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Guter Typ, herausragender Schauspieler: Felix Klare.

Der Schauspieler redet Klartext

Felix Klare im Interview: „Nur Tatort? Kann ich mir nicht vorstellen!“

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Felix Klare ist vor allem bekannt aus seiner Rolle als Stuttgarter Tatort-Kommissar. Doch der 38-Jährige kann noch viel mehr. Wir haben den Schauspieler zum Interview getroffen.

Als Felix Klare vor fast zehn Jahren als Tatort-Kommissar in Stuttgart vorgestellt wurde, war er für die allermeisten Zuschauer ein neues Gesicht – aber eines, das man sich merkte. Der gebürtige Heidelberger, der seit Jahren in München lebt, ist nämlich nicht nur ein sehr smarter Typ, sondern ein herausragender Schauspieler, dem etwas gelungen ist, das nur wenige schaffen: Er wurde nicht (!) auf die Rolle des Ermittlers festgelegt, sondern mit dem Engagement in der ARD-Krimireihe kamen viele weitere großartige Angebote. Am Montag Abend zum Beispiel ist ­Klare in dem ZDF-Film „Zweimal lebenslänglich“ als verurteilter Mörder zu sehen. Am Freitag spielt er im Ersten einen Mann mit Kinderwunsch. So geht Vielfalt! Wir sprachen mit dem 38-Jährigen.

Herr Klare, in dem ZDF-Film „Zweimal lebenslänglich“ spielen Sie ­einen Mann, der wegen Mordes zu ­lebenslanger Haft verurteilt wird – aber bis zuletzt seine ­Unschuld beteuert. Ist das für Sie eine Rolle wie jede andere?

Felix Klare: Das war auf jeden Fall eine Rolle, die mich extrem herausgefordert hat. Aber nach solchen Rollen suche ich ganz bewusst. Ich kann mich nur entwickeln, wenn mir etwas abverlangt wird. Und wenn man am Ende das Gefühl hat, es ist gut geworden, dann ist das sehr ­befriedigend.

Und es ist richtig gut geworden. Aufwühlend und gut.

Klare: Das freut mich, danke. Die Arbeit an dem Film war auch etwas Besonderes. Wir haben zum Beispiel eine ganze Woche lang nur geprobt. Wir haben richtige Familienaufstellungen gemacht, um zu schauen, wie die Figuren aufeinander und miteinander reagieren. Das macht man wirklich selten.

Ihre Film-Partnerin, die von Julia Koschitz gespielt wird, glaubt an die Unschuld ihres Mannes, obwohl der Richter ein eindeutiges Urteil gefällt hat. Ist das bedingungslose Liebe oder die totale Selbstaufgabe?

Klare: Ich als Felix Klare würde in so einer Situation vermutlich anders reagieren. Rationaler. Ich würde mich eher an den Fakten orientieren und die Beweisschiene antreten.

Das klingt jetzt eher nach dem „Tatort“-Kommissar, den Sie ja auch spielen.

Klare: (lacht) Ja, vielleicht. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich so viele verschiedene Sachen machen darf. Die Vielfalt ist das Spannende – auf der einen Seite ist da dieser dunkle Typ aus Zweimal lebenslänglich, dann gibt es in dieser Woche noch einen Film, der heißt Ich will (k)ein Kind von dir, in dem ich wieder eine ganz andere Rolle spiele. Und dann ist da der Sebastian Bootz aus dem Stuttgarter Tatort. Mir gefällt diese Mischung sehr gut.

Es ist selten genug, dass „Tatort“-Kommissare noch so viele andere Figuren spielen. Die meisten sind festgelegt auf die Ermittler-Rolle.

Klare: Die Sache mit dem Tatort ist ein zweischneidiges Schwert. Fluch und Segen zugleich. Mir persönlich ist es wichtig, nicht auf diese Rolle festgelegt zu sein. Ich möchte auch noch andere Filme drehen. Und wenn ich merken würde, dass diese Angebote ausbleiben, weil die Produzenten denken, ach, der kann eh nur Kommissar, würde ich in den sauren Apfel beißen und sofort aufhören. Nur im Tatort zu spielen, kann ich mir nicht vorstellen. Dafür ­habe ich mir den Beruf nicht ausgesucht. Aber es ist auf der anderen Seite natürlich schon gut, so eine Rolle in petto zu haben. Sie bedeutet ein sicheres Einkommen. Ich habe schließlich vier Kinder.

Eine Frau würde man an dieser Stelle fragen: Wie schaffen Sie das, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Klare: Ha! Ja, das stimmt. Und jetzt soll ich erzählen, wie ich es schaffe?

Wenn Sie mögen.

Klare: Es ist Schwerstarbeit (lacht)! Ich glaube, Erziehung und Beziehung sind die schwierigsten Aufgaben, die einem das Leben stellt. Das ist echt nicht ohne. Meine Frau (die Schauspielerin Zora Thiessen) und ich geben unser Bestes und ich denke, wir kriegen es hin, weil es uns riesengroßen Spaß macht. Die Kinder sind zwischen zwei und 14 Jahre alt, da ist alles dabei. Der Jüngste wurde bis vor einem halben Jahr noch gestillt und der Älteste ist in der ­Pubertät. Langweilig ist es nicht zu Hause.

Zurück zur Schauspielerei: Wenn man Sie so reden hört, kann man sich für Sie gar keinen anderen Beruf vorstellen. Dabei sind Sie über das Arbeitsamt zu diesem Job gekommen. Oder ist das eine Legende?

Klare: Nein. Das stimmt. Es war das BIZ, das Berufsinformationszentrum in München. Da habe ich irgendwann mal so einen Fragenkatalog ausgefüllt, mit dem man rausfinden sollte, welcher Beruf zu einem passt. Bei mir stand Pferdewirt (lacht).

Und dann haben Sie weitergesucht? Bis irgendwann Schauspieler da stand?

Klare: So ungefähr. Ich habe dicke Ordner gewälzt und bin bei „Sch“ hängen geblieben. Im Nachhinein haben mir meine Eltern und meine drei älteren Geschwister allerdings erzählt, dass ich auch als Kind schon ständig irgendwelche Nachbarn nachgespielt hätte. Aber das war mir damals natürlich nicht bewusst. Ich war als Kind, das als sechstes Mitglied in die ­Familie kam, erst mal damit beschäftigt, die ganzen bestehenden menschlichen Beziehungen zu klären. Ich habe die ersten drei Jahre meines Lebens kaum gesprochen, weil ich damit beschäftigt war.

Wie bitte?

Klare: Im Ernst. Es ist doch so: Wenn man als erstes Kind auf die Welt kommt, hat man eine (!) Beziehung zu checken: die zwischen Mama und Papa. Kommst du als zweites Kind auf die Welt, musst du die Beziehung von Mama und Papa checken, von Mama zu Kind eins, von Papa zu Kind eins. Und so weiter. Ich war das vierte Kind und hatte deswegen allerhand zu tun. Menschliche Beziehungen faszinieren mich bis heute. Das ist wohl einer der Gründe, wa­rum ich die Schauspielerei so mag. Da geht es ja letztlich nur um das – menschliche Beziehungen.

Seit 2008 ein Team: Klare und Richy Müller.

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