Familien unterm Mikroskop

München - Zur neuen Staffel von "Die Super Nanny" bei RTL: Katharina Saalfrank über Kindererziehung vor der Kamera .

Rund drei Millionen Menschen sitzen jeden Mittwochabend vor dem Fernseher, um Katharina Saalfrank (36) zuzusehen. Die Pädagogin besucht für RTL seit vier Jahren Problemfamilien. Am 3. September beginnt die neue Staffel mit zwölf Folgen. Saalfrank ist Mutter von vier Söhnen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren, sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Warum gefällt Ihnen eigentlich der Titel "Super-Nanny" nicht?

Der Titel der Sendung macht mir die Arbeit nicht unbedingt leichter. Das klingt ein bisschen wie "Superman". Doch ich bin ja weder "super" noch eine "Nanny", die sich vorwiegend um die Kinder kümmert. Als Diplom-Pädagogin sehe ich meine Aufgabe eher darin, den Blick der Eltern auf ihre Kinder und die Situation zu verändern.

Mit welchen Fällen beschäftigen Sie sich in der neuen Staffel?

Ich bin doch kein Kommissar, der Fälle löst. Ich spreche deshalb lieber von Menschen und Familien, denen ich in meiner Arbeit begegne. In letzter Zeit bin ich viel in Beratung mit Familien, die mit Gewalt, ihren eigenen Traumata aus der Kindheit und einigen anderen Tabuthemen wie etwa Alkoholismus zu tun haben. Die schwierige Vergangenheit der Eltern führt oft zu einem heftigen Kreislauf, der sich für die Kinder wiederholt und aus dem wir dann in der pädagogischen Arbeit versuchen, gemeinsam auszubrechen.

Die "Super-Nanny" bleibt zwei Wochen in den Familien. Was passiert, wenn eine Folge abgedreht und die Kamera verschwunden ist?

Ich drehe ja keine Folge ab, sondern leiste eine pädagogische Arbeit. Am Ende meiner Arbeit spreche ich mit den Familien über weitere Schritte und Hilfsmöglichkeiten. Zwei Psychologinnen unterstützen mich in der Nachsorge und gewährleisten die psychologische Betreuung der Familien. Sie unterstützen die Eltern telefonisch bei Fragen im Alltag und knüpfen auch Kontakte zu Behörden und staatlichen Stellen. Auch an jedem Mittwochabend, wenn die Sendung ausgestrahlt wird, ist eine Psychologin bei der entsprechenden Familie und spricht mit ihr über das Erreichte und Gesehene.

Ihre Sendung ist eines der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten TV-Formate der Gegenwart. Der Kinderschutzbund beklagt, die Würde der Familien werde verletzt, weil sie zum Objekt voyeuristischer Interessen des Publikums gemacht werden.

Ich habe mittlerweile vereinzelt von Vertretern des Kinderschutzbundes und von Jugendämtern auch mal positive Rückmeldungen bekommen. Trotzdem stehe ich meiner Arbeit selber nicht unkritisch gegenüber. Ein Problem ist sicher, dass sich häufig Eltern an uns wenden, ohne ihre Kinder zu fragen. Wir kommen zwar auf Einladung, doch dringen wir ja mit der Kamera in eine intime Familiensituation ein. Das macht das Ganze zu einer absoluten Gratwanderung. Trotzdem stehe ich dazu: Probleme wie häusliche Gewalt müssen thematisiert werden.

Ist völlig verunsicherten Familien wirklich geholfen, wenn ihre intimsten Probleme vor der gesamten Nachbarschaft ausgebreitet werden?

Die Öffentlichkeit ausschließlich vielleicht nicht - aber Öffentlichkeit gepaart mit pädagogischer Hilfe kann für die Familien durchaus hilfreich sein. Oft erhalten insbesondere die Kinder mehr Unterstützung und Verständnis von ihrem Umfeld. Durch die Sendung erfahren zum Beispiel Lehrer, wie schwer es die Kinder zu Hause haben. Das sind Dinge, die Eltern oft verschweigen. Deshalb sehe ich den Faktor Öffentlichkeit nicht nur negativ.

Fast 20 Prozent der Kinder wachsen in Familien auf, die Sozialleistungen empfangen. Wie kann man Kinderarmut bekämpfen: mit mehr Geld für die Eltern oder mehr Geld für Krippenplätze?

Wichtig ist, dass die Eltern Wahlfreiheit haben und in ihrer Entscheidung nicht eingeschränkt werden. Jeder muss seinen eigenen Lebensentwurf verwirklichen können. Eltern dürfen nicht dem Risiko ausgesetzt werden, nach der Geburt eines Kindes in die Armut abzugleiten. Da müssen wir an mehreren Stellschrauben drehen - angefangen bei Krippenplätzen über flexible Arbeitsplätze und Teilzeit bis hin zur Elternzeit für Väter.

Sie selbst sind SPD-Mitglied und loben nun die CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen?

(lacht) Ja, so ist das. Frau von der Leyen ist eine moderne Konservative. Sie führt vieles von dem weiter, was die SPD schon vor Jahren angestoßen hatte.

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