mit Arabella Kiesbauer wurde es deutlich lauer im TV

Ab dem Jahr 1994 wurde es deutlich lauter. In der Talkshow von Arabella Kiesbauer fetzten sich die Gäste mitunter so lautstark, wie man es bis dato nur aus dem US-Fernsehen kannte. Auch die Themen, über die bei "Arabella" werktags so gesprochen wurde, waren - ebenfalls ein Novum - meist emotional aufgeladen: Fremdgehen, Familiendrama, Frauenhelden. Nicht selten war eine Reizfigur im Publikum und brachte die anderen Talkgäste von Arabella Kiesbauer gegen sich auf. À la: "Ich lege alle Frauen flach und pfeife auf ihre Gefühle." Überhaupt: Der Sex! Bei "Arabella" kam so einiges zur Sprache, was bis dato nicht im Nachmittagsprogramm vorkam: Swinger-Clubs, Sex an ungewöhnlichen Orten und bevorzugte Praktiken. Schmutzige Wörter für Geschlechtsverkehr wurden mit einem Piepton überblendet. Kein Wunder, das nicht wenige TV-Kritiker und Politiker den Untergang aller guten Sitten befürchteten. 2004 war Schluss mit "Arabella" bei ProSieben. Der Sender wollte seine Moderatorin für das Scripted-Reality-Format "Das Geständnis: Heute sage ich alles" mit Laiendarstellern gewinnen. Arabella Kiesbauer hatte keine Lust auf die Pseudo-Talkshow. Man ging fortan getrennte Wege.

Ja, die deutschen Zuschauer werden beim ESC 2015 einige Flashbacks erleben, wenn sie Arabella Kiesbauer wieder im TV sehen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es sehr ruhig um die Moderatorin geworden ist, ist die 46-Jährige beim ORF dick im Geschäft (siehe unten). In Erinnerung an die Kult-Talkshow haben wir mit Arabella Kiesbauer über "Arabella" gesprochen - und mal vorgefühlt, ob für sie eine Rückkehr ins deutsche TV denkbar wäre.

ESC 2015: Moderatorin Arabella Kiesbauer im Interview

Frau Kiesbauer, viele Menschen in Deutschland werden sich freuen, Sie beim ESC wiederzusehen. Ihre Talkshow "Arabella" war jahrelang um 14 Uhr ein Pflichttermin für die junge Generation. Vermissen Sie heute eigentlich das tägliche Talken - oder sind Sie froh, dass das Kapitel vorbei ist?

Arabella Kiesbauer: Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Talkshowzeit in München und werde noch oft darauf angesprochen. Aber den letzten Arabella-Talk habe ich vor 10 Jahren moderiert- inzwischen habe ich geheiratet, zwei Kinder bekommen, durch viele andere Sendungen geführt und engagiere mich gegen Rassismus! Ich lebe heute ein ganz anderes Leben.

Geredet wurde bei "Arabella" vor allem über Sex. Hatten Sie und Ihr Team bei der Themenauswahl in erster Linie im Sinn, welches Tabu sie als nächstes brechen können?

Arabella Kiesbauer: Das haben Sie richtig erkannt. (lacht) Wir waren neugierig auf das Leben und sehr dankbar, dass uns unsere Gäste bereitwillig durchs Schlüsselloch blicken haben lassen!

Gab es auch Themen, bei denen Sie rückblickend denken: Das hätten wir uns sparen können?

Arabella Kiesbauer: Natürlich! Aber das gehört dazu. Wenn man Grenzen überschreitet, kommt man auch mal vom Weg ab... Manche "Arabella"-Themen von damals kommen einem sogar heute noch ziemlich kurios vor. So hatten sie in der Anfangszeit auch mal Männer zu Gast, die schwanger werden wollten.

War das Fernsehen in den 90er Jahren eigentlich mutiger als heute?

Arabella Kiesbauer: Es war eine andere Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass das Leben eine große Spielwiese ist und sich dies auch in der Fernsehlandschaft niedergespiegelt hat.

An welche Gäste, die bei Arabella auftraten, erinnern Sie sich heute noch gerne?

Arabella Kiesbauer:An die ruhigeren Gäste. An ein kleines Mädchen, das an Progeria litt. Oder an Rebecca, die aufgrund ihrer heroinsüchtigen Mutter eine eindringliche Warnung gegen Drogen aussprach.

Und welche Gäste haben Sie uns besonders schlechter Erinnerung?

Arabella Kiesbauer:Manch einer hat sich daneben benommen, das ist mittlerweile vergeben und vergessen.

Das Ende der Sendung kam 2004, als ProSieben die Talkshow durch das Scripted-Reality-Format "Das Geständnis" ersetzen wollte. Warum machten Sie da nicht mehr mit?

Arabella Kiesbauer:Ich war an Gesprächen mit echten Gästen interessiert, nicht an Laienschauspieler mit auswendig gelerntem Texten.

Mit Ihrem Namen ist ja die große Zeit der Daily-Talkshows im deutschen Fernsehen verbunden. Warum ist dieses Format heute eigentlich so gut wie tot?

Arabella Kiesbauer:Aufgrund des großen Erfolges haben sich die zahlreichen Shows irgendwann kannibalisiert. Die Qualität hatte ebenfalls gelitten - da hatte der Zuschauer irgendwann genug. Zu Recht!

Gibt es denn irgendwann eine Rückkehr von Arabella Kiesbauer ins deutsche TV?

Arabella Kiesbauer:Alles ist möglich, nichts ist fix. (lacht)

Fragen: Franz Rohleder

Arabella Kiesbauer - Das macht sie heute

Nach dem Ende ihrer Pro-Sieben Talkshow war Arabella Kiesbauer im deutschen TV letztmals im Jahr 2006 auf dem Nachrichtensender N24 in der Sendung "Arabella - Talk ohne Show" zu sehen. Das Format wurde nach kurzer Zeit wieder begraben. Im österreichischen Fernsehen hingegen gehört sie seit Jahren zu den Top-Moderatoren: Ab 2002 führte sie beim ORF durch insgesamt vier Staffeln der Musikshow „Starmania“ (dem österreichischen Äquivalent zu DSDS). Der ESC 2015 ist auch nicht das erste Großereignis, das Arabella Kiesbauer moderiert.

Seit 2004 ist Arabella Kiesbauer mit dem Wiener Personalberatungs-Unternehmer Florens Eblinger verheiratet. Die beiden sind mittlerweile Eltern einer Tochter (geb. 2007) und eines Sohnes (geb. 2010).

Nach ein paar Jahren Mama-Pause ist sie 2012 wieder als Moderatorin tätig, beim Life-Ball für den ORF, beim "Kiddy Contest" für Puls 4 und seit 2014 auch für die österreichische Version von "Bauer sucht Frau" auf ATV.

Zudem tritt Arabella Kiesbauer in Österreich seit Jahren als Aktivistin gegen Rassismus auf: Im November 2013 wurde sie für ihr langjähriges Engagement in Sachen Integration vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich als Kulturvermittlerin ausgezeichnet.

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