+
Bettina Reitz ist seit Juni 2012 die Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks.

Bettina Reiz im Interview

Wie sieht die Zukunft des BR aus, Frau Fernsehdirektorin?

  • schließen

München -  Das Bayerische Fernsehen wird 50. Wir wollten von Fernsehdirektorin Bettina Reitz (52) wissen, wie sie die Zukunft des Bayerischen Fernsehens sieht.

Es war im September 1964, als das Bayerische Fernsehen auf Sendung ging – als erstes Drittes Programm in Deutschland. 50 Jahre ist das her, am Freitag (19 Uhr, live im BFS) steigt die große Geburtstagsgala. Wir wollten von Fernsehdirektorin Bettina Reitz (52) wissen, wie sie die Zukunft des Bayerischen Fernsehens sieht.

Frau Reitz, bei Ihrem Dienstantritt im Juni 2012 haben Sie gesagt: „Ich möchte Fernsehen machen, das noch stärker junges Publikum anspricht.“ Wie geht die Verjüngung voran? 

Bettina Reitz: Eines vorweg: Ich möchte keine Altersdiskriminierung betreiben. Wir haben eine sehr treue Zuschauerschaft, und die lassen wir nicht zurück. Dennoch ist es wichtig, das Programm zu verjüngen, und wir sind mit Live-Events auf einem guten Weg. Auch der Donnerstag zum Beispiel mit Quer, ein Unikat in Deutschland, war immer ein jüngerer Abend, deswegen haben wir im Anschluss an Quer nun unsere Kabarett- und Kulturangebote gesetzt. Am Samstagabend möchten wir auch künftig verstärkt inte­ressante Familienfilme anbieten.

Entwickeln Sie auch neue Formate?

Bettina Reitz: Ja. Wir entwickeln beispielsweise eine Sendung mit dem Arbeitstitel Do it yourself, in der wir Trends aufspüren und zeigen wollen: Wie kann ich aus etwas Altem etwas Neues herstellen? Was kann ich für mich handwerklich erschaffen? Florian Wagner, den viele Zuschauer gerne öfter sehen möchten, wird den Zuschauern – mit einer kompetenten Frau an seiner Seite – Tipps geben. Außerdem planen wir ein Format rund um PC, Tablets und Bedienungsfragen. Und verstärkt Netzformate wie die jüngste MashUp-App. Über die sagte selbst mein 17-jähriger Sohn: „Mensch, ihr beim BR seid ja doch cool.“ (Lacht.)

Wie sieht es im Bereich Information aus?

Bettina Reitz: Auch dort wird einiges im Hinblick auf Verjüngung entwickelt. Der Mittwochabend zum Beispiel mit seinen Bürgersendungen ist ein zentrales Thema. Selbstverständlich stehen wir mit unseren Kollegen aus der Informationsdirektion in intensivem Austausch und überlegen, inwiefern auch die Münchner Runde in ihrer jetzigen Form einer jüngeren Zuschauerschaft interessant gemacht werden kann.

Denken Sie über neue Moderatoren nach?

Bettina Reitz: Mehr über die Gäste. Einer Frage muss man sich aber unabhängig davon stellen: Wenn ich eine Talksendung neben vielen bin – und das ist der Fall –, was sind dann die Themen, mit denen ich ein Alleinstellungsmerkmal schaffe?

Was stellen Sie sich vor?

Bettina Reitz:  Schulthemen sind ein gutes Beispiel. Sie sind allein schon deswegen ein Alleinstellungsmerkmal, weil der Komplex Schule wie der gesamte Kulturbereich Länderhoheit ist. Auch Familien- und Frauenthemen würden sicher eine Verjüngung bedeuten.

Ist ein weiteres Talkformat vorstellbar? Etwas wie „Live aus dem Alabama“? Das war Kult, das war BR pur! 

Bettina Reitz: Ja, das war Kult. Aber die Zeiten haben sich geändert. Im Moment möchte ich kein neues Talkformat auflegen. Die Diskussion um zu viele Talks gibt es schon. Es bringt nichts, wenn wir uns kannibalisieren.

Wenn Sie Neues schaffen, müssen Sie sich zwangsläufig von Bestehendem verabschieden. Was könnte das sein?

Bettina Reitz: Wir überprüfen, inwiefern wir in unseren Sendungen Überschneidungen von Themen haben. So schön die bayerische Landschaft ist – wo kommt bei uns im Programm Natur, Landschaft, Garten vor? Wo wird überall gekocht? Das schauen wir uns im Moment genau an und bewerten, wie viel davon trägt und wo wir neue Trends aufnehmen müssen.

Wie steht es um die Zukunft des ­„Musikantenstadl“? 

Bettina Reitz: Der Vertrag läuft bis Ende 2015, und daran wird nicht gerüttelt. Es ist eine der wenigen Eurovisions-Sendungen, die es im Ersten noch gibt. Überdies finde ich, dass volkstümliche Musik auch ihre Berechtigung im Programm hat. In der jetzigen Form tut sich der Stadl allerdings schwer – auch wenn die jüngste Ausgabe wieder eine gute Quote hatte.

