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„Ich wusste lange nicht, was aus mir werden könnte“: Esther Schweins, die sich von der Ulknudel zur gefragten Schauspielerin entwickelte.

Interview

Esther Schweins: „Ich war regelrecht sandgestrahlt“

München - Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht die Schauspielerin Esther Schweins über ihren neuen Film „Die Wüstenärztin“, die Lust am Reisen und die Furcht vor der Tretmühle Arbeit.

Bekannt wurde Esther Schweins in den Neunzigern als Komikerin in der Show „RTL Samstag Nacht“, doch diese Zeiten hat sie längst hinter sich gelassen. Stattdessen ist sie regelmäßig in Fernsehfilmen zu sehen („Die Anruferin“, „Tatort“, „Die Rache der Wanderhure“), und moderiert seit einigen Jahren die 3sat-Magazine „Foyer“ und „Theaterlandschaften“. In Jörg Grünlers Film „Die Wüstenärztin“, zu sehen am Freitag um 20.15 Uhr im Ersten, spielt die 42-Jährige eine Wiener Medizinerin, die zu einem Beduinenvolk in die arabische Wüste reist, um dessen Fürsten zu heilen. In der archaischen Natur findet sie nicht nur ihre Berufung, sondern auch eine neue Liebe.

Frau Schweins, in Ihrer neuen Rolle sind Sie in einer Wüstenromanze zu sehen. Sind Sie denn ein Fan einschlägiger Filme wie „Lawrence von Arabien“ oder „Der englische Patient“?

Natürlich! Und ich mag es, den Zuschauer mit meinen Filmen weit weg in eine ganz andere Welt zu mitzunehmen, sodass er sich emotional mal richtig gehen lassen kann.

Der Film spielt in der arabischen Wüste. Wurde er auch dort gedreht?

Nein, in Namibia. Wir haben im Oktober und November gedreht, da war es in Dubai mit 60 Grad einfach zu heiß. In Namibia war es an manchen Tage auch so heiß, dass ich gar nicht wusste, wohin mit mir. Aber oft hatten wir einen derart kalten Wind, dass ich in den Drehpausen froh um meine Daunenjacke war, obwohl gleichzeitig die Sonne glutheiß herunterbrannte.

Und das bei der empfindlichen Haut einer Rothaarigen...

Ich habe mich aus Angst vor Sonnenbrand teilweise kaum unter dem Sonnenschirm hervorgetraut. Dazu kam dieser ständige sandige Wüstenwind, ich war regelrecht sandgestrahlt und es knirschte beim Sprechen zwischen den Zähnen. Ab Drehtag drei habe ich mir nicht mehr die Mühe gemacht, mein Gesicht dauernd vom Sand zu reinigen, sondern einfach so gedreht. Im Film sieht man das zum Glück nicht.

In einigen Szenen sind Sie auf einem Pferd zu sehen, das auch mal mit Ihnen durchgeht. Mussten Sie sich doubeln lassen oder können Sie selber so gut reiten?

Die spektakulären Szenen habe ich nicht selbst gemacht, in einigen anderen Szenen bin ich aber selbst geritten, soweit meine Versicherung mir das erlaubt hat. Ich bin allerdings keine passionierte Reiterin. Ich finde, dass Pferde durchaus sehr glücklich sind, ohne dass jemand auf ihnen sitzt.

Sie sind ja viel unterwegs, für „Die Wüstenärztin“ ging es nach Afrika, für die Reihe „Das Traumhotel“ nach Asien, als nächstes gehen Sie an Bord des „Traumschiffs“...

Juhu, das erste Mal auf dem „Traumschiff“! Ich freue mich auf die Reise, ich reise tatsächlich sehr gerne, und wie in den anderen Fällen sind auch da meine Kinder (fünf und sechs Jahre alt, Red.) wieder mit dabei. So kann ich sowohl die Arbeit als auch das Erlebnis genießen.

Ist das für Ihre beiden Sprösslinge nicht etwas langweilig, wenn die Mama arbeiten muss?

Gerade auf dem Traumschiff ist die Mama ja in der luxuriösen Situation, dass sie zwar geschlagene vier Wochen auf dem Schiff ist, aber gar nicht so viel drehen muss. Außerdem kommen meine Mutter und meine Grundschullehrerin mit, die sehr gut mit meiner Mama befreundet ist – ich bin ja in einer Kleinstadt groß geworden. Sie hat, zum Glück für mich, keine eigenen Enkelkinder und freut sich schon, dass sie sich mit meinen Kindern beschäftigen kann. (Lacht).

Also empfinden Sie das viele Reisen gar nicht als stressig?

Im Gegenteil. Wir haben so schon einen Schatz an gemeinsamen Erfahrungen angehäuft, an Geschichten, die wir uns erzählen können – meine Kinder lieben das sehr.

Und wenn Sie nicht gerade beim Drehen in irgendeiner Ecke der Welt sind, was machen Sie dann?

Eigentlich kommt es gar nicht vor, dass ich nicht arbeite. Ich bin ja nebenbei auch Mama – Füße hochlegen ist also nicht. Selbst jetzt, wo meine Kinder von morgens bis zum frühen Nachmittag im Kindergarten sind, geht’s bei mir im Minutentakt. Das, das und das ist zu machen, dann sind zackig wieder die Kinder abzuholen – es ist wie bei anderen Mamas auch. (Lacht.)

In „Die Wüstenärztin“ geht es ja darum, dass die von Ihnen gespielte Figur ihren Job an einer Klinik als Tretmühle empfindet und einen Ausweg sucht. In Ihrem abwechslungsreichen Beruf kennen Sie das Gefühl ja vermutlich gar nicht...

Meine große Furcht vor der Tretmühle Arbeit hat dazu geführt, dass ich überhaupt diesen Weg gewählt habe. Ich wollte beruflich unbedingt etwas tun, bei dem ich immer wieder bei Null anfangen muss. Ich wollte ja zunächst Regisseurin werden, wurde dann aber Schauspielerin. Als mir am Theater sehr früh klar wurde, dass es die Tretmühle da ebenfalls gibt, musste ich auch schon wieder fliehen. Ich glaube, dass meine ganze Wesensstruktur gegen dieses Hamsterrad gerichtet ist.

War ein nicht-künstlerischer Beruf nie ein Thema für Sie?

Nein. Ich habe zwar mit den verschiedensten Ideen um mich geworfen, aber nur damit mein Umfeld beruhigt ist, nach dem Motto: „Ach, das Kind macht sich ernsthafte Gedanken.“ In Wirklichkeit wusste ich lange nicht, was aus mir werden könnte. Ich wusste zwar, das ich die deutsche Sprache liebe, dass ich die Klassiker liebe – aber nicht, was ich damit anfangen könnte. Dass ich mich soweit emanzipieren konnte, gegen alle Widerstände zur Schauspielschule zu gehen und brotlose Künstlerin zu werden, das hat gedauert.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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