"Fast jeder Berg hat eine Sage"

- Es ist eine Geschichte mit Helden und Antihelden, mit einigen Tränen und noch mehr Herz: Da kommen die Gelehrten aus München ins hinterste Gebirgsland und erforschen trotz des Argwohns der Einwohner die Gegend. Ein Leutnant muss sich gegen den Aberglauben der Bevölkerung wehren und verliebt sich, ebenso wie sein Gehilfe, prompt in eine spröde Dorfschöne. "Gipfelsturm" ist zwar zunächst die Erzählung über die Erstbesteigung der Zugspitze, eigentlich aber ist es ein Alpendrama, das Historie und Klischees gleichermaßen thematisiert.

"Ich habe keine Angst vor dem Heimatfilm." Das ist der wohl wichtigste Satz von Regisseur und Autor Bernd Fischerauer zu dieser Produktion, die im Auftrag des Bayerischen Rundfunks entstanden ist. Eine Dokumentation wollte der Grazer Filmemacher nicht drehen, sondern die Reibung verbildlichen, die entsteht, wenn Wissenschaft auf Aberglauben stößt. Dafür hat er kurzerhand die spärlichen Fakten üppig erweitert, eine alte Romanvorlage verworfen und selbst zur Feder gegriffen.

"Ich hab nichts dagegen, dass eine Geschichte weitergesponnen wird", meint Friederike Kaiser, Leiterin des Alpinen Museums München. Ihrer filmerischen Idealvorstellung gemäß würde sie aber die Ambition eines Kartographen und Sportlers betonen und die zeitlichen Umstände realistisch in Szene setzen. Schließlich hat der Zugspitz-Bezwinger Leutnant Josef Naus im Auftrage Bayerns Basisarbeit geleistet für die bis heute gültige Kartographie.

Momentan steht im Alpinen Museum allerdings noch eine ganz andere These zur Diskussion: Auf einer Zugspitz-Karte von ca. 1730 ist ein Weg zum Gipfelbereich samt Zeitangaben eingezeichnet. Kaiser wie auch Fischerauer vermuten, dass Naus, der die Zugspitze 1820 erklomm, nicht der Erste auf dem Gipfel war ­ aber der erste, der es publik machte und sich den Gipfelsieg amtlich bestätigen ließ.

Dem Filmteam bereiteten während der 24 Drehtage die historischen Spekulationen hingegen weit weniger Kopfzerbrechen als das Wetter. Darüber hinaus musste Fischerauer mit seinen Schauspielern Johannes Zirner, Kerstin Becke, Andreas Nickl, Dieter Fischer, Monika Baumgartner und Konstantin Wecker auf den Tuxer Gletscher und in die Heimeligkeit Matreis ausweichen: "Auf der verbauten Zugspitze kann man heute nur nachts drehen, oder wenn man digital wütet und die Realität weglässt."

Für die Fiktion einer Heimatgeschichte wurden dem Film-Naus zudem Dorftrottel und Nebenbuhler zu Seite gestellt und sogar Rangeleien auf knapp 3000 Meter unterstellt. "Man darf dem Leutnant durchaus die eine oder andere Liebesgeschichte zukommen lassen", findet Fischerauer außerdem.

Der Regisseur greift auch die Sage um den Zuggeist wieder auf, der mit einer Springwurzel Reichtum verspricht. "Fast jeder Berg hat eine Sage. Vieles grassiert bis heute im Volk. Der Aberglaube hat heute natürlich eine andere Form durch die Abwendung von der Religion. Die Kirche hat aber aus dem Aberglauben immer Kapital geschlagen, im ,Gipfelsturm’\x0e werden die Ausläufer davon gezeigt", erklärt er. An alle Kritiker seiner Idee vom Heimatfilm verteilt Fischerauer einen Seitenhieb: Ob Wissenschaftler, Künstler oder Filmemacher, letztlich kämpfe man doch immer gegen Ignoranten.

BR, 8. April um 19.45 Uhr

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