Was könnte man ändern?

Bettina Reitz: Ich hätte mir mit einer Co-Moderatorin und etwas anderen Schwerpunkten eine Weiterentwicklung der Sendung vorstellen können. Die Federführung hier liegt aber beim ORF. Wir müssen abwarten.

Kommen wir mal zum Fiktionalen. Die Heimatkrimis sollen im BR nicht fortgesetzt werden. Warum nicht?

Bettina Reitz (Mitte) stellte sich den Fragen von Stefanie Thyssen und Rudolf Ogiermann.

Bettina Reitz: Ein Heimatkrimi ist sehr, sehr teuer – das ist das eine. Und dann muss man sehen, dass wir eine Krimischwemme erleben. Mit dem Tatort, dem Polizeiruf 110, dem Montagskrimi im ZDF oder den Heiter bis tödlich-Serien. Und dann hat das ZDF unsere Idee von den Heimatkrimis auch noch kopiert und den Bayernkrimi am Samstagabend in Serie gebracht. Es gibt in keinem europäischen Land so viele Ermittler wie in Deutschland. Und Leichen pflastern ihren Weg (lacht).

Also bleiben Sie dabei: Es wird keine weiteren Heimatkrimis geben? 

Bettina Reitz: Im BR vorläufig nicht, doch wird unter anderem die Kluftinger-Reihe fürs Erste weiterproduziert – in Zusammenarbeit mit der Degeto. Ich halte das für einen vertretbaren Kompromiss: Wir machen mit den Heimatkrimis eine Pause, und wenn wir in zwei Jahren wieder Platz und Geld haben, können wir einen Heimatkrimi gerne wieder realisieren.

„Dahoam is Dahoam“ steht, wie man hört, auch immer mal wieder auf der Kippe, weil die Serie sehr teuer ist. 

Bettina Reitz: Es gibt kaum ein Serienformat, das einen so günstigen Minutenpreis mit einem so hohen Produktionswert hat wie Dahoam is Dahoam. Die Serie ist eine der erfolgreichsten Sendungen im Bayerischen Fernsehen und die erfolgreichste tägliche Vorabendserie bei den bayerischen Zuschauern überhaupt – also erfolgreicher als alle ARD-Serien oder Gute Zeiten, schlechte Zeiten bei RTL. Was ich persönlich auch wichtig finde: Die Serie ist ein generationsübergreifendes Familienangebot, das von unterschiedlichsten Lebensentwürfen erzählt. Dabei ist die Serie immer auf die Gemeinschaft als integrative Kraft ausgerichtet und bietet Lösungsansätze bis hin zu der Frage: Wie gehe ich mit einem tragischen Schicksalsschlag um? Abgesehen davon hat sie in unserer Mediathek so hohe Abrufzahlen wie sonst nur Quer. Und: Dahoam is Dahoam ist mit den Jahren jünger geworden, da liegt der Altersschnitt der Zuschauer häufig zwischen 60 und 61 Jahren, das ist weit unter Senderschnitt bei einem Marktanteil von 17 Prozent im Schnitt.

Also müssen sich die Fans keine Sorgen machen? 

Bettina Reitz: Es kann immer äußere Einflüsse geben, wo wir sagen müssten: So ist die Serie nicht mehr fortzusetzen. Das können massive Einsparungen sein oder der Mietvertrag oder was auch immer. Als Programmverantwortlicher muss man jederzeit mit einem Ende rechnen. Oder sagen wir besser: mit Veränderungen! Aber das ist aktuell nicht zu befürchten!

Interview: Stefanie Thyssen (TZ), Rudolf Ogiermann (Münchner Merkur)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Es geht schon wieder los: Promi Big Brother bittet erneut mehr oder minder bekannte Stars in den Container und sperrt hinter diesen ab. Wer bei der aktuellen Staffel …
Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Lady Diana: Reichlich Sonderprogramm zum 20. Todestag
Zahlreiche TV-Beiträge gedenken Prinzessin Diana und wollen Licht in das Dunkel ihres Unfalltods bringen. 
Lady Diana: Reichlich Sonderprogramm zum 20. Todestag
Das ZDF eröffnet die Herzschmerz-Saison
Ab Sonntag darf vor dem Fernseher wieder gekuschelt, geschmachtet und geträumt werden – das ZDF eröffnet mit einer neuen Rosamunde-Pilcher-Verfilmung seine …
Das ZDF eröffnet die Herzschmerz-Saison
Hoffen auf den Lucky Punch
München - Wladimir Klitschko wird TV-Experte beim Streamingdienst DAZN – und zeichnete im Münchner Boxwerk einen ersten Beitrag auf.
Hoffen auf den Lucky Punch

Kommentare