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Yvonne Grünwald, Ela Steinmetz and Natalie Plöger - oder auch: Elaiza.

Kirmespop und Schmachtballaden

ESC: Wer Elaiza gefährlich werden könnte

Kopenhagen - Am Samstagabend tritt das Trio "Elaiza" beim Eurovision Song Contest (ESC) für Deutschland an. Doch wer sind in Kopenhagen die größten Konkurrenten? Ein Check:

Sie selbst hoffen auf einen Platz unter den Top Ten, bei den Buchmachern rangierte Elaiza vor einigen Tagen auf Platz 17, Tendenz fallend. Trotzdem stehen für Elaiza die Chancen gut, besser abzuschneiden als vergangenes Jahr Cascada, die nur auf Platz 21 landeten. Doch die Favoriten kommen aus Armenien, Russland und Österreich. Wir stellen die acht härtesten Konkurrenten von Elaiza vor.

Aram MP3

Aram MP3 (Armenien): Absoluter Topfavorit. Der Sänger und Comedian heißt eigentlich Aram Sargsyan, legte sich aber den Künstlernamen „MP3“ zu, weil er jeden aktuellen Charthit so treffsicher ausspuckt wie ein Mediaplayer. Seine bombastische Ballade „Not Alone“ ist eine prima Mischung aus ESC-Schmalz und modernem Pop. Im Vorfeld gab’s Ärger, weil Aram Österreichs bärtige Sängerin Conchita Wurst als „nicht normal“ bezeichnet haben soll. Angeblich war’s nur ein Übersetzungsfehler.

Donatan & Cleo (Polen): Wunderbar rotziger Hip-Hop von polnischen Landmadln, mit sexy Models als Kulisse auf der Bühne. Herrliche Show, lustiger Song „My Slowanie (Slavic Girls)“. „Wir sind slawische Mädchen“, rappt die fesche Cleo im Dirndl, die Bauern-Rihanna, die in Wahrheit aus Warschau kommt. Die Polen geigen groß auf und landeten den größten Youtube-Hit in der Geschichte ihres Landes, mit 40 Millionen Klicks. Mehr Trachten gibt’s nur auf der Wiesn.

Conchita Wurst

Conchita Wurst (Österreich): Beim Halbfinale lag die Halle der vollbärtigen Steirer Lady, eigentlich Tom Neuwirth, zu Füßen. Kein Wunder. Conchita, jetzt in den Wetten ganz weit vorne, liefert mit der Prachtballade „Rise Like A Phoenix“ vollendetes Drama im James-Bond-Sound auf den Spuren von Shirley Bassey. Herr/Frau Wurst wurde schon im Jahr 2013 beim RTL-Trash „Wild Girls“ auffällig und ist trotzdem ein schlaues Kerlchen mit herrlich schrägem Humor. Die Dame ist alles andere als eine Lachnummer und will alle Schwulenhasser zum Schweigen bringen.

Emma Marone (Italien): Die schöne Emmanuela aus Süditalien ist die neue Gianna Nannini, singt genauso verraucht. In Italien ist die 29-Jährige längst ein Topstar und hat für ihr aktuelles Album „Schiena“ Doppel-Platin kassiert. Mit „La mia città“ bringt sie kraftvollen Italo-Rock zum ESC, der nach doppeltem Espresso klingt. Klasse! Ob Kopenhagen ihre Stadt wird? „Voglio te“, singt Emma im Refrain, „Ich will dich!“

Tolmachevy Twins

Tolmachevy Twins (Russland): Putins Lieblinge liegen in den Umfragen weit vorne. Die niedlichen blonden Zwillinge Maria und Anastasia (17), die schon im Jahr 2006 den Nachwuchs-ESC gewannen, sollen das freundliche Gesicht Russlands zeigen. Ihr Song „Shine“, den die Russen von Autoren aus ganz Europa zusammenbauen ließen, ist ein Gute-Laune-Ohrwurm mit Anklängen an die Sixties. Beim Halbfinale gab’s dennoch böse Buhs, denn niemand aus der ESC-Community will 2015 in Putins homophobes Russland – wofür die Zwillinge nichts können.

Mariya Yaremchuk (Ukraine): Ihr „Tick Tock“ ist handelsüblicher Kirmespop für die Charts. Auffälliger als der Song, der nach der Vorentscheidung textlich entpolitisiert wurde, ist die Bühnenshow. Da joggt ein Herr hinter der schönen Sängerin, die „unpolitisch“ sein will, in einem monströsen Hamsterrad, warum auch immer. Die Ukraine sehnt sich nach Platz eins, nach einer Nachfolgerin für Ruslana, die vor zehn Jahren mit „Wild Dances“ gewann und zur Heldin der Revolution avancierte. Keine andere Siegerin wäre populärer in Kopenhagen.

The Common Linnets (Niederlande): Unsere Nachbarn lieben den lässigen Countrypop-Song „Calm After The Storm“ des Duos Ilse De Lange und Waylon, hievten ihn auf Platz eins ihrer Charts. Der vielleicht sympathischste Beitrag des Wettbewerbs klingt nach Fleetwood Mac vom „Tusk“-Album aus dem Jahr 1979, nach „Farmer’s Daughter“. Handgemacht, ehrlich, toll. Wenn es um Qualität geht, findet der Grand Prix 2015 in Amsterdam statt. Geht es aber nicht.

Dilara Kazimova (Aserbaidschan): Das Land schaffte es seit dem Debüt 2008 als einzige Nation immer in die Top 10, gewann 2011. Denn weil Geld keine Rolle spielt, werden stets Top-Autoren aus der ganzen Welt angeheuert. Diesmal hat sich nach einem langen Casting die schöne Dilara Kazimova durchgesetzt und singt die Schmachtballade „Start A Fire“. Im Hintergrund turnt eine Frau am Trapez, was beim ESC nie schaden kann. Daher Mitfavoritin.

Jörg Heinrich

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