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Ein Mann ohne Allüren: Michael Schulte lässt seine Lieder für sich sprechen.

Deutscher Interpret im Interview

ESC-Kandidat Michael Schulte: „Mich kann natürlich das gleiche Schicksal ereilen“

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Mit einer Hommage an seinen verstorbenen Vater will der deutsche Sänger Michael Schulte beim ESC-Finale im portugiesischen Lissabon am Samstag punkten - und die Pleiten der vergangenen Jahre vergessen lassen.

Für die deutschen ESC-Fans ist er der Richtige für Lissabon - beim deutschen Vorentscheid am 22. Februar wählten sie Michael Schulte zum Sieger. Und nicht nur sie, auch eine nationale und eine internationale Jury votierten für den 28-Jährigen aus Niedersachsen. Mit der Ballade You let me walk alone, einer Hommage an seinen verstorbenen Vater, will der Sänger beim Finale am Samstag punkten - und die Pleiten der vergangenen Jahre vergessen lassen. Bühnenerfahrung hat Schulte jedenfalls, vor sechs Jahren trat er bei The Voice of Germany an, wurde Dritter und geht seitdem auf Tour. Außerdem veröffentlichte er mehrere Alben, das bisher erfolgreichste ist Wide Awake (2012).

Herr Schulte, das Finale rückt näher. Mischt sich in die Vorfreude auch ein bisschen Angst vor dem Auftritt?

Michael Schulte: Nein, gar nicht. Ich freue mich aufs Finale. Der Vorentscheid ist ja schon wieder bald drei Monate her, ich bin seitdem viel unterwegs und denke, es wird jetzt Zeit, dass der große Moment kommt.

Was, glauben Sie, zeichnet gerade Ihren Song besonders aus?

Schulte: Ich glaube, er ist einer der emotionalsten in diesem Jahr, vielleicht sogar der Song mit der persönlichsten Geschichte. Das lässt ihn hoffentlich ein bisschen hervorstechen aus der großen Masse. Ob das auch für viele Punkte reicht, kann man aber natürlich trotzdem nicht wissen.

Im Gegensatz zu Ihren Vorgängerinnen in den vergangenen Jahren haben Sie durchaus auch etwas zu verlieren, Sie waren ja schon vorher kein Unbekannter...

Schulte: Das sehe ich nicht so. Ich denke, ich kann nur gewinnen, dadurch, dass ich schon jetzt durch den ESC-Vorentscheid viele neue Hörer bekommen habe. Ich bin ja schon jahrelang dabei und habe eine Menge Musik gemacht, die die Leute, die mich jetzt kennen lernen, dann auch entdecken können.

Haben Sie Kontakt zu Levina, Jamie-Lee oder Ann Sophie?

Schulte: Ich habe vor ein paar Wochen in London Levina getroffen und mich mit ihr unterhalten über ihre Erfahrungen. Ansonsten habe ich nur Kontakt zu Roman Lob (Achter im Jahr 2012, Red.), wir texten ab und zu.

„Einige sehen mich in den Top Ten, andere wieder ganz hinten“

Die Reaktionen im Netz auf Ihren Song sind überwiegend sehr positiv – das sah bei der einen oder anderen deutschen Teilnehmerin der vergangenen Jahre schon anders aus. Verfolgen Sie intensiv, was die Leute so schreiben?

Schulte: Ich lese hier und da Kommentare und bekomme natürlich mit, dass das Feedback sehr positiv ist, auch international. Aber Geschmäcker sind verschieden, einige sehen mich in den Top Ten, andere wieder ganz hinten. Aber das ist gut so, der ESC polarisiert ja schon immer. Was nicht passieren darf, ist, dass alle den Song „ganz gut“ finden, denn dann rufen sie sicher nicht dafür an. Das war vielleicht das Problem bei Levina. Sie hatte einen guten Auftritt, aber Perfect Life war nur ein netter Popsong, weder laut und schrill, noch emotional. Damit in Erinnerung zu bleiben war schwer. Na ja, ich rede jetzt hier, als ob ich wüsste, dass es bei mir besser wird, aber natürlich kann mich das gleiche Schicksal ereilen.

Der für Deutschland beim ESC singende Michael Schulte und die Moderatorin Linda Zervakis stehen beim Empfang des deutschen Botschafters im Goethe-Institut in Lissabon auf der Bühne.

Sie werden gerne als „der deutsche Ed Sheeran“ etikettiert – gefällt Ihnen das?

Schulte: Ich habe damit kein Problem, das ist einer der besten und erfolgreichsten Musiker der heutigen Zeit, es ist eine Ehre, mit ihm verglichen zu werden.

Auf Deutsch zu singen ist keine Option?

Schulte: Nein das ist nicht so meins. Ich liebe Deutschland und die deutsche Sprache, aber eben nicht in der Musik. Ich finde Englisch in der Kombination mit meinen Melodien deutlich schöner. Aber das ist natürlich eine Geschmacksfrage.

Voting: So funktioniert die Abstimmung beim Eurovision Song Contest

Ist der ESC ein Event, von dem Sie schon immer geträumt haben?

Schulte: Ich bin großer ESC-Fan und habe keinen verpasst, seit ich fünf, sechs Jahre alt war. Später habe ich mir dann vorgestellt, wie das wohl ist, für Deutschland zu singen, aber natürlich es nie wirklich ernsthaft angestrebt – bis zum vergangenen Herbst. Da dachte ich: Warum es eigentlich nicht einmal probieren? Und habe mich beim NDR beworben. Bis jetzt hat ja auch alles sehr gut geklappt. Ich glaube, dass ich auf jeden Fall ein würdiger Vertreter für Deutschland sein werde.

Was ist Ihre früheste konkrete Erinnerung an den ESC?

Schulte: Die stammt aus dem Jahr 2000, als die Olsen Brothers gewonnen haben für Dänemark, mit Fly on the Wings of Love. Dadurch, dass ich selbst auf der dänischen Schule war und Dänisch spreche, war das ein gefühlter Sieg. Das Lied ist bis heute mein All Time Favourite.

Michael Schulte: Und bald wird geheiratet!

Der Auftritt am Samstag im Finale des Eurovision Song Contests (ab 20.15 Uhr live im Ersten) ist sicher das bisher größte Ereignis in seinem beruflichen Leben. Der - hoffentlich - schönste Tag im Privatleben von Michael Schulte kommt dann aber auch bald. „Im Sommer werde ich Katharina heiraten“, verriet der 28-Jährige Bunte. Nie sei er sich so sicher gewesen, „das Richtige zu tun“. sagte der Musiker. Und: Papa wird er auch noch -das erste gemeinsame Kind des Paars soll im August geboren werden. „Es ist ein Wunschkind, die Krönung unserer Liebe zum richtigen Zeitpunkt.“ Seine Zukünftige ist Logopädin.

Lesen Sie auch: Startreihenfolge beim ESC 2018 ist da: Ein Detail lässt Deutschland hoffen

Interview: Rudolf Ogiermann

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