Heimkinder in Hessen

Ex-Heimkinder sollen draußen bleiben

Die evangelische Kirche in Frankfurt will einen Dokumentarfilm über die Schicksale von Heimkindern in der Nachkriegszeit zeigen. Doch die Betroffenen lädt sie dazu nicht ein. Die wollen sich das nicht gefallen lassen.

Frankfurt am Main - Am Montag stellt die evangelische Kirche in Frankfurt einen Dokumentarfilm über die Schicksale von Heimkindern in der Nachkriegszeit vor. Eingeladen sind die Vertreter der Medien. Die Betroffenen selbst aber nicht – und die sind damit mehr als unzufrieden. Zumindest einige von ihnen wollen nun auch ohne Einladung zur Filmvorstellung kommen.

„Wir werden alles daransetzen, dass wir da reinkönnen“, kündigt Heinz Schreyer in der Frankfurter Rundschau* an . Er hat selbst seine gesamte Kindheit und Jugend in Heimen verbracht hat. „Wir wollen selbst reden und berichten, wie es uns ergangen ist“, fordert er. Der Film allein genüge nicht, um zu verstehen, was damals geschehen sei.

Im Dezember 2006 hatte es im Deutschen Bundestag eine Anhörung ehemaliger Heimkinder gegeben. Sie berichteten von den schlimmen Verhältnissen in den Heimen der Nachkriegszeit. 2009 lud der hessische Landtag 50 Heimkinder zur Anhörung ein. Es folgte eine Entschuldigung des Landtags für das Leid. 2013 brachte die Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ihre Aufarbeitung auf den Weg. Die EKHN betrieb in Hessen nach dem Krieg mindestens 43 Heime.

Nun wird der Film „Kopf Herz Tisch 3“ der Wiesbadener Filmemacherin Sonja Toepfer gezeigt, die diesen im Auftrag der EKHN produziert hat. Sie konzentriert sich in der 70 Minuten langen Dokumentation auf die Rolle der Medizin in evangelischen Einrichtungen. Erschreckend sind vor allem die Schilderungen der medizinischen Versuche, wie es sie in der Hephata-Einrichtung im nordhessischen Treysa gegeben hat, wie fr.de* online berichtet . Diese gehört zwar nicht zum Gebiet der EKHN, für deren Bereich der Film einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten sollte, sondern zur benachbarten Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Im Film nimmt Hephata aber dennoch einen großen Raum ein.

Auch Regisseurin Toepfer hatte sich dafür eingesetzt, dass bei der Pressevorführung in der Räumen der Evangelischen Akademie am Frankfurter Römerberg Betroffene zu Wort kommen können. „Die Betroffenen kommen ja im Film zu Wort“, sagt dagegen EKHN-Sprecher Volker Rahn.

Thomas Hasper, der als Jugendlicher in Hephata war und dort Schreckliches erlebte, genügt das nicht. Die Filmpräsentation ohne Anwesenheit von Betroffenen hält er für „absurd“. Es dürften nicht nur die Vertreter der Kirche das Wort führen, sagt er. „Wir als Betroffene fühlen uns bei so einem Vorgehen missachtet und schutzlos.“

Über seine Ergebnisse hat Thomas Hasper ausführlich mit der Frankfurter Rundschau* gesprochen.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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