Der Feind im eigenen Land

München - Eine seltene Perspektive: Der ZDF-Film "An die Grenze" thematisiert die Situation der DDR-Soldaten am "Todesstreifen".

Als am 22. Juni 1974 der legendäre DDR-Stürmer Jürgen Sparwasser das Siegtor zum 1:0 gegen die Bundesrepublik schießt, sitzen Millionen in Ost und West vor den Bildschirmen. Ein junger Mann nicht, denn er springt in einen kleinen See in der ostdeutschen Rhön. Alexander (Jacob Matschenz) schwimmt auf Christine (Bernadette Heerwagen) zu, und sie genießen die Stunden für sich alleine. Alexander hat nicht viel Zeit, denn der junge Soldat muss zurück "An die Grenze" ­ so heißt das Polit-Drama, das das ZDF heute um 20.15 Uhr zeigt.

Es ist die Geschichte eines Wehrpflichtigen aus einem privilegierten Haus, der voller Illusion seinen Dienst bei den Grenztruppen antritt und voller Bitterkeit erfahren muss, dass er seine Waffe nicht auf die westdeutsche Seite, sondern auf seine eigenen Landsleute richten soll, die Republikflucht begehen wollen. Einen "Todesstreifen" von 52 Kilometern hat seine Kompanie zu "verteidigen".

Alexander stößt in der Grenzeinheit auf rabiate Leidensgenossen wie das Ekelpaket Kerner (Max Riemelt), der seine Kameraden drangsaliert, aber auch auf verständnisvolle und desillusionierte Kameraden wie den Soldaten Gappa (Florian Panzner). Er wird später beim Streifengang erschossen. In Wirklichkeit kamen 29 Grenzsoldaten der DDR bis 1989 ums Leben.

Bei seinem ersten Freigang begegnet Alexander der Dorfbewohnerin Christine. Sie ist spröde und weist ihn ab. Er lässt nicht locker und sieht sie aufs Neue, als er ihre Mutter nach Hause fährt. Christine öffnet sich langsam, sie kommen sich näher, bis sie ihm vom Vorhaben ihres Bruders Knut (Frederick Lau) berichtet, der in den Westen flüchten will. Christine spannt ihn für ihre Pläne ein. Alexander soll Wache schieben, wenn Knut flüchten will. Und was ist mit Christine? Spielt sie ein ehrliches Spiel mit Alexander? Oder will sie auch weg?

Die Idee zum Film stammt von Autor Stefan Kolditz, der selbst bei den DDR-Grenztruppen diente und autobiografische Elemente in die Handlung einbaute. Gedreht wurde in Mittelhessen, die Grenzanlagen wurden für den Film nachgebaut. Fast alle Schauspieler ­ mit Ausnahme der Bayerin Bernadette Heerwagen ­ stammen aus Ostdeutschland, da der Film "einen bestimmten Authentizitätsanspruch" stelle, so der zuständige ZDF-Redakteur Günther van Endert. Die jungen Darsteller hätten zwar die Grenze nicht bewusst erlebt, aber verfügten über einen "tradierten Erfahrungsschatz".

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