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Anastasia Stotskaya ist Mitglied der russischen Jury beim ESC.

Skandal um Ex-Teilnehmerin

Eklat vor ESC: Jury-Mitglied rausgeworfen

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München - War es Selbstdarstellungssucht oder einfach nur Naivität? Die Aktion eines Mitglieds der russischen ESC-Jury hat für einen handfesten Skandal gesorgt - mit erheblichen Folgen.

Update : Die Europäische Rundfunkunion (EBU), Veranstalter des Eurovision Song Contest, hat den Fall geprüft und ist in Absprache mit dem russischen Fernsehsender RTR zu folgendem Ergebnis gekommen: Das Ergebnis der Jurorin Stotskaya wird gestrichen, sie wird vom Wettbewerb am Samstag ausgeschlossen, der russische Sender darf eine Person nachnominieren. RTR bedauert den Vorfall mit dem Jurymitglied und entschuldigt sich beim armenischen und niederländischen Fernsehen für den Schaden.

Erstmeldung

Neckisch zwinkert Anastasia Stotskaya in ihre Handy-Kamera. Gut gelaunt verfolgte die russische Sängerin als Mitglied der fünfköpfigen Jury ihres Landes die Generalprobe des ersten Finales aus der Globen Arena in Stockholm. Hier bilden sich die ESC-Punkterichter aller teilnehmenden 42 Länder erstmals eine Meinung über die Acts und schaffen somit die Basis über die spätere Entscheidung, wer "douze points" oder weniger - oder gar keine - bekommt. 

Das Ganze findet natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Eigentlich. Denn die rothaarige Sängerin hielt es offenbar für eine gute Idee, Tausende Fans zuschauen zu lassen: Sie streamte ein paar Minuten der eigentlich geheimen Abstimmung per Periscope. 

Auf dem Video ist der Auftritt des Holländers Douwe Bob (23) zu sehen, und als die Armenierin Iveta Mukuchyan (29) auf die Bühne kommt, bricht ein Jurymitglied gar in Jubel aus. Dann schwenkt die Kamera der 33-Jährigen auf den offiziellen Wertungsbogen, der vor ihr liegt. Darauf verzeichnet sind die 18 Teilnehmer des Halbfinales. Bei den Niederlanden ist ein dickes Plus zu sehen, die Griechen, Finnen und Ungarn finden dagegen nicht ihre Gunst: Sie haben ein Minus abbekommen. Das lässt zumindest einmal Rückschlüsse auf die spätere Punktevergabe zu. 

Stotskaya sollte den ESC gut kennen: Sie nahm 2005 mit dem Lied "Shadows Dance All Round Me" als Interpretin beim Vorentscheid teil. Offensichtlich kam ihr erst später die Erkenntnis, dass sie einen schweren Fehler gemacht hatte, denn sie löschte das Video umgehend. Doch zu spät: Jemand hatte es bereits kopiert und auf YouTube gestellt.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU), Veranstalter des Eurovision Song Contest, nimmt den Vorfall sehr ernst. Man sei informiert und werde sich am Dienstagnachmittag dazu äußern, hieß es auf Twitter. 

Sergey Lazarev will für Russland beim ESC 2016 antreten.

Mögliche Konsequenzen wären im schlimmsten Falle ein Ausschluss Russlands - die Nation zählt laut Wettquoten zu den Top-Favoriten - von dem Wettbewerb. Aber auch eine Geldstrafe wäre denkbar. Vielleicht wird auch die russische Jury ausgetauscht oder ihre Stimmen schlichtweg für ungültig erklärt. Was die Russen von der deutschen Teilnehmerin Jamie Lee halten, geht aus dem Video übrigens nicht hervor: Sie hat sich bereits qualifiziert und ist demnach gar nicht auf dem Wertungszettel zu finden.

Beim ESC gehen insgesamt 42 Länder ins Rennen. Das erste Halbfinale findet am Dienstag, 10. Mai, statt, das zweite am Donnerstag. Im Finale am Samstag, wo US-Megastar Justin Timberlake das Warten auf die Punktevergabe mit einem Auftritt versüßen wird, werden die Wertungen der Länderjurys und der TV-Zuschauer in diesem Jahr erstmals getrennt vorgetragen. 

hn

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